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Germany's Next Topmodel: "Dafür bist du zu dick"

Schwere Vorwürfe gegen Heidi Klum: Sie treibe Mädchen mit ihrer neuen Show in den "Schlankheitswahn", titelt die "Bild"-Zeitung heute. Schuld ist allerdings nicht Heidi, sondern ein knallhartes Business.

"Die Diskussion um Maße gibt es, seit es Models gibt", sagt Peyman Amin, Model-Agent bei der weltgrößten Model-Agentur IMG. Der 34-Jährige ist Jury-Mitglied in der ProSieben-Sendung "Germany's Next Topmodel." 32 junge Frauen wetteifern seit vergangenen Mittwoch in der zwölfteiligen Show um einen Modelvertrag. In der ersten Runde sind bereits 20 Kandidatinnen rausgeflogen. Irina war eine davon, angeblich weil sie zu dick sei - und das obwohl sie bei einer Größe von 1,76 Meter nur 52 Kilo wiegt. Seitdem ist eine heftige Diskussion um die Voraussetzungen für das Model-Business entbrannt. Seitdem ist eine heftige Diskussion um die Voraussetzungen für das Model-Business entbrannt.

Die "Bild"-Zeitung titelte heute: "Schlankheits-Wahn" bei Heidi Klum und wirft dem deutschen Topmodel vor, Mädchen in die Magersucht zu treiben. Prof. Dr. Manfred Fichter, Ärztlicher Direktor der Klinik Roseneck (Prien a. Chiemsee) geht sogar noch einen Schritt weiter: "Diese Show propagiert einen unerreichbaren Super-Mager-Wahn im Quadrat. Das kann für Nachahmerinnen tödlich enden. Denn exzessives langes Fasten schadet Seele und Körper schwer", wird er in "Bild" zitiert.

Die Jury verteidigt ihre Entscheidung: "Die Anforderungen stellen einzig und allein die internationalen Topdesigner. Sie haben eine ganz genaue Vorstellung davon, wie ihre Mode elegant und glamourös präsentiert werden soll. Deshalb muss ein Haute-Couture-Model die richtigen Maße haben", sagt Peyman Amin zu den Vorwürfen. Mit-Juror Armin Morbach, Stylist aus Hamburg, stellt gegenüber stern.de klar: "Wir wollen nicht nur die perfekten, langweiligen Gazellen. Uns ist es lieber, wenn ein Mädchen vielleicht etwas zu dick ist, langweilige Bohnenstangen interessieren keinen. Wir haben für uns die Aufgabe gesehen, die Mädchen auch zu formen. Wer ein tolles Gesicht hat und die Grundvoraussetzungen stimmen, wie zum Beispiel die Größe, dann kann man an allem arbeiten."

Heidi Klum sei für diese These das beste Beispiel, meint Peyman Amin. Auch sie habe die internationale Modewelt nicht nur durch ihre idealen Maße, sondern auch durch ihre Natürlichkeit und ihren Charakter überzeugt. Trotz der knallharten Entscheidung der Jury hat Armin Morbach Mitleid mit den Mädchen, die rausgeflogen sind. "Aber Mitleid wird ihnen auf Dauer nichts nützen. Deshalb muss man ehrlich zu ihnen sein, so hart das klingt", sagt Morbach.

In der nächsten Runde am Mittwochabend wird es wieder ein Mädchen treffen. Die zwölf Kandidatinnen müssen dieses Mal in New York Fotoshootings, Laufsteg-Training und Styling unter Zeitdruck überstehen. Die erfahrene Jury rund um Heidi Klum stellt den Mädchen realistische Aufgaben aus dem Alltag eines Topmodels. Am Ende heißt es für ein Mädchen Abschied zu nehmen und den Traum von der Modelkarriere aufgeben zu müssen.

Jens Maier