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Bianca Jagger: Die Rocker-Braut wird 60

Die Rocker-Braut wird 60

Das berühmteste Foto von Bianca Jagger zeigt sie im Abendkleid auf einem weißen Hengst in der legendären Disco "Studio 54" in New York. Als exzessive "Königin der Nacht" feierte das Model, das mit Rolling Stone-Legende Mick Jagger verheiratet war, in den 70er Jahren wilde Partys mit Andy Warhol und Liza Minelli, hatte Affären mit Schauspielern wie Warren Beatty und Ryan O’Neal. Ihre wahre Berufung fand sie später im weltweiten Engagement für die Menschenrechte und den Umweltschutz. Ihre Themen sind vielfältig: Sie kämpft gegen die Zerstörung des Amazonas, für die Rechte von Prostituierten in Indien und gegen die Todesstrafe in den USA. Im vergangenen Jahr wurde sie mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet. Am Montag wird Bianca Jagger 60 Jahre alt.

Rebellin aus Nicaragua

"Ich wuchs unter dem Diktator Somoza auf, eine Dynastie, die Nicaragua 43 Jahre lang beherrschte und von den USA unterstützt wurde. Ich setze mich so leidenschaftlich für Menschenrechte, Demokratie und Freiheit ein, weil ich das alles früher nicht erleben konnte", erklärte Jagger in einem Interview. Bianca Perez Morena de Macias wurde 1945 als ältestes von drei Kindern eines Marktverkäufers in Managua (Nicaragua) geboren. Als die Eltern sich Anfang der 50er Jahre scheiden ließen, brachte ihre Mutter die Familie mit einem kleinen Restaurant durch. Die katholische Schule Immaculate Conception (Unbefleckte Empfängnis) schloss sie mit Bestnoten ab. Als Teenager schon demonstrierte sie mit Studenten gegen das Somoza- Regime, bekam Tränengas ab und musste sich in einer Kirche verstecken, erzählte sie einmal.

Mit 16 gewann sie ein Stipendium an der Pariser Universität Sorbonne und studierte politische Wissenschaft. Sie las Camus, Voltaire und Rousseau, war begeistert von den Ideen Gandhis. In der Stadt an der Seine traf sie dann auch 1970 Mick Jagger, der mit seinen Rolling Stones dort auftrat. Es war Liebe auf den ersten Blick. Im Mai 1971 heirateten die beiden in Saint Tropez, im Oktober kam Töchterchen Jade auf die Welt. Nach wilden acht Jahren Ehe mit dem notorischen Fremdgänger und Drogenbenutzer hatte Bianca Jagger allerdings die Nase voll und reichte die Scheidung ein. Jaggers zweite Frau wurde das texanische Model Jerry Hall, mit der er vier Kinder hat. "Mrs. Jagger" ist und bleibt jedoch die dunkelhaarige Frau aus Nicaragua.

Erfolglose Film-Karriere

Neben einer eher erfolglosen Film- und Fernsehkarriere war Bianca Jagger bereits in den 70er Jahren politisch engagiert. 1972 kehrte sie in ihre Heimat Nicaragua, um dort nach einem Erdbeben Aufbauhilfe zu leisten. Zum Schlüsselerlebnis wurde für sie eine Reise durch Honduras 1981. Dort besuchte sie gerade ein Flüchtlingslager, als Todesschwadronen eindrangen und 40 Männer verschleppten. Gemeinsam mit den Frauen verfolgte sie die mit Maschinengewehren bewaffneten Rebellen mit der Kamera, machte Fotos und drohte mit Worten. "Ich dachte, die bringen uns auch um. Aber dann ließen sie plötzlich alle frei. Mir wurde klar, dass ein bisschen Mut Leben retten kann. Deshalb glaube ich, dass es wichtig ist, Zeugnis abzulegen und eine Stimme zu sein für die, die keine Stimme haben", ist Jagger überzeugt.

Seit 20 Jahren ist das frühere Partygirl bei Amnesty International aktiv. Sie war in Bosnien und im Kosovo, in Afghanistan und Pakistan und demonstrierte 2003 im Irak gegen den sich ankündigenden Einmarsch der US-Truppen. Die Verleihung des Alternativen Nobelpreises an Bianca Jagger wurde damit begründet, dass sie gezeigt habe, "wie man Berühmtheit in den Dienst von Ausgebeuteten und Benachteiligten stellt".

Carla S. Reissman, DPA / DPA