Edward Norton Null Bock auf Arbeit


Anstatt seinen neuen Film zu bewerben, reist Hollywood-Star Edward Norton lieber durch Afrika. Es ist nicht das erste Mal, dass er sich den Ärger der Studio-Bosse zuzieht. Der Schauspieler gilt als komplizierter Arbeitnehmer und gefährdet damit seine Karriere.
Von Frank Siering, Los Angeles

Die Manager der Universal Studios waren alles andere als begeistert, als Edward Norton - Star des neuen Blockbusters "Der unglaubliche Hulk"- über seine Publizisten mitteilen ließ, dass er für weitere PR-Termine nicht zur Verfügung stehe. Die Begründung: Er breche auf eine vierwöchige Reise nach Afrika auf. Der Zeitpunkt der Reise ärgerte die Marketing-Bosse. Unzählige Pressetermine standen an, die PR-Maschine für den immerhin 150 Millionen Dollar teuren Streifen sollte bereits auf Hochtouren laufen und nun war das Monster selbst nicht dabei? Kein O-Ton zu den Dreharbeiten vom Star? Kein Wort vom "Hulk"? In Hollywood kann eine solche Fahrlässigkeit einen Film schon vor der Kinostart zu Grabe tragen.

Co-Star Liv Tyler, die in dem Action-Drama eine Wissenschaftlerin spielt, musste die vielen internationalen Pressetermine allein absolvieren. Dabei werden in Hollywood die Schauspieler vertraglich verpflichtet, für die Öffentlichkeitsarbeit ihrer Filme bereitzustehen. Auf Edward Norton angesprochen, senkte Liv Tyler während der Pressekonferenzen dann ein ums andere Mal den Kopf und wiederholte, dass ihr Kollege ein "hochintelligenter Kopf und ein brillianter Schauspieler" sei.

Hochintelligenter Superstar

Freilich, Intelligenz kann dem 38-jährigen Norton nicht abgesprochen werden. Er absolvierte die Elite Universität Yale und gilt als Superstar mit hochintellektuellem Anspruch. Aber eben auch als schwieriger Arbeitnehmer, der sich durch solche Kapriolen immer häufiger den Unmut der Studiobosse zuzieht und seine Karriere langsam an den Abgrund manövriert: Für den Streifen "American History X", in dem er einen kahlköpfigen Nazi spielte, legte sich Norton öffentlich mit Regisseur Tony Kaye an, weil er angeblich in zu wenig Szenen zu sehen war. Norton habe die Produzenten des Streifens gegen Kaye aufgebracht und die Kontrolle über den "Final Cut" an sich gezogen, berichtete der Regisseur später und nannte Norton einen "narzistischen Idioten".

In dem Film "Death to Smoochy" war Norton, so berichtet die "Los Angeles Times", mit seinem Kostüm derart unzufrieden, dass er von den Produzenten verlangte, einen von Giorgio Armani eigens für ihn angefertigten Anzug zu besorgen. Dabei wurde sein Charakter im Drehbuch als "Hippie" beschrieben. Hintergrund der Story: Norton hatte angeblich einen Deal mit Armani und wollte geschicktes Product-Placement betreiben.

Detailsversessen und narzistisch

Aber auch in anderen Norton-Projekten gab es Probleme. Nach seinem Erfolg in dem Streifen "Primal Fear" ließ sich der Schauspieler auf einen so genannten "Three-Picture-Deal" mit den Paramount Studios ein, das heißt einen Vertrag, der den Schauspieler verpflichtet, in drei Paramount-Filmen mitzuspielen. Acht Jahre später hatte sich Edward Norton noch immer nicht für ein weiteres der drei vereinbarten Projekte entschieden. So steckte ihn das Management in die Produktion von "The Italian Job". Norton lehnte auch diesen Film aufgrund der "schlechten Skriptqualität" ab, bis ihm die Paramount-Rechtsabteilung eine Multimillionen-Dollar-Klage wegen Arbeitsverweigerung androhte. Dementsprechend gutgelaunt und motiviert schlich Mr. Norton dann auch über das Set von "Italian Job".

"Edward ist ein Typ, der den Regisseur gerne herausfordert", sagt Brett Ratner, mit dem Norton "Red Dragon" drehte. Auch bei diesem Film gab es große Probleme zwischen dem Schauspieler und seinem Regisseur. Ratner: "Norton ist so detailbesessen, dass er glaubt, ohne seinen Input geht es nicht."

"Wenn er so weitermacht, schließen sich die Türen"

Obwohl Edward Norton längst als ein "schwieriger Kandidat" in Hollywood gilt, schafft er es immer neue Kinorollen an Land zu ziehen. Nur wie lange noch? "Wenn er so weitermacht, schließen sich die Türen der Studiobosse", sagt ein Manager bei Paramount. Auch unter Kollegen macht sich der Star nicht gerade beliebt: Vor zwei Jahren setzte er der Vergabe von exorbitanten Geschenkkörben bei Presiverleihungen ein Ende. Er hatte gefordert, dass Stars, die ohnehin schon Millionen verdienen, nicht auch noch einen Geschenkkorb überreicht bekommen sollten, der oftmals mehrere hunderttausend Dollar wert ist.

Die amerikanische Steuerbehörde nahm den Kommentar auf und veranlasste praktisch über Nacht, dass Geschenkkörbe versteuert werden müssen. Edward Norton hat das gefreut, viele Hollywood-Stars trieb diese Aktion nur noch die grüne Farbe ins Gesicht. Norton dagegen hat genug von der Farbe grün und macht fernab von seinem "Hulk"-Ich Urlaub in Afrika.


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