Fürst Rainier III. Herrscher mit Unternehmergeist


Seit mehr als einem halben Jahrhundert stand Fürst Rainier III. an der Spitze der kleinsten Monarchie der Welt. Und bewahrte sein Fürstentum geschickt vor der Pleite.

Bei seinen gut 35.000 Untertanen aus etwa 120 Ländern, unter denen die "richtigen" Monegassen deutlich in der Minderheit sind, erfreute sich der weißhaarige Regent mit dem gepflegten Schnauzbart einer äußerst großen Beliebtheit. An der Spitze seines 220-Hektar-Mini-Staates an der Côte d'Azur hat sich Louis Henri Maxena Bertrand Rainier als Baumeister und als politischer Weichensteller für die Zukunft in die Geschichte geschrieben.

Unternehmen Monaco

Seinen schmalen Küstenstreifen, gleichzeitig Jetset-Paradies und Steuer-Oase, führte der dienstälteste Staatschef Europas mit ausgeprägtem Engagement. Die Zwergmonarchie auf dem "teuersten Felsen der Welt" konnte sich auf den Souverän aus dem Haus Grimaldi, dieser ältesten regierenden Herrscherfamilie Europas, verlassen. Dabei stand es nicht immer zum Besten im Fürstentum. Fürst Rainier III. rettete sein Reich durch die Heirat mit dem "Oscar"-gekrönten Hollywoodstar Grace Kelly vor dem Bankrott. Hollywoodglamour und europäischer Adel verbanden sich. Aus dem Kleinstaat und Spielerparadies wurde ein Gewinn bringendes Unternehmen, ein Touristenmagnet, eine Steueroase für Reiche und auch ein Industriestandort.

Seit er im September 1982 durch den Unfalltod seiner Gattin Grace Kelly Witwer wurde, hatte er sich immer mehr den Regierungsgeschäften gewidmet. Er modernisierte das Riviera-Kleinod, ließ dem Mittelmeer etliche Hektar bebaubare Fläche abtrotzen, die Bahn in einen Tunnel verlegen und als jüngste Attraktion einen riesigen Anlegesteg für Luxusliner bauen.

Während Familiengeschichten immer wieder Schlagzeilen machten und die Töchter Caroline (46) und Stéphanie (38) ins Rampenlicht rückten, setzte der Herrscher auf die politische Beständigkeit, auf enge, aber nicht zu enge Beziehungen zum Nachbarn Frankreich sowie auf ein gut fundiertes "Unternehmen Monaco". Er hatte es ausgebaut und auch saubere Industrie auf Neuland aus dem Meer angesiedelt. Mehrere Operationen seit dem ersten Herzeingriff 1994 haben dann jedoch wiederholt die Frage der Abdankung in den Mittelpunkt des monegassischen Alltags gerückt.

1950 kam Rainier auf den Thron

Zur Welt kam "Seine Durchlauchtigste Hoheit" am 31. Mai 1923 in Monaco als Sohn der Erbprinzessin Charlotte von Monaco und des Grafen Pierre de Polignac. Seine Jugend hatte Rainier in Schweizer und in englischen Internaten verbracht. Danach besuchte er die Universität von Montpellier und die renommierte Ecole de Sciences Politiques in Paris. Als sein Großvater Fürst Louis II. am 9. Mai 1949 starb, trat Rainier knapp 26-jährig die Herrschaft an. Offiziell und feierlich inthronisiert wurde der neue Herrscher Monacos am 11. April 1950.

Probleme und Tragödien standen neben den Leistungen während der Herrschaft des 33. Fürsten von Monaco. Als er am 18. April 1956 den amerikanischen Hollywood-Star Grace Kelly heiratete, der dann Gracia Patricia hieß, strahlten Glanz und Glamour auf das kleine Fürstentum.

Kronprinz Albert (45), noch immer Junggeselle, oft von Rainier als "Junior" tituliert, wird nun sein Nachfolger. Bereits vor dem Tod des Fürsten wurde er eng in die Regierungsgeschäfte und Pflichten der Familie eingebunden.

Hanns-Jochen Kaffsack, AP AP

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