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Großbritannien: "Party-Prinz" Harry wird 21

Prinz Harry, der Sohn von Prinz Charles, wird gern als schwarzes Schaf der königlichen Familie bezeichnet. Jetzt wird das Sorgenkind 21 und reifer.

Im Morgengrauen aufstehen, Stiefel putzen und dann zum Drill auf den Kasernenhof: So verbringt Kadett Wales, der Öffentlichkeit als Prinz Harry bekannt, an diesem Donnerstag seinen 21. Geburtstag an der britischen Militärakademie Sandhurst. "Dort ist er gut aufgehoben, da kann er an seinem Geburtstag wenigstens keine Dummheiten machen", spöttelte die britische Presse bereits im Vorfeld. Der jüngste Spross von Thronfolger Prinz Charles soll von einem Zivilisten mit Hang zu wilden Partys zum Soldaten werden.

Prinz Harry ist und bleibt das Sorgenkind von Prinz Charles. Pünktlich zu seinem 21. Geburtstag setzt ihm die britische Presse sämtliche Untaten des vergangenen Jahres vor - ein Beweis dafür, dass es mit dem neuen Image, an dem die PR-Experten der königlichen Familie arbeiten, noch nicht geklappt hat.

Peinliche Höhepunkte

Ein Höhepunkt der Peinlichkeiten war Harrys Auftritt in einem Nazi-Kostüm auf einer Geburtstagsfeier im Januar. Das Boulevardblatt "The Sun" kaufte das Bild von einem Partygast für geschätzte 10.000 Pfund (15.000 Euro). Prinz Charles schickte ihn zu einem Besuch in das ehemalige Konzentrationslager Auschwitz, aber in der Öffentlichkeit hatte Harrys Ansehen bereits einen neuen Tiefpunkt erreicht.

Nur manchmal gibt es in den britischen Medien Ansätze von Verständnis für den widerspenstigen Prinzen. Er ist ein Scheidungskind, und nach dem Tod von Prinzessin Diana vor acht Jahren fehlte ihm im Alter von zwölf Jahren die Mutter. "Er hätte etwas mehr elterliche Führung gebraucht", sagt Penny Junor, die Biografin von Prinz Charles. "Die meisten Mütter würden ihrem Sohn ins Gewissen reden, wenn er mit einer Armbinde mit Hakenkreuz daherkommt, aber es ist niemand da, der ihm das sagt."

"Eine Art tickende Zeitbombe"

Für die Hofreporterin ist Harry "eine Art tickende Zeitbombe", der den Royals noch allerhand Ärger machen könnte. Aber ansonsten sei er ein wirklich netter Junge, der jeden seiner Ausrutscher bereut.

Die geplante Geburtstagsfeier für Prinz Harry am kommenden Wochenende soll im "kleinen Rahmen" auf Highgrove stattfinden, dem Anwesen von Prinz Charles im ländlichen Gloucestershire. Bislang ist nicht bekannt, ob seine 19 Jahre alte Freundin Chelsy Davy dabei sein wird. Harry ist seit fast eineinhalb Jahren mit der in Kapstadt lebenden blonden Studentin zusammen.

Im Schatten des pflichtbewussten Bruders

Harrys älterer Bruder Prinz William hatte seinen 21. Geburtstag auf Schloss Windsor gefeiert, eine extravagante Party mit 300 Gästen. William bekam damals von seinem Vater ein Polo-Pferd im Wert von 100.000 Pfund geschenkt. Über das Geburtstagsgeschenk für Harry ist noch nichts an die Öffentlichkeit gedrungen.

Den Vergleich mit seinem Bruder William kann Harry nicht abschütteln. Prinz William ist stets der vernünftige, pflichtbewusste junge Mann, den die Medien lieben, und der sich auf seine zukünftige Rolle in der britischen Monarchie vorbereitet. Auf Harrys Schultern lastet weniger Verantwortung. Ein Musterknabe war er nie, ein Musterschüler schon gar nicht, und so wurde ihm schnell die Rolle des schwarzen Schafes zuteil.

"Die gibt es in der königlichen Familie immer", sagt ein Hofbeobachter. Prinzessin Margaret, die partyliebende Schwester von Königin Elizabeth, habe diese Rolle bis zu ihrem Tod gespielt. Die Militärakademie sei Harrys große Chance. Er habe die ersten harten Monate dort überstanden und stehe vielleicht "am Anfang einer Reifeperiode".

Ute Dickerscheid/DPA / DPA