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stern-Gespräch

Trennung von Arafat Abou-Chaker: Bushido: "Falls mir etwas passiert, ist für meine Familie gesorgt"

Über Jahre hatte sich der Rap-Superstar Bushido dem Oberhaupt eines kriminellen Clans unterworfen. Nun schildern er und seine Frau Anna-Maria Ferchichi, wie sie sich aus dessen Fängen befreiten – und warum sie die Nähe eines anderen Clans suchen.

Trennung von Arafat Abou-Chaker: Bushido und seine Frau Anna-Maria packen aus: "Wir lassen uns nicht mehr einschüchtern"

Der Rapper Bushido und seine Frau erzählen, wie sie sich befreiten

Bushido alias Anis Mohamed Youssef Ferchichi wuchs bei seiner deutschen Mutter in Berlin-Tempelhof auf. Zu seinem tunesischen Vater hatte er kaum Kontakt. Das Wort "Bushido" stammt aus der japanischen Samurai-Mythologie und heißt so viel wie "Weg des Kriegers". Der Rapper feierte kürzlich seinen 40. Geburtstag und brachte am selben Tag sein neues Album heraus.

Anna-Maria Ferchichi wurde in Delmenhorst geboren. Die 36-Jährige ist die jüngere Schwester des Popstars Sarah Connor. Von 2005 bis 2009 war sie mit dem Fußballspieler Pekka Lagerblom verheiratet. Danach war sie mit Mesut Özil liiert. 2011 lernte sie auf einer Party Bushido kennen. Ein Jahr später heirateten sie. Das Paar bekam noch zwei Töchter und zwei Söhne.

Zum Interview mit dem stern erscheinen Bushido und seine Frau an einem sonnigen Septembermorgen in einem Studio im Süden von Berlin. Er trägt einen Jogginganzug, sie High Heels.

Den stern und verbindet eine besondere Beziehung. Vor fünf Jahren erschien ein stern-Titel mit der Zeile "Bushido und die Mafia". Darin enthüllten wir die Existenz einer Generalvollmacht, mit der sich der millionenschwere Rapper dem Boss einer kriminellen arabischstämmigen Großfamilie in Berlin ausgeliefert hatte: Arafat Abou-Chaker. Beide verklagten den stern. Der Rechtsstreit endete nach fünf Jahren im vergangenen Juni, das Oberlandesgericht Köln wies die Klage in den wesentlichen Punkten ab.

Kurz zuvor hatte Bushido die Trennung von seinem berüchtigten Geschäftspartner bekannt gegeben – ein gefährlicher Schritt im Milieu der Organisierten Kriminalität. Es folgten Gefährderansprachen der Polizei, Ermittlungen wegen versuchter Erpressung, Schüsse auf Arafats Café, Razzien in Bushidos neuem Umfeld – die Stimmung ist gereizt. Und das in Zeiten, da die Spannungen zwischen den konkurrierenden Familienclans Berlins ohnehin eskalieren, da Auftragskiller an einem Sonntagnachmittag mitten in Berlin einen Mann mit acht Schüssen hinrichteten, unter den Augen von Kindern und Familien. Zur Beerdigung des Opfers Nidal Rabih, selbst Intensivtäter, der sich gerade mit den Abou-Chakers verbündet haben soll, erschienen die Bosse der Araberclans mit insgesamt fast 2000 Mann– Bilder wie aus einem Mafiafilm.

Ob er Angst habe? "Falls mir etwas passieren sollte, ist für meine Frau und meine Kinder gesorgt", sagt Bushido

Ob er Angst habe? "Falls mir etwas passieren sollte, ist für meine Frau und meine Kinder gesorgt", sagt Bushido

Bushido und seine Frau Anna-Maria sagen, wir können mit ihnen über alles sprechen. Sie haben nur eine Bedingung: Um 17 Uhr müssen sie beim Elternabend ihrer Tochter sein.

Bushido, Sie zählten über 14 Jahre lang zum Abou-Chaker-Clan. Gegen Mitglieder dieser Familie liefen Verfahren wegen Körperverletzung, Zuhälterei, Erpressung, Drogenhandel, eines Millionenraubs. Wie groß ist jetzt, da Sie sich die zum Gegner gemacht haben, Ihre Angst?

Bushido: Das Erste, was wir nach der Trennung von Arafat gemacht haben, war, uns testamentarisch abzusichern. Falls mir etwas passieren sollte, ist für meine Frau und meine Kinder gesorgt.

Anna-Maria: Natürlich haben wir Angst, dass jemand aus Rache auf mich oder meinen Mann schießt. Eigentlich rechnen wir jeden Tag damit. Aber in ständiger Angst kann man nicht leben, also blenden wir das aus. Etwas anderes bleibt uns nicht übrig.

Wir hätten nicht gedacht, dass wir Ihnen nach all den juristischen Auseinandersetzungen zwischen uns noch mal gegenübersitzen würden.

Bushido: Zeiten ändern sich. Wir sagen, was wir denken.

Anna-Maria: Wir lassen uns nicht mehr von Arafat einschüchtern. Er hat uns lange genug abkassiert und beinahe unsere zerstört.

Frau Ferchichi, Sie heirateten Ihren Mann im Jahr 2012. War Ihnen bewusst, in was für ein Milieu Sie dort einheirateten?

Anna-Maria: Das Ausmaß war mir nicht klar, nein. Als ich Arafat Abou-Chaker kennenlernte, fiel mir noch nicht auf, was das für Leute waren. Arafat und seine Brüder waren nett zu mir. Er war charmant. Wir gingen aus, es war locker, lustig. Das änderte sich erst schleichend und dann schlagartig mit unserer Hochzeit. Als Ehefrau hat er plötzlich ganz andere Maßstäbe an mich angelegt.

Was für Maßstäbe?

Anna-Maria: Arafat beleidigte und beschimpfte mich immer öfter. Wegen Kleinigkeiten. Wenn mein T-Shirt beim Sitzen am Rücken ein Stück hochrutschte, hieß es: "Wie läufst du rum? Du siehst aus wie eine Nutte! Das gehört sich nicht für eine Frau." Oder: "Warum rauchst du?" Kleinkram halt. Zu lange Nägel, zu kurze Röcke. All das missfiel ihm. Auch dass ich eine Putzfrau hatte und eine Nanny. Und es machte ihn rasend, wenn ich zu viele Fragen stellte oder mich seinen Forderungen widersetzte. So was sind Menschen wie Arafat nicht gewohnt – erst recht nicht von Frauen. Er sagte meinem Mann, er sei ein Hund, er habe seine Frau nicht im Griff.

Arafat Abou-Chaker (links) wich, so schildert es Bushido, über 14 Jahre kaum von Bushidos Seite

Arafat Abou-Chaker (links) wich, so schildert es Bushido, über 14 Jahre kaum von Bushidos Seite

Es boten sich Ihnen seltene Einblicke in das Milieu krimineller Clans. Was können Sie uns über die Rolle der Frauen in Großfamilien sagen?

Anna-Maria: Das sind komplette Parallelgesellschaften inmitten von Deutschland. Die Rollenverteilung ist ganz klar. Mit dem Geschäft haben die Frauen nichts zu tun, das klären die Männer. Die Frau ist dafür da, Kinder zu bekommen, den Haushalt zu führen, dem Mann zu gehorchen, sich unterzuordnen. Die Frauen haben keine Ausbildung, bleiben meist zu Hause. In den Urlaub gehen Männer und Frauen in islamische Hotels mit getrennten Bereichen. Die Frauen laufen verschleiert herum, was besonders absurd ist, weil die Abou-Chaker-Frauen nicht mal ein Kopftuch trugen, als sie damals nach Deutschland kamen.

Wie religiös sind die Mitglieder der Abou-Chaker?

Anna-Maria: Die pilgern nach Mekka und gehen in die Moschee, aber gleichzeitig lassen sie Nutten über die Kurfürstenstraße laufen. Es sollte sogar der Salafistenprediger Pierre Vogel auf der Beerdigung meines Schwiegervaters sprechen. Das konnten wir aber zum Glück abwenden.

Bushido, über 14 Jahre war Arafat Ihr Geschäftspartner, vielleicht auch ein Freund. Am 21. März kam es zur Trennung. Ihre Frau Anna-Maria spielte eine wichtige Rolle dabei.

Anna-Maria: Die Trennung von Arafat war unausweichlich. Wir hätten so nicht mehr leben können.

Bushido: Anna-Maria hat den letzten Ausschlag dafür gegeben, dass ich die Trennung endlich durchgezogen habe. Was nicht heißt, dass ich vorher glücklich war. Aber der Tag, an dem sich meine Frau von mir getrennt hat, der veränderte alles.

Was genau geschah an diesem Tag?

Anna-Maria: An diesem Tag eskalierte es. Mein Mann und ich hatten uns gestritten, Arafat war auch da. Ich wollte ausziehen und hatte die Polizei gerufen. In unserem Haus standen deshalb zehn schwer bewaffnete LKA-Beamte. Ich sagte ihnen, ich möchte, dass Arafat sofort das Haus verlässt. Es war das erste Mal, dass ich ihm gegenüber total die Beherrschung verlor. Daraufhin rastete er aus. Arafat stürzte auf mich los, durch die LKA-Beamten hindurch, und drohte mir. Dabei hatte ich unsere Zwillinge, die damals noch Babys waren, auf dem Arm. Es war wirklich schlimm. Und dann haben die Beamten Arafat mit Anis, meinem Mann, nach oben begleitet. Ich konnte endlich in Ruhe meine Sachen packen.

Warum war Arafat an diesem Tag überhaupt bei Ihnen?

Anna-Maria: Er war ja ständig bei uns. Oder Anis bei ihm. Die beiden bildeten ja quasi eine Symbiose.

Ging es bei dem Streit um Arafat?

Anna-Maria: Ja, indirekt. Wir hatten natürlich wie in jeder Ehe normale Meinungsverschiedenheiten, aber eigentlich haben wir uns immer wegen Arafat gestritten. Er hatte mich kurz zuvor mal wieder beleidigt, und mein Mann hatte geschwiegen. Deshalb war ich explodiert. Ich dachte, er ist doch mein Mann, warum steht er hinter Arafat und nicht hinter mir? Warum verteidigt er mich nicht? Ich begriff damals nicht, dass Anis zwischen den Stühlen saß, dass er schwieg, damit die Situation nicht noch weiter eskalierte. Er hat das jahrelang alles in sich reingefressen.

Der Musiker Bushido bekam viele Auszeichnungen wie Goldene Schallplatten, Echos und den MTV Europe Music Award als bester deutscher Künstler

Der Musiker Bushido bekam viele Auszeichnungen wie Goldene Schallplatten, Echos und den MTV Europe Music Award als bester deutscher Künstler

An dieser Stelle muss erklärt werden, wie sich Arafat Abou-Chaker und der Rapper Bushido kennenlernten, wie Bushido Teil des Clans wurde. Die Geschichte beginnt im Jahr 2004. Bushido war mit seinem Plattenlabel Aggro Berlin unzufrieden, er fand, der Rapper Sido werde bevorzugt. Es kam zum Streit, Bushido wollte gehen, aber das Label weigerte sich, Bushido aus seinem Vertrag zu lassen. Unterdessen lernte Bushido auf den Straßen Neuköllns Arafat Abou-Chaker kennen. Er und seine Brüder holten ihn aus dem Vertrag – wie genau, ist nicht überliefert. Nur, dass mehrere bärtige Männer im Büro des Labelchefs vorsprachen. Danach wurde Bushidos Vertrag gelöst.

Von dieser Zeit an verdienten Arafat und seine Brüder an Bushido mit. Es heißt, sie hätten 50 Prozent seiner Einnahmen bekommen. Bushido hat bislang etwa drei Millionen Platten verkauft, hinzu kommen unzählige Auftritte, eine Bestseller-Biografie und die Verfilmung seines Lebens durch Bernd Eichinger. Aus der Musikbranche war immer wieder zu hören, dass es Ärger gab, wenn Arafat und seine Brüder nicht bekamen, was sie wollten. Manager seien erpresst und bedroht worden. Äußern wollte sich kaum jemand. Mit der Familie Abou-Chaker legt man sich besser nicht an.

Bushido, Sie standen also zwischen Arafat und Anna-Maria, den beiden Menschen, die Ihnen nach dem Tod Ihrer Mutter 2013 ja eigentlich am nächsten waren?

Bushido: Ja, aber aus unterschiedlichen Gründen. Anna-Maria ist die Frau, die ich liebe, die Mutter meiner Kinder. Arafat war mir vor allem wichtig, weil er seit 2003 sehr präsent in meinem Leben war. Aber die Beziehung zu ihm war von Anfang an mit viel Kontrolle und Druck verbunden. Und wir hatten eben auch gemeinsame Geschäftsbeziehungen. Wenn ich mich hätte frei entscheiden können, was ich natürlich theoretisch jederzeit gekonnt hätte, aber na ja, irgendwie ging es dann eben doch nicht ...

Wie – "irgendwie ging es dann eben doch nicht"?

Bushido: Arafat war ein Meister darin, Sachen zu bekommen, die er wollte. Und einem ganz subtil das Gefühl zu vermitteln, dass etwas genau nach seinen Vorstellungen gemacht werden muss. Das lief nicht immer über eine konkrete Bedrohung. Eher eine nachdrückliche Aufforderung. Aber die Eingriffe in mein Privatleben wurden immer massiver. Manchmal hatte ich richtige Bauchschmerzen, wenn ich sah, dass er auf meinem Handy anrief. Die Beziehung machte mich düster, ich bekam Depressionen. Dennoch tat ich, was er von mir verlangte.

Anna-Maria: Ich sage immer, Arafat könnte auch ein Sektenführer sein.

Schildern Sie bitte die Dreiecksbeziehung Arafat-Bushido-Anna-Maria.

Anna-Maria: Nachdem die Mutter meines Mannes starb, wurde Arafats Einfluss auf uns noch größer. Er bestimmte unser gesamtes Leben, das ganze Denken meines Mannes. Was wir zu tun haben, welche Küche wir kaufen, wie wer bestattet wird. Wie wir unsere Kinder erziehen.

Können Sie uns ein Beispiel erzählen?

Bushido: Als meine Mutter starb, verlangte Arafat, dass es eine islamische Beerdigung werden müsse, also dass Männer und Frauen getrennt zum Grab gehen müssen. Ich wollte das nicht, weil ich wusste, dass es meine Mutter auch nicht gewollt hätte. Sie hatte uns zwar teilweise islamisch erzogen, wir aßen zum Beispiel kein Schweinefleisch, aber sie war nicht tiefreligiös. Die Familie meiner Mutter sind Deutsche! Es kamen also auch Katholiken mit anderen Riten, meine Tanten, meine Oma, und denen musste ich dann erklären, dass sie nicht gemeinsam mit ihren Männern an das Grab treten durften. Meine Tante sagte: "Aber Moment mal, das ist doch schließlich auch das Grab meiner Schwester!" Aber all das kümmerte Arafat nicht.

Anna-Maria: Ich fand das unmöglich. Ich hatte die Mutter meines Mannes bis zum Schluss gepflegt, und jetzt durfte ich nicht zusammen mit meinem Mann an ihrem Grab stehen. Stattdessen standen da irgendwelche Rocker und halb Neukölln.

Wieso widersetzten Sie sich Arafats Willen nicht?

Bushido: Natürlich klingt es von außen betrachtet absurd, dass ein erwachsener Mann wie ich sich nicht einem anderen erwachsenen Mann widersetzt. Aber es war so. Und es war ehrlich gesagt in Wahrheit alles noch viel, viel schlimmer.

Anna-Maria: Es hat ewig gedauert, bis ich dieses Konstrukt verstanden habe. Eigentlich erst, als mein Mann aufhörte, Arafat zu verteidigen, und sich mir anvertraute. Vorher war ich immer völlig fertig. Ich ging sogar ein halbes Jahr zum Psychologen wegen dieser für mich unverständlichen Dreiecksbeziehung.

Bushido: Und ich dachte immer, wenn ich aufhöre zu vermitteln, wenn ich aufhöre, Arafat gegenüber loyal zu sein, dann gibt es eine wirklich schlimme Eskalation. Und die wollte ich unbedingt vermeiden.

In Ihrer Biografie aus dem Jahr 2008 schrieben Sie noch: "Ich werde Arafat gegenüber immer loyal zur Seite stehen."

Bushido: Aber diese Biografie und was ich damals rappte, das ist Kunst. Die Wahrheit konnte ich doch gar nicht sagen oder aufschreiben. Weil die Wahrheit nämlich so aussah, dass ich nichts zu melden hatte. Dass Arafat einfach alles entschieden hat.

Gerüchte darüber gab es immer wieder. Auch der Rapper Kay One behauptete damals im stern, Sie hätten innerhalb des Clans nichts zu melden.

Bushido: Ich weiß. Es hieß, ich sei Arafats Leibeigener, sein Hund. Und natürlich habe ich immer gesagt: alles Quatsch. Als meine Frau damals den stern-Titel sah, da sagte ich auch: ach, alles Quatsch, Mafia, pff. Aber was hätte ich denn tun sollen? Ich machte gute Miene zum bösen Spiel. Ich sah keinen anderen Weg, als weiter mitzuspielen. Ich lag all die Jahre wie in einem Wachkoma.

Der Clan ist für seine üblen Methoden bekannt. Oftmals wurde sein Wille, so heißt es, mit Gewalt und Druck durchgesetzt. Davon werden auch Sie profitiert haben. Man kann sagen: An Ihrer Karriere klebt Blut.

Bushido: Natürlich bin ich nicht nur Opfer. Ich bin auch Mitwisser, und deshalb trage ich eine Mitschuld. Es ist absurd. Ich bin doch eigentlich ein intelligenter Junge. Ich kenne den Unterschied zwischen Gut und Böse. Es beleidigt mich, falls jemand denkt, ich habe alle diese Ungerechtigkeiten von Arafat nicht gesehen. Natürlich habe ich das. Aber ich habe nichts gesagt oder getan. Ich habe weggesehen. All die Jahre. Ja, das habe ich.

Wann zum Beispiel sahen Sie weg, als etwas falsch lief?

Bushido: Ich war gut mit dem Produzenten Bernd Eichinger befreundet. Er war ein super Typ und wollte mein Leben verfilmen. Ich war geschmeichelt: ein Film über mich! Ich sollte mich sogar selbst spielen. Die anderen Rollen besetzten Schauspieler. Moritz Bleibtreu sollte Arafat spielen. Aber als Arafat das hörte, rastete er aus.

Was heißt das?

Bushido: Arafat war vorher immer nur im Hintergrund aktiv. Das fand ich auch okay. Aber irgendwann drängte er nach vorne. Er wollte seine Fratze auf der Leinwand sehen.

Anna-Maria: Er war eifersüchtig auf meinen Mann.

Bushido: Jedenfalls sagte Arafat zu Eichinger, okay, dann müssen wir aber über die Rechte sprechen. Er sagte, er müsse ihm ja die Erlaubnis geben, dass Moritz Bleibtreu ihn spielen darf. Arafat brachte Eichinger dazu, Geld an ihn zu zahlen.

Arafat bekam Geld von der Filmgesellschaft Constantin für eine Rolle, die man ihm nie versprochen hatte?

Bushido: Ja. Die Leute von Constantin haben auch alle nur mit dem Kopf geschüttelt. Die sagten, so etwas habe es noch nie gegeben.

Wie viel zahlte Constantin?

Anna-Maria: 200.000 Euro.

Bushido: Das Geld wurde irgendwie noch als Spende an einen Papageienverein deklariert oder so. Jedenfalls habe ich auch da zugesehen und nichts gesagt, obwohl ich wusste, dass es falsch ist.

Es heißt, Arafat bekam 50 Prozent Ihrer Einnahmen. Aber wie haben Sie von ihm profitiert?

Bushido: Er hat immer gute Deals ausgehandelt. Wenn wir zum Beispiel eine Küche wollten, die 60.000 Euro kostete, dann konnte Arafat die auf 30.000 runterhandeln, auf welche Art auch immer. Aber klar, Arafat hat unter dem Strich mehr von mir profitiert als ich von ihm.

Anna-Maria: Er hat Millionen durch meinen Mann verdient.

Lassen Sie uns zu der Anfangssituation zurückkehren. Es heißt, dass Sie, Frau Ferchichi, am Tag des Auszugs Anzeige wegen Körperverletzung gegen Ihren Mann erstattet haben?

Anna-Maria: Ja, das stimmt.

Wie ging es dann weiter?

Bushido: Ich weiß noch genau, wie ich durch das Fenster unseres Hauses dabei zusah, wie meine Frau mit unseren Kindern und den LKA-Beamten verschwand. Ich stand da und dachte, das kann alles nicht wahr sein. Ich wollte einfach nur meine Ruhe haben, ich wollte allein sein und nachdenken. An diesem Abend war ein Auftritt in Zürich geplant gewesen, an den ich keinen Gedanken mehr verschwendete. Es war so gegen fünf Uhr, es war Dezember, draußen dämmerte es. Arafat schaute auf die Uhr und sagte: "Okay, dann sehen wir uns um 20 Uhr am Flughafen." Ich habe gesagt: "Wie stellst du dir das vor, Digga? Meine Frau und meine Kinder haben gerade den Abflug gemacht. Wie soll ich da nachts um drei in einer Disco stehen und rappen?" Er antwortete: "Klar geht das. Hab dich nicht so."

Anna-Maria: Das zeigt mal wieder, was für ein Mensch Arafat ist.

Und sind Sie dann aufgetreten?

Bushido: Ja. Ich war erst wegen der Anzeige bei meinem Anwalt. Danach bin ich weiter zum Flughafen. Ich habe einfach funktioniert. Aber in mir drin, da war ich wie tot. Trotzdem stieg ich in den Flieger. Ich schaute aus dem Fenster und schwieg. Draußen tobten heftige Schneestürme. Ich habe normalerweise ziemliche Paranoia vor Turbulenzen, aber an diesem Tag war mir alles egal. Ich schaute auf die Schneeflocken und dachte, wenn wir jetzt abstürzen, dann ist zumindest alles vorbei.

Anna-Maria: Ich bin mit den Kindern erst mal zu meiner Mutter in die Nähe von Bremen gezogen. Für mich war klar: Das war es. Ich will die Scheidung. Ich will dieses Leben nicht mehr. Diesen Druck, dieses Fanatische und den Einfluss Arafats konnte ich nicht mehr ertragen. Dass sich mein Mann von Arafat entfernt, schien mir undenkbar. Ich wollte meine Kinder aus Berlin fernhalten und in der Nähe von Bremen zur Schule schicken. Ich versuchte einen Anwalt zu finden, aber niemand wollte mich vertreten aus Angst vor den Abou-Chakers. Da wurde mir bewusst, in was für Verhältnissen ich eigentlich gelebt hatte.

Warum ließen Sie sich dann doch nicht von Bushido scheiden?

Anna-Maria: Eines Morgens räumte ich gerade die Wäsche in die Trommel, da musste ich spucken. Meine Tochter stand neben mir, sie kannte die Übelkeit noch aus der Schwangerschaft mit den Zwillingen und fragte: "Mama, bist du schwanger?" Eigentlich konnte es nicht sein, dachte ich. Machte einen Test, der war positiv. Ein Schock.

Bushido, wie erfuhren Sie von der Schwangerschaft?

Bushido: Anna-Maria rief mich an und sagte es mir. Ich dachte nur, wie großartig ist das denn? Ich war euphorisch, auch wenn ich sie nicht unter Druck setzen wollte. Ich habe ihr einfach gesagt: Ich freue mich, und ich stehe hinter dir – bei allem.

Anna-Maria: Er verhielt sich wirklich toll, was mich natürlich rührte. Zusammenfassend muss man sagen, dass uns diese Zeit, diese fünf Monate, die wir getrennt gelebt haben, diese Zeit ohne Arafat und dazu die Nachricht über meine erneute Schwangerschaft, dass uns das alles wieder zusammengeführt hat. Anis kam mich und die Kinder regelmäßig besuchen, und es war, als würden wir uns wieder neu ineinander verlieben.

Bushido: Zeitgleich entfernte ich mich innerlich immer mehr von Arafat. Zum ersten Mal seit 14 Jahren widersetzte ich mich auch seinen Forderungen. Ich ging nicht mehr Freitag mit in die Moschee, wie er das lange von mir verlangt hatte, weil ich an den Wochenenden zu Anna-Maria fuhr. Ich wollte einfach nur meine Familie wieder bei mir haben.

Wie verhielt sich Arafat?

Bushido: Er nannte mich einen Hund, weil ich sie zurücknehme. Aber das war mir egal. Arafat hatte eh nur Angst, dass ich aus Berlin wegziehe, nach Bremen oder so. Er hatte Angst, dass er dann weniger Einfluss auf mich hat. In Berlin hatte er mich ja gut unter Kontrolle.

Unter welchen Bedingungen zogen Sie, Frau Ferchichi, 2015 wieder zu Ihrem Mann zurück nach Berlin?

Anna-Maria: Ich sagte meinem Mann: Ich komme nur unter der Bedingung wieder, dass wir nicht, wie wir es geplant hatten, mit Arafat auf ein gemeinsames Grundstück in Kleinmachnow ziehen. Und dass Arafat nicht mehr unser Haus betritt. Er willigte ein.

Wie genau brachen Sie dann mit Arafat?

Bushido: Es gab wieder mal einen heftigen Streit, wieder mal beleidigte mich Arafat, ich sei ein Hund, meine Frau würde mich mit einem Dildo ficken. Ich höre mir das alles so an, und plötzlich sagt er: Weißt du was? Ich hab überhaupt keinen Bock mehr auf dich. Ich will nicht mehr mit dir arbeiten. Mach, was du willst. Und ich so: Wow! Alles klar, machen wir. Es war, als ob dich dein Peiniger nach 14, 15 Jahren freigibt.

Anna-Maria: Er hat es sich natürlich wieder anders überlegt. Er hat ihn dann antanzen lassen wie zu einem Tribunal, seine Brüder neben sich – und das sind solche Tiere. Mein Mann war auf sich allein gestellt. Und dann sagte Arafat: Wie, du willst dich von uns trennen? Wie soll das gehen? Merk dir: Es gibt keinen Bushido ohne die Abou-Chakers! Und irgendwann gab es dann dieses ganz massive Treffen im Büro.

Massiv?

Bushido: Das ist jetzt doch egal.

Anna-Maria: Als ich jedenfalls meinen Mann danach so gesehen habe, bin ich geplatzt. Ich beleidigte Arafat in einer Mail ganz fürchterlich. Da wollte ich eigentlich direkt auspacken und ihn in den Knast bringen.

Sie hatten einen Pakt mit dem Teufel geschlossen.

Anna-Maria: Er wollte uns einschüchtern. Nach jedem dieser Treffen haben wir zu Hause mit Freunden alles stundenlang diskutiert. Wir wussten nicht mehr, was wir machen sollten. Wir waren bereit, eine Ablöse zu zahlen, nur dass er sich verpisst aus unserem Leben.

Wie viel wollten Sie zahlen?

Anna-Maria: Wir waren so verzweifelt. Wir wären bis 2,5 Millionen hochgegangen. Einfach rauskaufen. Freiheit erkaufen! Kann man sich das vorstellen? Wir hätten noch draufgezahlt auf das Ganze, das er uns angetan hat. Wie gut, dass es nicht dazu gekommen ist!

2,5 Millionen Euro? Das sind mexikanische Verhältnisse.

Bushido: Das wäre es uns wert gewesen. Aber wie gesagt, zu der Ablösesumme kam es nie. Arafat und ich haben uns am 21. März 2018 bei Arafat zu Hause in Kleinmachnow ein letztes Mal gesehen. Ich hatte mit meinem Anwalt eine Aufhebungsvereinbarung vorbereitet. Ich kam zu Arafat und zeigte ihm den Vertrag. Der Plan war: Wir reden miteinander, wir tragen eine Zahl ein, beide unterschreiben – und fertig. Das Feld für die Zahl war frei. Es war wie ein Blankoscheck. Wir saßen in seinem Wohnzimmer. Er nahm den Vertrag, zerknüllte ihn und schlug ihn mir ins Gesicht. Ich stand auf, lief zur Tür, und er schrie mir hinterher: Verpiss dich, renn doch zu deiner Frau, renn zum LKA! Ich werde euch alle ficken, scheißegal.

Anna-Maria: Er forderte später, dass er noch weitere 15 Jahre abkassiert. 15 volle Jahre, da wäre mein Mann 55 gewesen. Er wollte uns einfach am liebsten ein Leben lang abkassieren.

Warum hat Arafat Sie dann tatsächlich gehen lassen?

Anna-Maria: Wegen zweier Dinge. Ich bin zu seinem älteren Bruder gegangen und habe ihm mal gesagt, was ich so alles weiß und dass bestimmte Informationen beim Anwalt hinterlegt sind. Ich mache Sachen, die mein Mann nicht macht, habe ich gesagt. Mit einer Frau, die durchdreht, können die nicht umgehen. Außerdem bin ich zur Polizei. Und ich habe unsere Akten aus dem gemeinsamen Büro geholt.

Wir glauben, es gibt noch einen weiteren Grund. Ashraf Rammo gilt als Ihr neuer Beschützer. Er gehört zu einer berüchtigten Großfamilie, mit 500 Mitgliedern etwa doppelt so groß wie die Abou-Chakers, und saß selbst schon in Haft. Ein aktueller LKA-Bericht zählt 1146 Vorgänge, in denen Mitglieder der Familie Rammo als Tatverdächtige gelten. Neulich beschlagnahmten Ermittler 77 Immobilien des Clans im Wert von über neun Millionen Euro wegen des Verdachts der Geldwäsche. Bei Ihren neuen Beschützern bekommen auch die Abou-Chakers kalte Füße.

Bushido: Ashraf kenne ich schon ewig. Er unterstützt mich als Freund. Und es stimmt, dass ich mit ihm jetzt Geschäfte mache. Aber in eurer ganzen Araberclan-Besessenheit müsst ihr auch sehen: Ashraf ist schon lange im Musikbusiness, ich war mit ihm schon vor Ewigkeiten auf der Bravo-Supershow. Er hat früher zum Beispiel den Rapper Massiv gemanagt. Er hat Capital Bra zum Label Ersguterjunge geholt, kennt ungefähr 50.000 Leute und weiß genau, wie sehr er nun meinetwegen und wegen seines Nachnamens im Fokus steht. Aber man kann nicht jemanden dafür in Sippenhaft nehmen, dass er aus einer Familie kommt, in der es auch Kriminelle gibt. Und jetzt, wo Arafat weg ist, gehen für mich geschäftlich wieder viele Türen auf. Wegen Arafat wollten ja viele gar nicht mehr mit mir zusammenarbeiten.

Aber ist es nicht völlig naiv, sich wieder auf einen Clan einzulassen? Sie wiederholen doch nur Ihr Schicksal.

Bushido: Nein. Denn es gibt einen ganz großen Unterschied: Ashraf ist höflich, elegant, verständnisvoll, er ruft nicht ständig an, er lässt dich in Ruhe. Er hat in drei Monaten mehr für mich gemacht als Arafat in 14 Jahren. Und zudem vertraue ich ihm – und er will nicht über mich bestimmen.

Anna-Maria: Nie wieder wird jemand diesen Einfluss auf unser Leben und unsere Geschäfte haben außer uns beiden. Aber ich bin auch sicher: Wenn Ashraf nicht wäre, wäre die Gefahr für uns noch größer. Ohne ein bisschen Rückhalt müssten wir vielleicht nach Kanada ziehen oder in die USA. Wenn Ashraf nicht wäre, wäre uns schon längst etwas passiert.

Bushido: Das haben wir auch der Polizei gesagt. Wir führen den Krieg mit Arafat juristisch. Aber auf der Straße laufen ganz andere Sachen, über die niemand mit der Polizei redet.

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Von:

und Uli Rauss