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Nikolaj Coster-Waldau: Der "Game of Thrones"-Bösewicht ist privat ganz zahm

Mehr als 20 Jahre nach seinem Kinodebüt avancierte Nikolaj Coster-Waldau mit der Serie "Game of Thrones" zum Superstar. Dabei verabscheut der gebürtige Däne jeglichen Luxus und liebt es bescheiden.

Von Christine Kruttschnitt

Nikolaj Coster-Waldau

Nikolaj Coster-Waldau in einem Strickpullover von Hèrmes und einer Seidenhose von Emporio Armani

Sein Leben kam ganz neu in Schwung, als er den kleinen Jungen vom Turm warf und Sex mit seiner eigenen Schwester hatte. War er bis dahin vorwiegend seinen dänischen Landsleuten ans Herz gewachsen, so schlug Nikolaj Coster-Waldau als Bad Boy der TV-Serie "Game of Thrones" weltweit die Fans in seinen Bann - mit links, und das nicht nur, weil ihm seine starke Rechte in der Serie abgehackt wird.

Der "Königsmörder" aus "Game of Thrones"

Es vergeht kaum ein Tag, an dem er nicht auf die preisgekrönte Fantasy-Reihe angequatscht wird. Seine Figur - der unedle Ritter Jaime Lannister, der im Verlauf von bislang fünf blutigen Staffeln zwar einen Körperteil verlor, dafür massenhaft Sympathien gewann - hat den 45-Jährigen zum nordisch-exotischen Sexsymbol gemacht. Mehr als 20 Jahre nach seinem Kinodebüt trifft ihn nun die volle Fan-Leidenschaft: Bei "Game of Thrones"-Dreharbeiten in Belfast und Sevilla musste Coster-Waldau wie eine hysterische Hollywooddiva unter falschem Namen ins Hotel ziehen, um Groupies abzuhängen. In Restauranttoiletten wird er von der Seite, unter der Dusche im Fitnessstudio auch mal frontal angequatscht: Er solle rausrücken, wie es weitergeht in Staffel sechs; und dann ein Selfie bitte mit dem "Königsmörder".

Nikolaj Coster-Waldau als Jaime Lannister in "Game of Thrones"

Nikolaj Coster-Waldau als Jaime Lannister in "Game of Thrones"

Neulich war er in einer amerikanischen Talkshow zu Gast. Er sei nun ein so großer Star, staunte der Moderator, und dabei komme er aus einem so kleinen Land. Coster-Waldau gab gutmütig zurück, nicht er sei ein Phänomen, sondern die Serie, und "klein" sei nicht so sehr Dänemark, sondern das Dorf, in dem er aufgewachsen ist. 40 Bewohner zählt Tybjerg "an guten Tagen". Wie kommt einem dort die Idee, Schauspieler zu werden? "Ich hatte das immer im Kopf", erwidert er. "Ich ging auf die Schauspielschule in Kopenhagen und hatte Glück."

Nikolaj Coster-Waldau ist seit 18 Jahren verheiratet

Warum auch nicht? Gerade wurden die Dänen in einer globalen Umfrage mal wieder zum glücklichsten Volk auf Erden erklärt. Auf ihn persönlich treffe die Beschreibung zu, sagt Coster-Waldau. Er ist seit 18 Jahren hochzufrieden verheiratet mit einer grönländischen Schönheitskönigin, hat zwei fröhliche, gesunde Töchter, die ihn in Sachen Mode und Musik auf dem Laufenden halten, und das Rezept zum Glücklichsein kennt er schon lange: "Keine hohen Erwartungen, das ist der ganze Trick."

In seiner Heimat, sagt Coster-Waldau, mache man kein Getöse um Prominente. Und als Berühmtheit soll man sich gefälligst unauffällig und anständig benehmen. In Los Angeles, wo solche Ideen recht kurios klingen, ist er nur zu Gast, fliegt regelmäßig aus Kopenhagen ein, um sich mit Produzenten und Agenten zu treffen oder Werbung zu machen für Hollywoodfilme, die in ganz anderen Ecken entstanden sind. In Australien zum Beispiel, wo er für den Fantasyfilm "Gods of Egypt" das Schwert zückte. Es wäre doch albern, sagt er, die Familie nach Los Angeles zu holen und dann monatelang für Dreharbeiten zu verschwinden. Da hänge er lieber allein im Hotel rum - und wieder ab nach Hause. Im Spezialeffekte-Epos spielt er übrigens den Falken-Gott Horus: "Ich bin doch Vielflieger", grinst er.

Trailerpremiere "Gods of Egypt": Game-of-Thrones-Star trifft auf ägyptische Götter

Dabei findet man kaum einen erfolgreichen Schauspieler mit so viel Bodenhaftung. Luxus irritiert ihn. "Wissen Sie, was es hier im Hotel kostet, wenn man die Socken waschen lässt? Fünf Dollar! Das hat mir keine Ruhe gelassen. Ich bin um die Ecke ins Kaufhaus und habe einen Sechserpack für neun Dollar gekauft." Stolz lüpft er das schwarze Hosenbein. "Okay, sie sind ein bisschen groß", sagt er, und dann muss er über sich selbst lachen.

Heiratsantrag auf einem isländischen Vulkan

Der schönste Ort auf Erden ist für ihn weiß Gott nicht Hollywood, sondern Grönland. Seine Frau Nukâka wurde dort vor 45 Jahren geboren, fuhr mit Hundeschlitten zur Schule, sah Walfische wie unsereins Sperlinge. Das Paar hat ein Ferienhaus im Süden der Insel. Der Schauspieler liebt die Natur, verschwindet oft tagelang in einsamer Weite. Den Heiratsantrag machte er Nukâka auf einem Vulkan in Island: der Schönheit und des Dramas wegen. "Hätte sie Nein gesagt, wäre sie im Krater gelandet", scherzt er.

Seine eigenen Eltern ließen sich scheiden, als er sechs war. Sein Vater, ein heftiger Trinker, kehrte reumütig zurück, heiratete die Mutter noch einmal, trennte sich erneut. "Als ob es beim ersten Mal nicht genug wehgetan hätte." Seine Mutter zog ihn und seine beiden älteren Schwestern praktisch allein groß. Keine einfache Kindheit, aber, wie er beteuert, eine glückliche. Ein bisschen Not tut gut, sagt er. Dann haut einen später nichts um im Leben. So grämt er sich auch nicht, wenn einer seiner Filme floppt, "Gods of Egypt" zum Beispiel, der jetzt auch in Deutschland startet. "Wer Misserfolge persönlich nimmt, ist im falschen Geschäft." Zwar war gleich sein erster Film, der dänische Horrorthriller "Nachtwache", 1994 ein Überraschungshit. Doch Karrieren sind selten Steilflüge, nicht mal für Götter der Lüfte.

Nikolaj Coster-Waldau uns seine Frau Nukaka

Nikolaj Coster-Waldau uns seine Frau Nukâka. Das Paar ist seit 1998 verheiratet und hat zwei Töchter

Beständigkeit sucht er im Privaten. Er muss seine Wurzeln spüren, braucht die Nähe zu seiner Familie, alten Freunden. Lange Beziehungen, sagt er, seien das Wichtigste auf der Welt. Neulich habe ein Freund aus Kindertagen den Kontakt abgebrochen. "Ich war schockiert. Nach so langer Zeit werden Menschen Teil voneinander. Es fühlte sich an, als würde man mir den Arm abschlagen." Er stockt. Dann tritt dieses unverschämte Jaime-Lannister-Leuchten in seine blauen Augen. "Ha, was für ein blödes Beispiel."

Auch seiner Frau könne er manchmal - um im Bild zu bleiben - den Kopf abreißen. Aber deswegen habe er nicht vor, sich von ihr zu trennen. Er würde im Gegenteil gern noch viel mehr Zeit mit ihr und den beiden Töchtern, 15 und 12, verbringen. Und während eine gewisse Familiensaga im Hause Coster-Waldau ignoriert wird, ist es sein Schönstes, mit Philippa und Saffina Vorhernachher-Shows anzugucken und dabei hemmungslos zu weinen. Vor Glück natürlich.


Dieses Porträt erschien am 14. April 2016 im stern