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Concert for Diana: Royaler Muttertag

Am 1. Juli wäre sie 46 Jahre alt geworden, Diana, Königin der Herzen und Mutter der Thronfolger Nr. 2 und 3. An ihrem Geburtstag feierten ihre Söhne die berühmte Mum mit einem Mammut-Konzert im Londoner Wembley Stadium.

Von Marina Kramper

Papa Charles war nicht geladen. William und Harry wollten das Ereignis aus der Rentenklasse herausholen und die Royals als poptaugliche und entstaubte Mischpoke präsentieren. So saßen meist Cousins und Cousinen in der "Royal box", wie die Loge offiziell genannt wird. Princess Diana verstarb am 31. August 1997 in Paris an der Seite ihres neuen Lovers Dodi Fayed. "Von Paparazzis zu Tode gejagt", war die offizielle Version.

Rache im Pop-Spektakel

Nun also eine öffentliche Geburtstagsfeier, ausgedacht und durchgeführt von ihren Söhnen. Und mal ehrlich, ist es nicht eine rührende Geste von beiden? Wer sich zu ihren Lebzeiten mit ihrem Eheleid beschäftigt hat, kann es nur als ausgleichende Gerechtigkeit empfinden, dass wenigstens ihre beiden Söhne sie so geliebt haben, wie sie es verdient gehabt hätte. Eine Liebessehnsucht, die ihr vom Rest der Royals nicht nur Unverständnis, sondern auch noch Hohn und Spott eingetragen hatte. Wäre es ein Drama von Shakespeare, so hätte man eigentlich erwarten können, dass William als Thronanwärter seine Mutter rächt. Die beiden haben, trotz militärischer Ausbildung, allerdings andere Pläne: "Wir wollen es so präsentieren, wie unsere Mutter es gewollt hätte", so die Prinzenbrüder. Eine Idee, die ihnen nicht nur Sympathien eingetragen hatte. Fehlende Charity wurde ihnen vorgeworfen und schleppender Kartenverkauf attestiert.

Gefüllte Arena

Das Konzert war komplett ausverkauft - so die "Sun", die es wissen muss. Und das trotz der Terrorangst in der Stadt. Die gesamten Erlöse gehen an Wohltätigkeitsorganisationen, die von Prinzessin Diana unterstützt wurden, sowie an zwei Organisationen, die von den Prinzen unterstützt werden. Centrepoint, die sich für obdachlose Jugendliche einsetzt, und Sentabale, die benachteiligten oder verwaisten Kindern und Jugendlichen in Lesotho hilft. Gefördert werden das Royal Marsden Hospital, der National Aids Trust, das Great Ormond Street Hospital, die Lepra Mission. Viele Empfänger, was aber nach Abzug der Kosten für die Armen der Welt übrig bleibt, weiß niemand.

Alte Freunde leben noch

Der schwule Hausfreund und Beerdigungssänger Elton John eröffnete mit "Your Song" den denkwürdigen Abend. Winzig klein wirkte er vor den strahlenden Schwarz-Weiß-Portraits Lady Dis, die heute noch schöner erschien als in der Erinnerung. Warum bei aller Popseligkeit allerdings die Königin aller Ruhrpottprolls Janin Kunze - die Tochter von Hausmeister Krause - das deutsche Fernsehpublikum durch die Sendung führen musste, bleibt das Geheimnis von RTL 2.

Für die Briten redeten ihre Söhne, die offenkundig Papas Bariton geerbt haben. Ihren Text kannten sie dennoch nicht. Mit königlichen Spickzetteln verkündeten sie, was ihre Mutter im Leben geliebt hat: "Musik, Tanz, ihre Wohltätigkeitsorganisationen und ihre Familie und Freunde." Harry ergänzte als Stichwortgeber: "Wir wollen einfach nur, dass ihr eine tolle Zeit habt und die Stars auf der Bühne genießt. Wir wollen ihr das beste Geburtstagsgeschenk machen, das sie je bekommen hat und damit lieber an ihr Leben als an ihren Tod erinnern. Wir möchten diese Feier exakt so aussehen lassen, wie es sich unsere Mutter gewünscht hätte." So einfach ist ein solches Geburtstagsgeschenk, wenn man Windsor mit Nachnamen heißt und die richtigen Leute kennt. Dann hat man es auch hinterher nicht nötig, die Spickzettel bei Ebay zu verticken.

Weltunion der Kindergärtnerinnen

Viele der Pop Acts sind zu Lebzeiten von Diana noch mit dem Dreirad durch den Korridor gesaust. Fergie, Lily Allen, Nelly Furtado und Pharell Williams, der Justin Timberlake auf seinen CDs den nötigen Tiefgang verpasste. Dessen Mutter, so verkündete uns die allwissende Frau Kunze, war ebenfalls Kindergärtnerin, genau wie Diana. Welch Übereinstimmung!

Außerdem wusste Frau Kunze uns zu vermelden, dass Diana damals gerne mit ihren Freunden um die Häuser gezogen ist. Das gab ihr dann die Kraft, in den ungemütlichen Buckingham Palast zurückzukehren. Da fragt man sich doch unweigerlich, welche Häuser Diana und Ihre Freunde nächtens umrundet haben und wie oft, bevor sie in den Buckinghampalast zurück musste. Und ob nicht doch der eine oder andere Londoner mit ihr beim Umrunden und Zurückkehren getauscht hätte.

Trauriges Klangerlebnis

Die meisten der Live Acts klangen übrigens live deutlich schlechter als ihre aufgemotzten Studioproduktionen. Das konnte man Status Quo nun wirklich nicht vorwerfen, die klangen ebenso wie vor hundert Jahren. Supertramp, die gleich ein Medley ihrer Songs anstimmten, waren schon fast rührend peinlich. Wer die Kopfstimme des Sängers noch im Ohr hatte, hat die Songs eigentlich nur an der Tonhöhe wieder erkennen können, der Rest war wohlmeinendes Schweigen.

Nelly Furtado sah fast aus wie die Popversion der Callas und ebenso wie ihre weiblichen Mitstreiterinnen kam sie im bunten Cocktailkleid auf die Bühne. Dauerpräsenter Dennis Hopper quirlte sich irgendwas von freien Geistern ab, die letztendlich von Künstlern repräsentiert werden und kündete damit Joss Stone an. Nebenbei klärte Frau Kunze über den ehemaligen Marktwert von Diana auf und dass sie ein Aschenputtel war, das wir alle geliebt und bewundert haben.

Pop für den Ruhestand

Das eingeblendete Publikum war meist in dem Alter, in dem Diana an diesem Tage ebenfalls gewesen wäre. In den Kameraschwenks sah man erstaunlich viele Familien mit heranwachsenden Jugendlichen. Anders als William und Harry, die ja ohne ihren Vater aufgetaucht waren, hatten diese Heranwachsenden ihren Eltern kein Stadionverbot erteilt, sondern sie offensichtlich als Eintrittskartenzahler zugelassen.

Bryan Ferry, laut Frau Kunze einer der Freunde, die beim um die Häuser ziehen und Buckingham Palast vergessen geholfen hatte, wurde von Boris Becker und John McEnroe präsentiert. Im Gegensatz zu Dennis Hoppers verbalen Entgleisungen war hier die Aufmachung peinlich. Beide erschienen in einer schwarzledernden Arbeiterkluft, Becker sogar mit stilechter "Willy-Wacker-Mütze". Brian Ferry war hingegen im glänzenden Dinnerjacket elegant wie eh und je.

Ausgelassenheit, aber mit Stil

Dafür stand das Publikum wie ein Mann hinter der Königin der Herzen und war fest entschlossen, sich fürstlich zu amüsieren. Man tanzte ausgelassen! Auch die Prinzen schwangen die Hüften. Alles in allem war es doch mal schön zu erleben, dass auch die Engländer mit ihren Sangeskünstlern letztendlich im Kitsch versinken können. Und als dann noch ein Schwarzgekleideter Rod Steward Lady Di posthum mit "I'm sailing" in die Unendlichkeit der Tränen segeln ließ, wedelten die Arme im Publikum! Und nun wusste man es wirklich nicht mehr. Vor lauter um die Häuser ziehen, vergaß man völlig, wo man eigentlich stand. Vor dem Buckingham Palast oder einfach im falschen Film.