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Berlinale kompakt: James Franco - Film mit Wenders, Date mit Engelke

Unterwegs auf der Berlinale: Der stern nimmt Sie mit zum Festival. Zum Beispiel zu Wim Wenders und James Franco, die ihren Film "Every Thing Will Be Fine" vorstellten und Privates plauderten.

Von Sarah Stendel, Berlin

Franco, die dritte: Jetzt stellte der Schauspieler gemeinsam mit dem Regisseur Wim Wenders das Drama "Everything Will Be Fine" vor.

Franco, die dritte: Jetzt stellte der Schauspieler gemeinsam mit dem Regisseur Wim Wenders das Drama "Everything Will Be Fine" vor.

"James Franco, Anke Engelke hat Sie doch bei der Eröffnung um ein Date gebeten ...", begann eine Journalistin bei der Pressekonferenz zu "Every Thing Will Be Fine" eine Frage. Doch noch bevor sie zu Ende sprechen konnte, fiel Franco ihr ins Wort. "Ohja, wir hatten diesen Drink", versicherte er. Gelächter im Saal. Es war das dritte Mal diese Woche, dass Franco auf der Berlinale einen Film vorstellte und der Schauspieler hat sich offenbar gut eingelebt. "Ich hab immer eine großartige und abenteuerliche Zeit hier in Berlin, sagte er grinsend. Dass er gern auf Partys geht, glauben wir ihm sofort (siehe unten).

Regisseur Wim Wenders hingegen war bis zur letzten Sekunde am Schuften: "Every Thing Will Be Fine" ist erst vor zwei Tagen fertig geworden. In dem sehr ruhig und in beeindruckend komponierten Bildern erzählten Drama geht es um einen schrecklichen Unfall und seine Folgen. "Welche Verantwortung hat man für das Leben von Fremden? Und wie können Traumata überwunden werden? Heilung ist ein wichtiger Teil unseres Lebens. Aber der Weg dorthin ist nicht immer klar", sagte Wenders über die Themen des Films, der in 3D gedreht wurde.

Neben Franco spielt die großartige Charlotte Gainsbourgh die zweite Hauptrolle. "Ich weiß auch nicht, warum man mich immer fragt, ob ich diese stark trauernden und verzweifelten Rollen übernehmen möchte. Aber ich habe mich sehr geehrt gefühlt, als Wim gefragt hat", erzählte sie. Gainsbourgh spielt in dem Drama eine alleinerziehende Mutter, die ihr Kind verliert. "Every Thing Will Be Fine" läuft außer Konkurrenz auf der Berlinale, doch am Donnerstag wird Wim Wenders mit dem goldenen Ehrenbär für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Das freut den 69-Jährigen Wahl-Berliner sicherlich. "Ich kann mir nicht vorstellen, in einer anderen Stadt zu leben", schwärmte er.

+++ So erträgt Robert Pattinson den Fan-Wahnsinn +++

Augen zu und durch: Robert Pattinson zeigte sich bei der Vorstellung seines Films "Life" mit Bart und Wuschelfrisur gewohnt grummelig. Trotzdem wollten die Fotografen mit dem Knipsen gar nicht mehr aufhören, als der ehemalige "Twilight"-Star endlich da war. Stoisch ertrug Pattinson den Fototermin, taute dann erst bei der Pressekonferenz etwas auf.

"Ich hab zwei Monate lang geübt und einige wirklich schreckliche Fotos geschossen", erzählte er lachend von den Dreharbeiten. Denn ironischerweise spielt Pattinson in "Life" den James-Dean-Fotografen Dennis Stock. "Ich konnte seine Zweifel daran, ob er als Künstler gut genug ist, nachvollziehen", sagte der Brite, der selbst lange mit seinem Image als sexy Vampir haderte.

Genau deshalb kreischten bei der Premiere abends auch sechs Jahre nach "Twilight" noch immer die Fans. "Roooooobert, please! Robert just one Selfie, please!", wurde gebettelt. Fast wie in Trance ließ sich Pattinson von seinem Bodyguard von einer Seite zur nächsten schieben, verzog keine Miene, sagte kein Wort - Autogramme kritzelte er beinahe blind. Er scheint eben seine ganz eigene Taktik für den Kreisch-Wahnsinn zu haben.

Wer kein Selfie bekam, hatte vielleicht bei Festival-Direktor Dieter Kosslick Glück: Der war eine Stunde zuvor wie ein netter Onkel über den Teppich gegangen und hatte kleine goldene Berlinale-Pins an die wartenden Fans verteilt. (sst)

Überraschungsgast: Hollywoods mächtigster Produzent Harvey Weinstein nahm neben Helen Mirren Platz.

Überraschungsgast: Hollywoods mächtigster Produzent Harvey Weinstein nahm neben Helen Mirren Platz.

+++ Überraschung: Harvey Weinstein schaut vorbei +++

Überraschung bei der Pressekonferenz zu "Woman in Gold": Der mächtige Filmproduzent Harvey Weinstein persönlich war nach Berlin gereist und nahm unangekündigt neben Hauptdarstellerin Helen Mirren Platz.

Ein Anruf von Weinstein kann in Hollywood Leben verändern, alle umgarnen den großen Boss. Und so war es auch für Ryan Reynolds, der in "Woman in Gold" ausnahmsweise mal kein Sexsymbol oder Superhelden spielen muss, eine Ehre, als Weinstein plötzlich am Telefon war. "Hey Reynolds, heut ist dein Glückstag", habe dieser zu ihm gesagt.

Ganz ähnlich erging es auch Daniel Brühl, der neben Mirren und Reynolds in dem berührenden Film über Kunstraub der Nazis einen österreichischen Reporter spielen darf. "Harvey kam auf einer Awardsparty zu mir und sagte: 'Junge, ich hab ein wunderschönes Drehbuch für dich'. Und so war es auch", erzählte Brühl. (sst)

Pussy-Riot-Girls Nadeschda Tolokonnikowa und Maria Aljochina haben Bianca Jagger offensichtlich nicht viel zu sagen. Aber es geht ja um die Meinungsfreiheit

Pussy-Riot-Girls Nadeschda Tolokonnikowa und Maria Aljochina haben Bianca Jagger offensichtlich nicht viel zu sagen. Aber es geht ja um die Meinungsfreiheit

+++ Nimm' das, Nordkorea! +++

Es gibt Berlinale-Augenblicke, die sind besser als jeder Film. Nein, nicht Interviews mit Beach-Boys-Legende Brian Wilson oder "her majesty" Helen Mirren. Auch nicht die Party mit James Franco inmitten der Berliner Kunstschickeria, die den fleißigsten aller Berlinale-Promis einfach in der Ecke stehen ließ, weil hier schließlich jeder doppelt so cool ist. (Abgesehen von Kollegin K., aber dazu gleich mehr.)

Ich meine diesen Augenblick in der Pressekonferenz zur Cinema-for-Peace-Gala, als die grande dame der Disco und Menschenrechte, Bianca Jagger, nach all den Jahren immer noch voller Leidenschaft dafür kämpfte, dass diese Welt eine bessere wird. Während sich Pussy Riots Nadeschda Tolokonnikowa und Maria Aljochina - auch auf dem Podium - lauthals unterhielten und mit ihren Handys rumfummelten, bis das Gebratze sogar den Gastgeber nervte. Der dann Folgendes verkündete: Cinema for Peace werde die Aktion unterstützen, dass 1000 Hydroballons mit einer "The Interview"-DVD an der Leine über die Grenze nach Nordkorea schweben werden. Damit das unterdrückte Volk Nordkoreas sich selbst ein Urteil bilde. Genau. "The Interview", dieser schmerzbefreite Kalauerfilm, in dem James Franco und Seth Rogen nach Nordkorea fahren und Kim Jong-un erledigen sollen, was der echte Kim Jong-un so unwitzig fand, dass er der ganzen Welt mit der Apokalypse drohte.

Kurze Stille. Ungläubiges Im-Saal-umhergucken, weil man denkt "Guter Witz! Seth Rogen, komm' raus, du bist umzingelt." Dann die Realisierung: Das ist völlig ernst gemeint. 1000. Hydroballons. An denen eine DVD baumelt. Da gucken sogar die Protest-Pin-Ups Tolokonnikowa und Maria Aljochina kurz von ihren Handys hoch. Andererseits hat gerade Arnold Schwarzenegger für Cinema for Peace auf der Sicherheitskonferenz in München über Umweltschutz geredet...

Dieser harte Tag wurde von Helen Mirren und Ryan Reynolds versüßt, die für das Beutekunst-Drama "Die Frau in Gold" in der Stadt sind. Der Film erzählt die Geschichte von Maria Altmann, deren Familie von den Nazis ausgeraubt, vertrieben und ermordet wurde. Unter anderem Gustav Klimts weltberühmtes Porträt "Die goldene Adele" wurde den Überlebenden der Familie nie zurückgegeben, sondern als "Österreichs Mona Lisa" gefeiert, bis Maria Altmann, die in den USA überlebt hat, den Kampf aufnahm. Mirren sagt, sie sei glücklich, diesen Film gemacht zu haben, in dem übrigens auch Daniel Brühl und Tom Schilling zu sehen sind. Und während Mirrens elegante, intelligente Bodenständigkeit einem delikaten Eisparfait gleicht, ist Reynolds' "Ich bin gerade Vater geworden und habe den Indie-Film für mich entdeckt"-Wärme eher Schokoladensoße.

Eigentlich könnte James Franco die Berlinale auch allein bespielen. Der Mann ist irgendwie überall.

Eigentlich könnte James Franco die Berlinale auch allein bespielen. Der Mann ist irgendwie überall.

Auch in der Schokoladensoßen-Liga spielt eigentlich besagter James Franco. Der wurde Sonntagnacht aber zu einem Champagner, der zu schnell alle war (genau gesagt um halb zwölf). In den Kunstwerken erwartete der Hollywoodstar, den Anke Engelke sich in der Eröffnungszeremonie so wunderbar vorgenommen hatte (siehe unten), seine Gäste. Zombie-Dragqueens hüpften über Großleinwände, und ein Stockwerk höher bedeckte ein riesiges Ohr den Boden. Franco lehnte an verschiedenen Wänden und hatte erstaunlich wenig Gesellschaft. Bis Kollegin K. endlich genug Champagner intus hatte, um sich zwischen ihn und Wim Wenders zu schieben. Und während K. angesichts Francos breitem Lächeln keine Sätze mehr bilden konnte, stand Wim Wenders plötzlich vor einem Zugereisten, der ihn höflich fragte, was er denn hier so mache. Wenders nahm's gelassen und gab freundlich Auskunft. Am Dienstag läuft sein Familiendrama "Everything will be fine" mit Charlotte Gainsbourg und - Sie haben es erraten - James Franco.

Ach, übrigens soll es bald auch einen Film über Pussy Riot geben, haben die Mädchen verraten. Und dabei hilft ihnen angeblich niemand Geringeres als Tarantino, Spike Jonze und Alfonso Cuarón. Dann allerdings wird das Kino wieder besser als das Leben sein. (sal)

Autor Clemens Meyer polterte auf der Pressekonferenz zu "Als wir träumten" los.

Autor Clemens Meyer polterte auf der Pressekonferenz zu "Als wir träumten" los.

+++ Bei Kritik kracht's +++

Die Stimmung nach der ersten Pressevorführung von Andreas Dresens ("Sommer vom Balkon") Romanverfilmung "Als wir träumten" war durchmischt: Einige störten sich an den ausschweifenden Gewaltszenen oder fanden die Dialoge zu platt. Andere berührte der Film, der übrigens mit sehr guten Jungschauspielern ausgestattet ist, stark. Er erzählt wie das Buch von Clemens Meyer vom Aufwachsen einer Gruppe Jungs in Leipzig um die Wendezeit, das von Drogen, Gewalt und der Suche nach Zusammenhalt geprägt ist. Neben einigen lobenden Fragestellern, kam in der Pressekonferenz auch eine Journalistin zu Wort, die schwer enttäuscht vom Film war. "Ich habe die ganze Zeit nach der Dresen-Handschrift gesucht", klagte sie. "Ich kann nur sagen: der Film ist von mir und es steckt Herzblut drin. Wenn es nicht angekommen ist, tut's mir leid," anwortete der Regisseur souverän.

Dann ging es plötzlich gar nicht mehr konkret um den Film: Eine andere Journalistin fragte, warum sich so viele Filmemacher eigentlich auf männliche Coming-of-Age-Geschichten konzentrieren und verwies darauf, dass "Als wir träumten" neben vier Jungs nur eine einzige weibliche Hauptrolle (gespielt von Ruby O. Fee) habe.

Da platzte dem Autor Clemens Meyer der Kragen: "Zeigen sie mir eine Frau, die nur über das Heranwachsen junger Männer schreibt! Man kann doch nicht eine Geschichte nehmen und kritisieren, dass es nicht eine andere Geschichte ist", polterte er los. Um dann triumphierend auf Ruby O. Fee inmitten von acht Männern zu zeigen. "Da ist sie doch: eine tolle Frauenfigur!".

Auch Dresen, der bisher alles charmant gekontert hatte, verspielte sich zum Schluss einige Sympathien. "Zeigen Sie mir das tolle Buch über das Heranwachsen von Mädchen. Ich verfilme es dann gern", sagte er. Achja, das übliche Problem im Film-Business: Männer sind einfach von Natur aus spannender als Frauen. (sst)

Hannah Herzsprung und Palina Rojinski feierten gemeinsam beim Medienboard Empfang im Hotel Ritz Carlton.

Hannah Herzsprung und Palina Rojinski feierten gemeinsam beim Medienboard Empfang im Hotel Ritz Carlton.

+++ Händchenhaltend ins Getümmel, barfuß aufs Klo +++

Hast du schon gehört? Bushido soll auch hier sein", flüsterten sich die Jungschauspieler an der Wodkabar zu. Hartnäckig hielt sich am Samstag auf der Party des Medienboards Berlin-Brandenburg das Gerücht, der berüchtigte Rapper hätte sich unter die feiernde Berlinale-Clique gemischt. Im Hotel Ritz-Carlton hatte sich die komplette deutsche Film-Riege versammelt. Schauspieler wie Til Schweiger, Elyas M'Barek, Jan Josef Liefers, Heike Makatsch, Iris Berben oder Sibel Kekilli dankten der begehrten Filmförderung mit einem Auftritt auf dem roten Teppich.

Aber wo war Bushido denn nun? Er war nicht im Party-Getümmel im großen Saal, durch das sich Hannah Herzsprung und Palina Rojinski kichernd und händchenhaltend schoben. Man sah ihn auch nicht vor den Toiletten, wo Jessica Schwarz barfuß in der Damenschlange stand - die High Heels längst abgestreift. Er ließ sich weder wie Katja Riemann in der Beauty-Ecke auffrischen, noch tanzte er mit Noah Becker und seinen Teenie-Freunden zu Will Smiths "Miami" - einer von ihnen übrigens mit Einhorn-Maske auf dem Kopf.

Am ehesten hätte man ihn noch wie August Diehl und Alexander Fehling lässig an der Schnapsbar lehnend vermutet. Irgendwann klärte sich auf: Es geht ein Bushido-Lookalike um. Ein Typ mit Bomberjacke und gegelten Haaren hatte so überzeugend den Gangster-Rapper gegeben, dass ihn einige Gäste für das Original gehalten haben. Auf der Berlinale ist eben alles möglich. (sst)

Bond geht vor: Léa Seydoux sagt ihr Kommen bei der Berlinale ab.

Bond geht vor: Léa Seydoux sagt ihr Kommen bei der Berlinale ab.

+++ Léa Seydoux sagt Berlinale-Auftritt ab +++

Sein Name ist Bond, James Bond. Und wenn er ruft lässt so manche Frau alles stehen und liegen. So auch die französische Schauspielerin Léa Seydoux. Die 29-Jährige ist das neue Bond-Girl. Und deshalb unabkömmlich bei den Dreharbeiten. Genau das kollidierte nun mit ihrem lang geplanten Auftritt auf der Berlinale. Eigentlich sollte die Französin an diesem Samstag das Historiendrama "Journal d'une femme de chambre" ("Tagebuch eines Zimmermädchens") vorstellen, das im Wettbebwerb zu sehen ist. Darin spielt Seydoux die Hauptrolle. Doch nach Angaben der Berlinale gab es eine kurzfristige Änderung bei den Dreharbeiten des "Spectre" betitelten Films, der noch in diesem Jahr in die Kinos kommen soll.

Nicole Kidman auf der Pressekonferenz zu Werner Herzogs Wettbewerbsbeitrag "Queen of the Desert"

Nicole Kidman auf der Pressekonferenz zu Werner Herzogs Wettbewerbsbeitrag "Queen of the Desert"

+++ Nicole Kidman, James Franco und Damian Lewis auf der Berlinale +++

Die Berlinale lebt neben den Filmen von dem Besuch großer Hollywood-Stars. Am Freitag präsentierte das Festival eine Extraportion Starpower: Nicole Kidman, James Franco und Damian Lewis ("Homeland") zeigten Werner Herzogs Wettbewerbsbeitrag "Queen of the Desert". Ritt sie in dem Film auf Kamelen durch die glühend heiße Wüste, so verströmte Kidman in Berlin ausgesprochen kühlen Glanz. Lag es an den für eine 47-Jährige unnatürlich straffen Gesichtszügen? Richtig warm wurden die Besucher bei der Pressekonferenz im Hyatt Hotel jedenfalls nicht. Dafür erwies sich James Franco als Charmbolzen, und Regisseur Herzog erklärte sein Arbeitscredo: "Was immer auf mich zukommt, verfolge ich mit der größten Vehemenz."

Im Falle von "Queen of the Desert" war es zunächste eine große Schachtel mit Briefen einer gewissen Gertrude Bell, die Anfang des 20. Jahrhunderts die arabische Welt bereist hat und eine Art weibliches Pendant zu Lawrence von Arabien war. Der Film erzählt ihre wahre Geschichte und reißt damit ein hochaktuelles Thema an: Er geht zurück zum Ursprung der Krise im Nahen Osten, die bis heute den Weltfrieden bedroht; in die Zeit, als Frankreich und England das Erbe des Osmanischen Reiches unter sich aufteilen und willkürlich Grenzen zogen.

Eine Reise zum Ursprung der Nahost-Krise

Gertrude Bell (Kidman) war daran ebenso beteiligt wie der bereits filmisch verewigte Lawrence von Arabien (Robert Pattinson), der hier am Rande vorkommt. Die aus gutem Hause stammende Engländerin verließt Anfang des 20. Jahrhunderts ihre Heimat, um ihr Glück im Nahen Osten zu suchen. Sie durchquerte auf Kamelen die Wüste, sprach mit Beduinen, Prinzen und dem späteren König Faisal I. Und zeigte, dass friedliche Begegnungen möglich sind: Indem man den Menschen in der Wüste Neugierde und Respekt entgegenbringt und sich auf deren Kultur und Religion einlässt, ohne eigene Interessen zu verfolgen. Das alles erzählt der Film ohne erhobenen Zeigefinger und mit viel Humor.

Den furchtbaren Schnurrbart, den er für seine Rolle in "Queen of the Desert" tragen musste, hatte Damian Lewis zum Glück wieder abgenommen

Den furchtbaren Schnurrbart, den er für seine Rolle in "Queen of the Desert" tragen musste, hatte Damian Lewis zum Glück wieder abgenommen

Regisseur Herzog hat Naturaufnahmen von berückender Schönheit geschaffen. Weniger gelungen sind die beiden Liebesgeschichten, die den Rahmen bilden: Die Romanze mit Henry Cadogan (Franco) ist bisweilen arg kitschig geraten. Und zwischen Bell und ihrer zweiten Liebe, dem Major Richard Doughty-Wylie (Lewis), will es auf der Leinwand einfach nicht funken. Liebesgeschichten waren eben noch nie Herzogs Stärke.

Dass es auf der Pressekonferenz doch noch richtig lustig wurde, ist Damian Lewis zu verdanken. Der erzählte von einem sehr langen Kuss mit Kidman, der leider aus dem Film geschnitten wurde. Aus dramaturgischen Erwägungen. Wieso er aber diese extralange Szene zunächst drehen durfte, verriert er auch: "Ich kann einfach großartig küssen." (hei)

+++ Anke Engelke ist zu cool für James Franco +++

Moderatorin Anke Engelke und Jurypräsident Darren Aronofsky haben ihren Spaß mit Berlinale-Chef Dieter Kosslick

Moderatorin Anke Engelke und Jurypräsident Darren Aronofsky haben ihren Spaß mit Berlinale-Chef Dieter Kosslick

Vielleicht ist es mit der Berlinale wie mit dem Minirock: Sind die Zeiten schlecht, ist der Rock kurz. Sind die Zeiten schlecht, ist die Berlinale ein federleichter Spaß.

Nach dem fulminanten Auftritt der Jury am Morgen (siehe unten) hat auch Anke Engelke einen anbetungswürdigen Auftritt als Gastgeberin der Eröffnungszeremonie hingelegt. "My name is Helene Fischer" war ihr erster Satz. Sie kam in einer glänzenden Fischrobe, und die Show war ihr Teich. Dagegen kam nicht mal Juliette Binoches arktik-weißes Mantelkleid an, das oben wie unten so imposant geschlitzt war, dass der Star des Eröffnungsfilms sich nicht hinsetzen mochte, so lange noch Fotografen vor ihr knieten.

Ansonsten: Der grandiose Christoph Waltz war da! Senta Berger. Udo Kier. Werner Herzog. Iris Berben. Sibel Kekilli. Heike Makatsch. Florian David Fitz. Hannelore Elsner (mit völlig kinountauglichem Kopfschmuck!). Sunnyi Melles. Veronica Ferres. Sebastian Koch. Tom Tykwer. Volker von Schlöndorff. (Fast) alle, alle, alle, die das deutsche Kino ausmachen. Ach, und Tausendsassa James Franco ("The Interview") lümmelte im Festivalpalais-Sessel herum, schließlich präsentiert er in den kommenden Tagen drei Filme! Engelke hat entzückend an ihm rumgebaggert, aber sie war definitiv eine Nummer zu groß für ihn. Franco blieb angesichts so viel Souveränität nichts weiter übrig, als besonders angestrengt Kaugummi zu kauen.

Diese Gala war wahrlich ein sehr kurzer Minirock. Bis Kulturstaatsministerin Monika Grütters auf die Bühne kam, daran erinnerte, warum der Hintern fast freiliegt und mit dem Aufruf: "Die Freiheit der Kunst ist nicht selbstverständlich, sie braucht leidenschaftliche Verteidiger" die 63 Kinoleinwände des Festivals freigab. Dem gab es nichts hinzuzufügen.

PS: Oder doch. Natürlich ist Binoche in "Nobody wants the Night" der Hammer. Auch ohne DAS Kleid. (sal)

Schlitzprobleme

Schlitzprobleme

+++ Davor und danach +++

So sieht es aus, bevor die Promi-Absätze den roten Teppich verschleißen.

So sieht es aus, bevor die Promi-Absätze den roten Teppich verschleißen.

+++ Der Countdown läuft +++

Die Presse steht trotzdem schon auf dem roten Teppich - im Raum der Pressekonferenz. Und es fällt mir das erste Mal in all den Jahren auf.

Die Presse steht trotzdem schon auf dem roten Teppich - im Raum der Pressekonferenz. Und es fällt mir das erste Mal in all den Jahren auf.

+++ Die bestgelaunte Jury überhaupt +++

"Unser" Daniel Brühl, die peruanische Filmemacherin Claudia Llosa#, "Black Swan"-Regisseur Darren Aronofsky (Präsident), Audrey Tautou ("Amélie", "Coco Chanel"), "Mad Man"-Schöpfer Matthew Weiner, Super-Produzentin Martha De Laurentiis und der südkoreanische Filmemacher Bong Joon-ho

"Unser" Daniel Brühl, die peruanische Filmemacherin Claudia Llosa#, "Black Swan"-Regisseur Darren Aronofsky (Präsident), Audrey Tautou ("Amélie", "Coco Chanel"), "Mad Man"-Schöpfer Matthew Weiner, Super-Produzentin Martha De Laurentiis und der südkoreanische Filmemacher Bong Joon-ho

Deutschlands größte Hollywood-Hoffnung Daniel Brühl ("Inglourious Basterds", "Rush") hat den wunderbar entspannten Ton gesetzt, mit dem die Jury der Berlinale 2015 wohl als die bestgelaunte in die Annalen des Filmfests eingehen wird. Wie er das straffe Pensum von 19 Filmen in zehn Tagen plus Jury-Runden plus Partys durchhalten wolle, war die erste Frage in der Jury-Pressekonferenz, die am Donnerstag das Festival eröffnet hat. "Nicht so viel trinken, ne!", flapste Brühl fröhlich zurück und hatte sofort den Saal auf seiner Seite.

Aber auch die fragile Audrey Tautou ("Coco Chanel" und natürlich "Amélie") hielt sich nicht zurück: "Ihr denkt, ich sei ein Stück Zucker, aber vielleicht bin ich die durchgeknallteste Person in der Jury." Derweil verkündete Jury-Präsident Darren Aronofsky ("Black Swan" und "The Wrestler"), nicht einen Film aus dem Wettbewerb zu kennen: "Für mich ist jeden Tag Weihnachten". Und Matthew Weiner (Schöpfer von "Mad Man") wundert sich immer noch, dass er eingeladen wurde.

Tautou, Aronofsky und Brühl

Tautou, Aronofsky und Brühl

Und während die Jury herumalbert, schiebt sich plötzlich die Berlinale-Institution Erika Rabau in die erste Reihe. Die alte, aber alterslose Dame - wie immer in schwarzem Leder - stützt sich auf Schultern und Knie der Kollegen, die sonst ohne jede Rücksicht um die besten Plätze kämpfen, aber angesichts der grande dame der Berlinale-Fotografie zu schnurrenden Kätzchen werden. (sal)

+++ Der Eröffnungsfilm +++


"Und jetzt gucken wir Filme", sagt Darren Aronofsky zum Schluss. Und so sieht der Eröffnungsfilm aus: "Nobody Wants The Night" von Isabel Coixet mit der wundervollen Juliette Binoche:

SohieAlbers Ben Chamo, Sarah Stendel, Carsten Heidböhmer