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Das Dschungelcamp 2011, Tag 12: Dschungeldrama im Director's Cut

Als sechste Kandidatin der Dschungelcamp-Geschichte hat Sarah Knappik freiwillig das Camp verlassen. In einer XL-Ausgabe der Sendung zeigte RTL noch einmal die Höhepunkte der schrägen Skandalnacht am Lagerfeuer. Dabei wurde vor allem eins klar: Sie fehlt schon jetzt, die gute Sarah.

Von Ingo Scheel

Dustin Semmelrogge, Harry Wijnvoord, Dolly Buster, Lisa Bund, Giulia Siegel und nun also Sarah Knappik. Im Anschluss an den größten Cliffhanger seit "Dallas" rätselte die Nation nur kurz, wer nach dem kuriosen Knappik-Gate wohl den Sesam-öffne-dich-Satz zum sechsten Mal in die Kameras sagen würde. Nachdem es über Tag bereits durchgesickert war, bestätigten sich am Abend die Gerüchte: Sarah K. war nicht mehr da. Das Ex-Beinah-Topmodel hatte die magischen Worte gesprochen, einen ihrer wenigen grammatikalisch richtigen Sätze: "Ich bin ein Star - holt mich hier raus"

Es galt nun, eine Dschungelkandidatin zu feiern, wie es sie so noch nie gegeben hat. Und wenn einem so viel Irrsinn wird beschert, das ist schon einen Director‘s Cut wert. RTL ließ sich denn auch nicht lumpen, verlängerte die Sendezeit um satte 45 Minuten und zeigte noch einmal den ganzen Wahnsinn dieser Dschungelnacht. Hätte Rudyard Kipling dem Crystal Meth zugesprochen, sein "Dschungelbuch" könnte so ähnlich aussehen wie dieser nächtliche Mutantenstadl: Peer Kusmagk mit den bewegendsten Tränen seit Sinead O'Connor, angefeuert von Sarah Knappik, funkensprühend wie ein gekapptes Starkstromkabel, dazu Rainer Langhans als wortkarge Medusa - Protagonisten in einem psychotischen Panoptikum, zerrieben von Nahrungs- und Schlafentzug, einer lethalen Mixtur, die schon im Vietnamkrieg ihre hässlichste Fratze gezeigt hatte.

Endlich mit den Gerüchten aufräumen

Im Auge des Orkans: Jay Khan. Hatte er oder hatte er nicht - Sarah im Vorwege besucht, um mit ihr die Fake-Lovestory für die Zeit im Dschungelcamp durchzuplanen? Auch die passenden Gründe hatte Frau K. parat: Der Ex-US5-Sänger wollte endlich mit den Gerüchten aufräumen, er sei schwul. Offenkundig angeekelt von dieser Theorie, als plane er eine Karriere in der Fußball-Bundesliga, wies Gay, Verzeihung, Jay, schließlich alle Hypothesen von sich. Schwul? No way. Das bestätigte schließlich auch sein Manager. Der Mann namens Mark Dollar pochte in einem TV-Interview darauf: "Jay ist 100.000-prozentig nicht schwul. Oder bi!"

Allein diesen Namen, ein Pseudonym wie von einem alten Währungsrechner inspiriert, sollte man sich merken. Vom Look her ein vortrefflicher Hybrid aus Thomas Rupprath (Haare und Hirn) und Jay Khan (Tattoo und Tonus), könnte Mark Dollar bereits ein Kandidat für die nächste Staffel des Dschungelcamps sein. Überhaupt - wie geschickt RTL im Product Placement ist, davon konnte man sich in den Werbeblöcken überzeugen. Auch hier steckten bereits jede Menge Anwärter auf einen Platz am Lagerfeuer in den kommenden Jahren: Menderes, Michael Buffer, Lena Meyer-Landrut - das wird ein Spaß.

Wie geht es jetzt weiter?

Doch zurück ins Camp: Nachdem die noch zarte Männerfreundschaft von Peer und Mathieu binnen Stunden zerbröselte wie verdorrte Schlangenhaut im Wüstenwind, brach Rainer Langhans plötzlich sein Schweigegelübde und streute, gleich einem Wiedergänger von Ruth Westheimer und Erika Berger in einer Person, kaum nachvollziehbare Sexualthesen unters Dschungelvolk. Eine Trendwende, die ihn schlussendlich wohl Sympathiepunkte gekostet hat. Denn Sarahs Abgang sollte nicht der einzige Exodus an diesem Tag bleiben. Die Zuschauer hatten nach einem Tag Pause wieder die Wahl und die fiel auf eben jenen Rainer Langhans. Hatten viele den Mann mit den Korkenzieherlocken im Vorwege noch als Märchenonkel gesehen, der sich mit pikanten Petitessen über Uschi Obermaier und andere Gespielinnen ins Finale faseln könnte, hat Langhans sich nun vorzeitig in Richtung Heimat entschleunigt.

Wie geht es jetzt weiter mit dem verbliebenen halben Dutzend? Schon der routinemäßige Fortgang mit Dschungelprüfung (Jay und Indira) und sogar Rainers Rauswurf verkam im Nachhall von Sarah Knappiks Flucht zur Fußnote. Wie ein mahnender Tinnitus schwebt ihre Stimme noch über dem Camp und macht schmerzlich klar, dass das hier einen ähnlichen Verlauf genommen hat wie das Karriereende von Oliver Kahn: Hatte man den Titan noch auf der Zielgeraden seiner letzten Spielzeit für alles mögliche gescholten, beklagte man sein Fehlen schon am ersten Spieltag der folgenden Saison. Typen! Wir brauchen Typen! "Ich bin geschockt, dass hier so viele Schauspieler 'rumlaufen" - solche doppelbödigen Knappik-Klassiker wird man in Zukunft vermissen. Die Akte K. schließt sich vorerst unter dem Seufzen der TV-Nation. Und die Wahrheit - die ist irgendwo da draußen.