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Dolly Buster: Skandal im Sperrbezirk

Es hätte so schön werden können: Ex-Pornostar Dolly Buster gab mitten auf der Hamburger Reeperbahn ihre erste Vernissage - mit Zuckerbrot und Peitsche. Doch sie hatte die Rechnung ohne Malerin Johanna gemacht, die sie als Lügnerin entlarven wollte.

Von Andreas Klatt

Einen besseren Ort für ihre erste Vernissage hätte sich Dolly Buster mit dem Café Keese auf der Hamburger Reeperbahn kaum aussuchen können: Ein Varieté-Theater im Stile des Moulin Rouge mit einer winzigen Bühne, auf dem normalerweise leicht bekleidete Damen zum Cancan durch die Luft wirbeln. Heute stehen Menschen in Cordsakko und Hosenanzug auf der Straße und rütteln mit den Worten "Ich will hier rein" an der Einlasstür. Nein, hier geht es nicht ins Kanzleramt. Der ehemalige Pornostar Dolly Buster hat nach einigen eher mäßig erfolgreichen Ausflügen in die Krimi- und Sexratgeberliteratur ein neues Metier entdeckt und will moderne Aktmalerei an den Mann bringen - für 8900 Euro das Stück.

Durch den samtenen Vorhang lassen sich erste Blicke erhaschen auf die Gemälde, mit denen die 37-Jährige seit Wochen durchs Fernsehen tingelt. Stefan Raab wurde bereits mit einem Porträt beehrt - und nachdem immer mehr ein verblüfftes "Das soll die gemalt haben?" beim Anblick ihrer Bilder nicht mehr zurückhalten konnten, bereits Vergleiche mit Andy Warhol durch die Luft flogen, machte sie unlängst in der "NDR-Talkshow" die Probe aufs Exempel: Ja, mit der Farbpeitsche kann die Dame umgehen. Denn genau die gibt ihren Bildern den besonderen Touch. Bevor sie die Peitsche in den Farbeimer taucht und los drischt, skizziert sie mit Kohle oder Acryl Brüste, Hintern oder das Gesicht ihrer Travestiefreundin Olivia Jones als Freiheitsstatue von New York.

Zwei Meter groß, grell geschminkt mit Perücke und verlängerten Wimpern

Genau die hat in diesem Moment ihren großen Auftritt: Zwei Meter groß, grell geschminkt mit Perücke und verlängerten Wimpern schwebt sie durch die murmelnde Menge auf die Bühne und hat trotz sonorem Bass alle Mühe, sich im Saal ohne Mikrofon verständlich zu machen. Doch sobald das Schlagwort "Buster" ertönt und eine neben der Riesin geradezu zierlich anmutende Blondine hinterher eilt, gönnen die angereisten Medien Dolly Buster nicht mehr als ein "Hallo, ich…". Es bricht ein Blitzlichtgewitter los, das wie Balsam auf die Seele des vergessen geglaubten Promis gewirkt haben mag.

So hätte es weitergehen können, aber dann kamen die Schafe. Eine Reporterin von RTL gibt sich mit Busters Beteuerungen, alles eigenhändig gemalt zu haben, nicht zufrieden. Nachdem andere Reporterteams Buster eher freundlich nach Neuigkeiten abgegrast haben, will sie es genau wissen und drängt die Blondine in die Enge: "Ich kann den Wert Ihrer Bilder nicht beurteilen, aber kann es sein, dass Sie mit einem Beamer nachgeholfen haben? Verletzt es sie, wenn ihre Malkünste mit denen eines Schafs verglichen werden?" Dolly Buster schaut fragend und kreuzt die Arme über der Brust, dann findet sie zu ihren einstudiert wirkenden Formulierungen zurück: "Das ist Unsinn." - "Kennen Sie eine gewisse Johanna?", erwidert die Reporterin. Auch nach dreimaliger Nachfrage zuckt Buster mit den Schultern. Besagte Johanna steht allerdings - welch grandioses Possenspiel - bereits vor der Tür, und das nicht allein: Sie hat zwei lebende Schafe mitgebracht und dazu Vorwürfe, die sich gewaschen haben.

Selbsternannte Stiftung Kunsttest fällt vernichtendes Urteil

"Eigentlich sollte sie ihre Kunstversuche und Übungsbilder im Rahmen meiner Vernissage ausstellen. Die noch von mir bearbeiteten Bilder waren eine Beleidigung für die Augen", gibt Johanna Rzepka Saures. Die junge Frau mit den langen zotteligen Haaren und dem durchdringenden Blick wirkt ein wenig wie ausgeborgt aus dem Statisten-Ensemble von Barbara Salesch. "Und noch ein Medienirrtum: Frau Buster war und ist nicht in der Kunstakademie eingeschrieben." Sie plustert sich als selbst ernannte Stiftung Kunsttest auf und fällt abschließend ein vernichtendes Urteil: "Frau Buster bekommt von mir den Stempel: Besonders ungeeignet, Prädikat: nicht wertvoll."

Keine Frage, soviel Chuzpe bricht einen Zickenkrieg vom Zaun. Olivia Jones lässt sich die Chance nicht entgehen, Partei für ihre Freundin Dolly zu ergreifen. Sie beugt sich zu Johanna herunter, was ungefähr so aussieht, als würde ein Giraffenkopf aus dem Himmel schnellen. "Du verträgst doch nur nicht ihren Erfolg", zischt sie sichtlich aufgebracht. Die Angegriffene selbst bekommt von all dem nichts mehr mit. Sie hat sich wieder zurückgezogen in die Geborgenheit des Café Keese und lauscht den Worten von Aktzeichenlehrer Armin Tölke, der Buster an der renommierten Kunstakademie Düsseldorf ein Jahr lang unterrichtet haben soll. Mit einer dicken Zigarre in der linken Hand liest Tölke schnodderig seine Laudatio von einem Schmierzettel: "Dolly Buster hat sich neu erfunden als Tigerin vor der Leinwand - sie ist jetzt eine von uns."

"Lob, Freunde, oder Tritt in den Arsch"

Dann wird Tölke philosophisch: "Der Funke Zukunft, der auf allen ihren Bildern glimmt, zeigt uns, dass sie ihren Weg als Malerin eingeschlagen hat und ihr Universum täglich größer wird, durch die Sensibilität, die sie sich im täglichen Arbeiten erworben hat." Nach diesem Verständnis hatte es bei der ersten Begegnung nicht unbedingt ausgesehen: Als Buster in der Kunstakademie vorsprach, um ihre Fertigkeiten aus der Jugendzeit von einem Jahr an der staatlichen Kunstschule in Prag aufzufrischen, will sie der Lehrer mit den Worten empfangen haben: "Was willst Du: Gelobt werden, neue Freunde oder einen Tritt in den Arsch?"

Dem Einvernehmen nach entschied sich Buster für Letzteres. Zwar bekennt sie nachher stolz ihre Überzeugung: "Man kann's, oder eben nicht", aber auch die ein oder andere Hilfestellung würde man ihr nachsehen. Schließlich gibt sie freimütig zu: "Ohren und Hände male ich nicht gerne, deshalb landet dort besonders häufig ein Farbklecks." Auch bei ihren anfänglichen Versuchen, die "Gänsehaut auf Brustwarzen" zu malen, habe sie die Einweisungen Tölkes dankend angenommen.