Cate Blanchett
Hollywood hat #MeToo "sehr schnell getötet"

Cate Blanchett bei den diesjährigen Filmfestspielen von Cannes.
Cate Blanchett bei den diesjährigen Filmfestspielen von Cannes.
© imago/ABACAPRESS / Pool/ABACA

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Hollywoodstar Cate Blanchett zieht in Cannes eine ernüchternde #MeToo-Bilanz: Der Aufschrei sei aus ihrer Sicht schnell verstummt.

Die zweifache Oscarpreisträgerin Cate Blanchett (57) hat beim Filmfestival in Cannes eine ernüchternde Bilanz der #MeToo-Bewegung gezogen. "#MeToo wurde sehr schnell getötet", sagte der Hollywoodstar am Sonntag in einem moderierten Gespräch mit Festivalmoderator Didier Allouch. Der Aufschrei, der 2017 im Zuge des Weinstein-Skandals eine ganze Branche erschütterte, sei aus ihrer Sicht erstaunlich rasch wieder verstummt.

Wie wenig sich an den Machtverhältnissen in der Branche tatsächlich verändert habe, mache sie auch an ihrem eigenen Arbeitsalltag fest. "Ich zähle jeden Morgen bei meinen Dreharbeiten nach. Es sind 10 Frauen und 75 Männer", sagte die australische Schauspielerin. "Ich liebe Männer. Aber die Witze gehen immer weiter. Irgendwann wird es einfach langweilig." Das Gute an #MeToo sei hingegen, dass #MeToo eine "systemische Ebene des Missbrauchs" offengelegt habe - und dass inzwischen offener darüber gesprochen werden könne.

"Warum wird die Frau auf der Straße zum Schweigen gebracht?"

Was Blanchett dabei besonders beschäftigt: Der Diskurs habe aus ihrer Sicht eine deutliche Schieflage. Frauen mit Reichweite und Bekanntheit könnten vergleichsweise sicher über ihre Erfahrungen sprechen. Die "durchschnittliche Frau auf der Straße" werde hingegen noch immer zu oft überhört.

"Es gibt viele Menschen mit Plattformen, die mit relativer Sicherheit sagen können: Das ist mir passiert", sagte Blanchett. "Aber warum wird die Frau auf der Straße, die dasselbe sagt, zum Schweigen gebracht?"

Blanchett beließ es jedoch nicht bei der Kritik. Als ermutigend bezeichnete sie das gemeinsame Versprechen großer Festivalleitungen, die Repräsentation von Frauen weiter zu erhöhen. Wenn immer nur dieselben Stimmen gehört würden, werde das Programm irgendwann "ein bisschen beige", sagte die Schauspielerin.

Mit dieser Einschätzung stand Blanchett in Cannes nicht allein. Auch Julianne Moore (65), Oscarpreisträgerin für "Still Alice", sprach beim Kering-Women-in-Motion-Talk am Samstag über die anhaltende Unterrepräsentation von Frauen am Set. Sie erinnerte sich an eine Drehsituation um das Jahr 2016: "Ich kann mich daran erinnern, an einem Set gewesen zu sein, wo die einzigen Frauen ich und die dritte Kameraassistentin waren."

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