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Fürst Albert II.: Sachverwalter der Monarchie

Seit drei Jahren regiert Fürst Albert sein Minireich Monaco, nicht so märchenhaft wie sein Vater Rainier III., dafür ist er zu sehr Verwalter denn Monarch. Nun wagt er sich nach Moskau und Paris in Berlin auf die Bühne der großen Politik.

Eine Schlittenfahrt zum Nordpol, ein Dementi von Heiratsplänen, das Bekenntnis zur Vaterschaft von zwei Kindern: Die Schlagzeilen, die Fürst Albert II. von Monaco seit seiner Amtseinführung vor drei Jahren geliefert hat, lassen sich nur an einer Hand abzählen. Ganz im Gegensatz zu anderen Adeligen.

Denn der schüchtern wirkende Albert regiert den Zwergstaat wie ein moderner Verwalter und damit ganz anders als sein schillernder Vater Fürst Rainier III. Das Ziel: Den einstigen Operettenstaat zum Vorbild im Umweltschutz zu machen - und eines Tages in die EU zu führen. Darüber hat er sich nun auch über mit Bundeskanzlerin Angela Merkel unterhalten. Bereits am Tag zuvor reiste der Bruder von Caroline und Stéphanie nach Berlin, genächtigt wurde im Hotel Adlon. Der Empfang im Kanzleramt ist nach Treffen mit den französischen und russischen Präsidenten Nicolas Sarkozy und Wladimir Putin eine weitere politische Aufwertung für Albert - und die Anerkennung für sein Engagement im Umweltschutz.

Dreifacher Olympionik

Der passionierte Bobfahrer, der an drei Olympischen Winterspielen teilnahm, reiste 2006 mit dem Schlitten zum Nordpol, um die Öffentlichkeit auf die Eisschmelze aufmerksam zu machen. Er war der erste amtierende Staatschef an der Polkappe. "Wir haben keine Zeit mehr für Skepsis, es ist Zeit zu handeln", sagte er zur Eröffnung des Polarjahres 2007/2008. Zu seinen ersten Amtshandlungen gehörte dementsprechend auch die Ratifizierung des Kyoto-Protokolls.

Die Regierung von Monaco stieg unter seiner Regentschaft zudem auf Elektro- und Hybridfahrzeuge um und fördert den Kauf von Wagen, die mit erneuerbaren Energien betrieben werden. Auch wenn sich das für die Formel-1-Rennen durch Monte Carlo noch nicht durchgesetzt hat, wurde Albert im Januar vom UN-Umweltprogramm zu einem von sechs "Champions of the Earth" gekürt. Und in Merkel sieht er eine Verbündete im Kampf gegen die Erderwärmung.

Wenig Stoff für bunte Blätter

Den bunten Blättern liefert der Sohn von Gracia Patricia, der am 14. März seinen 50. Geburtstag feiert, nur wenig Stoff. Die von prominenten Wahrsagern prognostizierte Hochzeit mit der schönen Charlene Wittstock blieb bislang aus, nur ein Mal zeigten sich beide gemeinsam in der Öffentlichkeit, und das ist ein Weilchen her.

Immerhin steht inzwischen fest, dass der Mann mit den weichen Gesichtszügen durchaus eine Schwäche für Frauen hat. 2006 erkannte er die Vaterschaft für die 14-jährige Amerikanerin Jazmin Grace Rotolo an. Ein Jahr zuvor hatte er sich zu seinem Sohn Alexandre bekannt, den er mit der Togoerin Nicole Coste hat.

Die Erbfolge der Grimaldi-Dynastie ändert sich dadurch nicht, gemäß monegassischer Verfassung haben nur eheliche Kinder ein Anrecht auf das Fürstentum. "Ich darf mich nicht irren", sagte Albert einst über seine hartnäckige Heiratsabstinenz. Doch die Gefahr, dass das Fürstentum an Frankreich zurückfällt, sollte Albert als Junggeselle sterben oder aus einer Ehe kein Kind hervorgehen, ist gebannt: Durch eine Verfassungsänderung könnten Caroline oder Stéphanie sowie deren Kinder die Thronfolge antreten. Spätestens dann dürfte es in Monaco wieder etwas märchenhafter zugehen.

Tobias Schmidt/AP/nik / AP