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Interview mit Brad Pitt: "Angelina ist ein knallharter Boss"

Frisch verheiratet steht Brad Pitt gerade erstmals für seine Frau Angelina Jolie vor der Kamera. Der stern sprach mit ihm über das Eheleben, Deutschland und sein neues Weltkriegsdrama.

Von Frances Schoenberger

Ein sonniger Oktobertag in New York. Brad Pitt hat zum Gespräch ins Tribeca Grill gebeten, das In-Restaurant seines Kollegen Robert DeNiro. Er trägt ein keckes Schnurrbärtchen, das er sich für die Dreharbeiten zum Film "By The Sea" stehen lässt, seine Ehefrau Angelina Jolie führt Regie. Vor ein paar Tagen erst war er mit ihr und den gemeinsamen sechs Kindern in London, wo Jolie für ihr Engagement gegen sexuelle Gewalt in Krisengebieten geehrt wurde - von der Queen höchstpersönlich. Am nächsten Tag wird es nach Washington weitergehen, zur Weltpremiere seines Weltkriegsdramas "Herz aus Stahl". Veteranen der US Army und diverse Politiker haben sich dazu angesagt. Zur Europapremiere reist er wieder nach London. Und zu Weihnachten, meint Pitt, will er "spontan mit der Familie irgendwohin fliegen".

Aus dem einfachen Jungen aus Missouri, der als Huhn verkleidet für ein Fastfoodrestaurant warb, ist einer der Großen im Filmgeschäft geworden, der um die Welt reist und Vertreter der Zeitgeschichte trifft wie andere ihren Friseur. Dabei wirkt er geradezu nervtötend normal: Es gibt nichts Unsympathisches, Unruhiges, Unsouveränes an ihm zu entdecken während dieses Gesprächs. Da sitzt einer, der mit sich und der Welt im Reinen scheint.

Sie haben in "Herz aus Stahl" auch einige deutsche Sätze ...
Und, wie ist mein Deutsch?

Recht gut.


Das hab’ ich mir hart erkämpft. Ich finde Deutsch sehr schön, besonders, wenn es leise gesprochen wird, dann klingt es wie eine Melodie.

Wie ist Ihr Verhältnis zu Deutschland? Sie waren ja schon öfter da.


Ich bin ja ein großer Kunstfan. Und in Deutschland ist auf dem Gebiet sehr viel in Bewegung. Ich habe auch liebe Freunde dort.

Hierzulande wundert man sich - warum werden in Hollywood gerade über den Zweiten Weltkrieg immer wieder Filme gedreht?


Ich weiß nicht, ob ich eine treffende Antwort dafür habe. Wir haben heute so viele Konflikte auf der Welt. Und es ist echt schwer, die Dynamiken zu begreifen, die dahinter stehen, alles ist so verschlungen. Auf den Zweiten Weltkrieg dagegen und die ganze damalige Zeit haben wir einen klaren Blick. Ich glaube, das ist der Grund.

"Herz aus Stahl" ist nach "Inglourious Basterds" bereits Ihr zweiter Film, der während des Zweiten Weltkriegs spielt. Alles reiner Zufall?


Es war schon ein unglaublicher Moment in der Geschichte. Wie Menschen in die Fänge einer solchen Ideologie geraten konnten. Und auch, wie man einander in einem Jahr abgeschlachtet und im nächsten Jahr zusammen Kaffee und Bier getrunken hat. Dieser Umstand allein zeigt doch die Absurdität unserer ganzen Menschheit.

Macht so ein Dreh etwas mit einem?
Wir mussten zur Vorbereitung in ein militärisches Ausbildungslager. Wir hatten außerdem die Möglichkeit uns mit Veteranen zusammenzusetzen, die diesen Krieg erlebt haben, von der Ardennen-Offensive (der letzte Großangriff der Hitlertruppen im Westen 1944, Anm.d.Red.) bis zu weniger bekannten Schlachten. Viele verbrannten in den Panzern, da drin ist man auf schreckliche Weise gestorben. Ich habe sehr viel von diesen Veteranen mitbekommen. Und ich habe seither eine größere Achtung und ein tieferes Verständnis für das, was Soldaten durchmachen und was von ihnen verlangt wird - mental und körperlich. Wir sind ja als Schauspieler nur Touristen in ihrer Welt. Aber zu sehen, was sie durchmachen müssen und was sie für uns alle riskieren – ich habe immensen Respekt davor und kann nachfühlen, welche Belastung es bedeuten muss, danach in die Zivilgesellschaft zurückzukehren. Selbst wenn du unversehrt bist.

Während Sie drehten, führte Ihre Frau Angelina Jolie in Australien Regie in einem Film, der ebenfalls im Zweiten Weltkrieg spielt.
Es war eine einzigartige Erfahrung für uns, zugleich diesen Krieg zu bearbeiten – sie im Pazifik, ich in Europa. Nun haben wir natürlich E-Mail und Skype. Aber wir dachten, es wäre interessanter, wenn wir uns richtige Briefe schreiben würden, so wie die Menschen das damals auch tun mussten. Es war faszinierend und überraschend, wie sehr du doch auf eine andere Weise kommunizierst. Schade, dass diese Form der Verständigung verloren gegangen ist.

Übrigens Glückwunsch zu Ihrer Hochzeit. Auf die haben viele Menschen ja lange genug gewartet.


(Lacht) Ja, wir auch.

Und, wie fühlt man sich als verheirateter Mann?


Wie ein verheirateter Mann (lacht). Wirklich! Wir haben sechs Kinder, wir dachten also, wir wären über so etwas längst hinaus gewachsen. Aber es war dann doch weit mehr als eine Zeremonie. Die Kinder hatten es sich gewünscht, also dachten wir, das wäre eine schöne Sache, das alles mit der Familie gemeinsam zu machen, und das war es auch. Aber ich war dann doch überrascht, wie sehr sich mein Bekenntnis zu dieser Beziehung noch einmal weiter vertieft hat.

Sie drehen zur Zeit "By the Sea" mit Ihrer Ehefrau, die dabei auch Ihre Regisseurin ist. Wie ist Angelina Jolie als Boss?


Knallhart! (lacht) Da gibt es nichts anderes zu sagen. Sie hat diese wunderschöne, intime, elegante Geschichte geschrieben, und ich war überrascht, was für eine Herausforderung das Stück ist. Ich sehe, wie sie Szenen vorbereitet und wie sie genau weiß, was sie tut und bin unsagbar stolz auf sie.

Sie und Ihre Frau gehen beide mit Ihren Kriegsfilmen ins Rennen um den Golden Globe und den Oscar, Sie sind also auch Konkurrenten.


Ach, ich lande so oft mit meinen Freunden in so einer Situation. Es ist schön, wenn man es selber bis zu einer Nominierung schafft und es ist toll, wenn deine Freunde das auch schaffen. Und genauso ist es hier. Ich finde die zwei Filme außerdem sehr verschieden. Wir haben nicht das Gefühl gegeneinander anzutreten. Ich hoffe, sie kriegt jeden Preis, den es gibt.

Scheidung von Brad Pitt und Angelina Jolie: Hollywoods Vorzeigepaar hat endlich Ja gesagt
Brad Pitt, Angelina Jolie

Es sollte ihr letzter offizieller Auftritt als Paar werden: Angelina Jolie und Brad Pitt bei der Premiere ihres gemeinsamen Films "By the Sea" im November 2015. Monatelang zeigte sich das Paar nicht mehr zusammen, sogar die Paparazzi erwischten sie nur selten. Der Grund ist nun offensichtlich: Laut dem stets gut informierten Klatschportal "Tmz.com" hat Angelina Jolie am Montag die Scheidung eingereicht. Es ist das Ende einer glamourösen Hollywood-Liebe, die schon turbulent begann. Ein Blick zurück.

Sie sind Schauspieler und Produzent. Wollen Sie auch mal Regie führen wie Ihre Frau?
Nein, dazu habe ich keine Ambitionen. Das ist so zeitaufwändig, und ich möchte noch andere Dinge tun, im Designbereich etwa, sowas verschlingt auch viel Zeit.

Was gefällt Ihnen am Job des Produzenten?


Am Ende eines Jahres steht da eine Reihe von Filmen, die entweder zu uns gesprochen hat oder nicht. Ich habe eine klare Meinung darüber, welche Geschichten ich herausbringen möchte. Einen Kulturbeitrag leisten zu können ist für mich schon ein großes Privileg. Ich sehe mich noch als Kind, wie ich in den Ozark Mountains in Süd-Missouri aufwuchs. Mir haben damals Filme die Welt eröffnet. Sowas möchte ich anderen ermöglichen.

Woran erinnern Sie sich besonders gut aus Ihren Anfängen als Star?


Bevor ich 25 Jahre alt war, hatte ich noch nie ein Flugzeug von innen gesehen. Als ich dann überall hinreisen konnte, ob in die Niederlande oder nach Tokio, da war alles total aufregend für mich. Ich erinnere mich, wie ich alles aufsaugte, was ich in diesen Ländern sah. Das versuche ich heute noch zu tun, jetzt eben zusammen mit meiner Familie.

Sie sagten schon öfter, Sie arbeiten normalerweise nie zugleich mit Ihrer Frau an einem Filmset. Während "Herz aus Stahl" und "Unbroken", dem Film Ihrer Frau, war es nötig. Wie haben Sie das hinbekommen, zwischen England und Australien, mit sechs Kindern?


Wir wechseln uns normalerweise ab. Der eine steht vor der Kamera, der andere macht Hintergrundarbeit. Aber unsere Terminplanung war durcheinander geraten, und da standen wir nun und es musste eben sein. Nur so viel: Ich will das nie wieder erleben! (lacht) Ich hatte die eine Hälfte der Kids bei mir, sie die andere Hälfte, und irgendwie haben wir es geschafft uns gegenseitig zu besuchen und all das. Aber es war eine logistische Herausforderung.

Sie leben Teile des Jahres in Südfrankreich. Warum gerade dort?
Wir entscheiden so etwas instinktiv. Es hat sich einfach richtig angefühlt. Der erste Gedanke war, für unsere Kinder einen Ort zu schaffen, an dem sie außerhalb von all dem hier sind, wo sie einfach nur Kinder sein und die Welt erforschen können. Außerdem wollten wir, dass alle noch eine andere Sprache lernen. Sie sprechen alle Französisch, so erweitern sie ihr Weltbild.

Sie selbst auch?


Ich denke, mein Französisch ist recht gut. Meine Regisseurin und Drehbuchautorin hat viel Französisch in den Film gepackt, den wir gerade machen - also meine Ehefau (lacht). Ich denke, es wird schon, ich bin fest entschlossen, es zu lernen. Südfrankreich übrigens auch deshalb, weil wir ein europäisches Basislager wollten, von dem aus wir Afrika und Asien einfacher bereisen können. Die Kinder sollen sehen, wofür sich Angie einsetzt.

Für diesen Einsatz wurde Ihre Frau gerade von der Queen geehrt.


Das war schon cool, was? Wir durften nach der Verleihung die Kinder dazu holen. Ich habe sie ein meinem ganzen Leben noch nie so still und respektvoll erlebt! (Lacht) Und zu sehen, wie sie sich verbeugen und "Eure Majestät" sagen und knicksen, das war einfach eine Freude.

Wenn Sie sich an den 25-jährigen Brad Pitt erinnern – was wollte er mit 50 erreicht haben?


Ich war nie einer dieser Typen, die einen Fünfjahresplan haben und dann einen Zehnjahresplan und so weiter. Ich bin immer meinem Instinkt gefolgt, in den ich großes Vertrauen habe. Ich habe eine Art Radar dafür entwickelt, was sich richtig anfühlt, was nicht, und das war immer meine Führung.

Wie fühlen Sie sich jetzt, als Fünfzigjähriger?


Richtig gut. Ich würde Weisheit jederzeit der Jugend vorziehen.

Also ein zufriedener Mann. Welche Ziele hat man da noch?


Einfach sich weiterzuentwickeln. Als Vater, als Ehemann, als Partner. Man hat soviel Zeit dafür aufgebracht, seine persönlichen Gespenster abzuschütteln. Dass das vorbei ist, mag ich am Älterwerden.