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Clooney heiratet Alamuddin: König George hält Hof in Venedig

Mehr Glamour geht selbst bei den Royals nicht: George Clooney und Amal Alamuddin feierten die öffentlichste Privathochzeit des Jahres. Eine Hollywood-Inszenierung mit etwas zu viel von allem.

Ein Kommentar von Sylvia Margret Steinitz

International anerkannte Menschenrechtsanwältin Amal Alamuddin heiratet Schauspieler." Es war diese Schlagzeile eines Onlinemagazins, die das Bild für einen Moment zurechtrückte. Dieses überzeichnete Bild nämlich, das dem staunenden Erdvolk anlässlich der Hochzeit von Filmstar George Clooney und der Anwältin Amal Alamuddin serviert wurde. Es war ja auch ein Spektakel ohnegleichen - majestätische Motorboot-Parade über den Canal Grande, atemberaubende Roben, ein dauergrinsender Regisseur, der zugleich auch der Bräutigam war, und zehn Kisten Tequila, eigens aus Los Angeles eingeflogen.

Es war eine Hollywood-Inszenierung mit Starbesetzung. In Gastrollen unter anderem zu sehen: Matt Damon, U2-Sänger Bono Vox und da und dort ältere Herrschaften, die sich großäugig umsahen und angesichts des stellenweise niederbrechenden Blitzlichtgewitters die Hände vors Gesicht schlugen - ob vor Rührung oder um epileptische Anfälle zu vermeiden, wer weiß das schon. Das waren dann die Familienmitglieder der Braut.

Selbst die Gäste spielen irgendwann mit

Sehr glamourös war die öffentlichste Privathochzeit des Jahres jedenfalls, geradezu fürstlich, es gab Paläste und winkendes Volk, nur eben Pop- und Filmstars statt Prinzen und Herzöge. Aber was soll's. Wenn man sich in Hollywood Hochzeiten in good old Europe eben so vorstellt, dann sollen sie ihren Spaß haben.

Aber wenn die Menschen in Trauben von den Brücken hängen, um einem Battaillon Unterhaltungsprofis zuzujubeln, und das italienische Fernsehen die Fahrt des Bräutigams zur Zeremonie live überträgt - ja wirklich, das haben die gemacht -, dann dürfen wir uns nicht wundern, wenn Schauspieler, Rapper und andere Stars denken, sie seien die neuen Herrscher der Welt.

Das Winken der Gäste wirkte auch nur anfangs etwas zaghaft, so viel Majestät war selbst gestandenen Hollywoodstars offenbar nicht geheuer, doch die Scheu legte sich bald, und selbst Bill Murray, der zynische Verächter hollywoodesker Allüren, übte sich in huldvollen Grüßen an die Untertanen seiner Majestät, George I. von Entertaining, und seines Hofstaats. Das ist nicht einmal so spöttisch gemeint, wie es klingt. Wir leben doch längst in einer "Astrokratie", stehen quasi unter einer Star-Herrschaft, in der Unterhaltungskünstler den Ton angeben - was ein bisschen verrückt ist, wenn man eine Minute darüber nachdenkt, aber diese Welt ist voll von Verrücktheiten, und im Grunde ist die herkömmliche Aristokratie, von der sich Hollywood die Feste und das Winken abschaut, ja eine genauso hirnverbrannte Idee. Immerhin haben Entertainer etwas für ihren Erfolg getan, statt einfach nur geboren zu werden.

Die Hochzeit schafft es in die Spätnachrichten

Venedig jedenfalls erlebte ein Wochenende lang die Folgen einer astrokratischen Herrschaft: abgesperrte Kanäle, paparazzoverstopfte Brücken, von Live-Berichten unterbrochene Fernsehsendungen, Rotten von Claqueuren in den Straßen der Stadt. Der Rest der Welt wurde stellenweise per Liveticker informiert, und erst, als die Neuigkeit von der Eheschließung in den Spätnachrichten verkündet wurde, zwischen Meldungen vom Kampf gegen den IS und dem Bericht über einen Vulkanausbruch mit 35 Toten, wirkte das Ganze für einen Moment etwas lächerlich.

Als das Paar sich am nächsten Tag dem Volk zeigte, die Winkhand bereits weit souveräner führend als am Tag zuvor, trug die Braut eine auffallendes Kleid: Spitze, aufgestickte Blumen in Bonbonfarben, Ballonminirock. Sie hätte ihr Outfit nicht klüger wählen können, denn es gab ein wunderbares Statement ab: eigentlich ganz schön. Aber von allem ein bisschen zu viel.