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Claudia Schiffer: Liebling der Modemacher

Alles begann in einer verrauchten Diskothek in Düsseldorf: Im Oktober 1987 wurde Claudia Schiffer von einem Modelscout entdeckt. Mittlerweile ist die 37-Jährige nicht nur zweifache Mutter, sondern auch clevere Geschäftsfrau und noch immer ein gefragtes Model.

Von Shila Behjat, London

Stickig, rauchige Luft, die Nebelmaschinen laufen auf Hochtouren, der Bass dröhnt. Michael Levaton steht an der Bar der Düsseldorfer Discothek "Checkers", trinkt Bier. "So wie es die Deutschen tun, wenn sie ausgehen.“ Anstrengende zwei Wochen liegen hinter dem Pariser Modelscout: Quer durch Deutschland war er gereist, die Schönen des Landes wollte er finden. In Kaufhäusern, in Cafes, in großen und kleinen Städten - und in vielen, vielen Nachtclubs.

An diesem Abend im Oktober 1987 lässt Levaton seinen geschulten Blick über die tanzende Menge schweifen, und hält plötzlich inne: "Glänzendes, blondes Haar, ein ausdrucksstarkes, ungewöhnliches Gesicht, sie war groß und langbeinig, strahlte und lachte die ganze Zeit. Sie war einfach auffallend, anziehend, sah genauso aus wie heute, nur mit Babyspeck", beschreibt er später, seine Entdeckung. Das Mädchen mit dem runden, rotbackigen Gesicht, das an jenem Abend vor seinen Augen tanzte, den Geburtstag ihres Freundes feierte, war keine andere als Claudia Schiffer - und Michael Levaton entdeckte das Supermodel in ihr!

Noch ein paar Minuten beobachtete er sie, dann ging er direkt auf die 17-Jährige zu. "Es ist wirklich so, wie es sich alle vorstellen: Ich habe gesagt 'Guten Abend! Mein Name ist Michael Levaton, ich bin Talentsucher aus Paris. Hast du schon einmal daran gedacht Model zu werden?'" Was wie ein Märchen klingt, wäre um ein Haar daneben gegangen. Denn die 17-jährige Claudia Schiffer war alles andere als begeistert. "Claudia glaubte mir nicht. Sie dachte, ich will sie anbaggern, war empört. Ihre Freunde kamen hinzu, als müssten sie sie beschützen." Levaton blieb nichts anderes übrig, als ihr seine Visitenkarte zu geben und sie zu bitten, am nächsten Tag in das Büro seiner Agentur in Düsseldorf zu kommen.

Zum ersten Termin erschien Claudia Schiffer mit der Frau Mama

Und Claudia Schiffer kam - in Begleitung ihrer Mutter! "Bei Nacht sehen alle Mädchen schön aus, da könnte jedes das Zeug zum Model haben. Ich muss sie bei Tageslicht sehen, am Morgen danach. Ist ihre Haut wirklich so makellos, ihr Gesicht tatsächlich so ausdrucksstark?", erklärt Levaton. Claudia Schiffer saß auf dem Sofa neben ihrer Mutter. "Ich sah sie mir noch einmal genau an, das machte sie unglaublich nervös. Hohe Wangenknochen, ein Schmollmund, langes, glattes Haar, das sie offen trug, wie heute. Damals hatte sie allerdings dieses Kindliche an sich, das runde Gesicht, ein schüchterner Blick." Der Modelscout war überzeugt: Die 17-jährige Rheinländerin hat alles, was es zum Supermodel braucht. Alle Qualitäten, die dem Schönheitsideal der Neunziger entsprechen.

Im Januar 1988 nimmt Metropolitan Models Paris das Mädchen aus Rheinberg unter Vertrag - und "la Schiffer" ist geboren: Nach einer Fotoserie in der französischen "Elle" mit Starfotografin Ellen von Unwerth und einer Werbekampagne für die Jeansmarke "Guess", wird Modezar Karl Lagerfeld auf die Deutsche aufmerksam. Schon lange hatte sich Lagerfeld nach einem Talent, einem Gesicht aus seinem Heimatland gesehnt - in Claudia Schiffer fand er es endlich. Er verhalf der 18-Jährigen noch im selben Jahr zu ihrem Laufstegdebüt für Chanel.

Zwei Jahr später, 1990, schmückte sie die Titelseite der "Vogue". "Sie war eine ungewöhnliche Schönheit, ein neuer Typ, genau das, was die Menschen in dieser Zeit von politischem Umbruch und sich rasend entwickelnder Technologie wollten", sagt ihr Entdecker Michael Levaton. Dass Claudia Schiffer eine derart rasante Karriere hingelegt hat, scheint den Modelscout nicht zu erstaunen. "Sie ist diese Art von Person, die sich nichts erzählen lässt und immer direkt und ehrlich ist. Damit kommt man eben sehr weit. Und natürlich ist ihre Schönheit auch etwas zeitlos. Sie wird auch weiter eines der meist gefragten Models der Branche bleiben." Und mit einem lauten Lachen fügt Levaton hinzu: "Sie hat sich eben immer an die richtigen Leute gehalten."

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