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Daniel Brühl im Interview: Auf Roadtrip zwischen Spanien, Chile und Deutschland

Die Wende-Tragikomödie "Good Bye, Lenin!" machte Daniel Brühl im Jahr 2003 auf einen Schlag berühmt. Der Schauspieler ist aber seit Jahren auch außerhalb Deutschlands erfolgreich unterwegs.

Der in Barcelona geborene Schauspieler Daniel Brühl, 34, hat in den letzten Jahren nicht nur in Deutschland, sondern in Spanien und Hollywood gedreht. Im Interview spricht der Teilzeit-Berliner darüber, welche Rollen es ihm besonders angetan haben.

Arbeiten Sie inzwischen lieber in Spanien oder den USA als in Deutschland?

Nein, das wird sich im nächsten Jahr auch wieder ändern. Ich habe einfach schon sehr lange in Deutschland gedreht. Ich wusste, mit wem ich gern zusammenarbeite und mit wem eher nicht. Manchmal habe ich auch Sachen gemacht, die ich nicht so ganz toll fand. Da war ich sehr froh, dass sich die Möglichkeiten im Ausland geboten haben - je weiter der Rahmen gesteckt ist, umso größer die Chance, auch wirklich spannende Dinge zu bekommen.

Was sind die deutschen Projekte fürs nächste Jahr?

Mit meinem Freund Wolfgang Becker, mit dem ich vor Urzeiten "Good Bye, Lenin!" gedreht habe, will ich nochmal einen Film machen. Und mit Florian Gallenberger, den ich von "John Rabe" kenne, habe ich ein spannendes Projekt in Chile vor. Da kommen also auch wieder Sachen mit deutschen Regisseuren.

Können Sie zu dem Becker-Projekt mehr verraten?

Da sitzen wir schon länger dran. Es geht um die Adaption des Romans "Ich und Kaminski" von Daniel Kehlmann - ein interessanter, abstruser Road-Trip. Das Schöne daran: Meine Figur ist wirklich komplett das Gegenteil von dem sympathischen Alex aus "Good Bye, Lenin!", also ein ziemliches Arschloch. Darauf freue ich mich sehr.

Sowas wollten Sie ja schon immer mal machen.

Ja, und die Angebote gehen jetzt immer mehr in diese Richtung. Anscheinend haben die Leute erkannt, dass ich gar nicht so sympathisch bin (lacht). Aber ich freue mich wirklich, das ist eine Entwicklung, die ich ein bisschen herbeigesehnt habe. Man wird halt doch schneller in eine Schublade gesteckt als einem lieb ist.

Ist es nicht auch spannender, sich nicht nur selbst zu spielen?

Aber das ist es ja! Ich habe gar nicht mich selbst gespielt, ich bin gar nicht so sympathisch. Bei "Lenin" hat mich das manchmal richtig fuchsig gemacht, dass alle Leuten dachten, ich sei so. Und das macht mich auch jetzt noch fuchsig.

Ehrlich? Sind Sie ein richtiges Ekel?

Ja. Also auf jeden Fall mehr als man denkt. Und ich hoffe, man sieht das dann in meinen nächsten Filmen.

Sie sehen immer noch aus wie 25 - fühlen Sie sich auch so?

Nein, ich seh' einfach nur jung aus, das liegt bei uns in der Familie. Manchmal hat mich das beruflich ein bisschen genervt, weil ich einfach keinen Bock mehr hatte, mit Anfang oder Mitte 30 noch 25-Jährige zu spielen. Man ist inzwischen doch woanders angekommen in seinem Leben. Und ich merke schon, dass ich nicht mehr 20 bin.

Woran?

Ach, man wird wirklich ein bisschen ruhiger. Ich war früher ein sehr umtriebiger Mensch. Ein Urlaub zum Beispiel war früher für mich fast stressiger als Arbeit, weil ich immer das Gefühl hatte, ich muss das Reiseland komplett von unten bis oben entdecken. Und in der Arbeit wollte ich auch alle Filme dieser Welt gleichzeitig drehen. Das hat sich ein bisschen geändert, ich weiß jetzt genauer, was ich will und was nicht. Früher fand ich mich selbst auch ein bisschen anstrengend.

Nada Weigelt, DPA / DPA