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Helmut Schmidt und Ruth Loah: Der Ex-Bundeskanzler und seine neue Mitraucherin

Zwei Jahre nach dem Tod seiner Frau Loki hat Helmut Schmidt eine neue Lebensgefährtin. Er kennt Ruth Loah seit 57 Jahren. Wer ist die Frau?

Von Sophie Albers

Die 78-jährige Ruth Loah war bisher kein Thema bei Google. Doch nachdem der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt sie im traditionellen "Zeit"-Interview am Donnerstag als seine neue Lebensgefährtin vorgestellt hat, macht sie freitagfrüh lockere 6.500 Treffer. Tendenz steigend. Gerade wurde der 93-jährige Schmidt in einer Forsa-Umfrage zum "größten lebenden Vorbild der Deutschen" erkoren. Kein Wunder also, dass die lebensfrohe Nachricht sehr ernst genommen wird.

Neben zahlreichen Glückwünschen in Foren und sozialen Netzwerken - "Sie rauchen. Beide. Ist das nicht romantisch?" (Twitter) - wird in Artikeln immer wieder auf Schmidts 2010 verstorbene Ehefrau Loki hingewiesen. Das geht so weit, das unter anderem auf "Focus.de" damit getitelt wird, wie ähnlich Ruth Loah ihrer Vorgängerin sehe. Ein zitierter Altersforscher will darin gar ein "Kompliment an Loki" sehen. Franz Josef Wagner von "Bild" und laut Eigenwerbung Deutschlands berühmtester Briefeschreiber musste ob der Neuigkeit, dass Schmidt wieder vergeben ist, "erst mal durchschnaufen". Die "Süddeutsche Zeitung" ergeht sich in einem ironischen "Darf der das?" Leser wiederum freuen sich einfach: "Die Zeitungen sind voll von Syrien, Olympia und der Euro-Krise. Alles wichtige Themen, trotzdem ist es schön, etwas sehr Banales vom einfachen Glück des Ex-Bundeskanzlers Schmidt zu erfahren", schreibt simonvavi im Forum von "Spiegel Online". "Die Frau hat offensichtlich ihr Leben dem Helmut gewidmet, und am Ende ist es sogar zu einer 'Liebesgeschichte' gekommen."

Hannover - Bonn - Hamburg

Dazu sagte Schmidt nur so viel: "Ich kenne sie seit 1955. Sie war mal meine Mitarbeiterin, auch hier bei der 'Zeit'. Sie ist eine große Hilfe." Mehr erfährt man über die gebürtige Niedersächsin in dem Buch "Kindheit Jugend unter Hitler" (1992), in dem Schmidt und Menschen aus seinem Umfeld über eben diese Zeit geschrieben haben. Loah, Mädchenname Wilhelm, wurde demnach 1933 in Hannover in eine sozialdemokratische Arbeiterfamilie geboren. Sie war eines von acht Kindern, und ihre Mutter soll sich mit den Nazis angelegt haben, als die ihr ein "Mutterverdienstkreuz" verleihen wollten. "Insgesamt bin ich nur etwa sechs Jahre zur Schule gegangen", schreibt Loah. "Alles, was wir heute können und wissen, haben wir uns nach dem Ende des Krieges im Zuge des Erwachsenwerdens auf verschiedenste Weise selber aneignen müssen." Die junge Frau arbeitete für die Arbeiterwohlfahrt in Bonn - erst als "Laufmädchen", später als Sekretärin des Geschäftsführers. Dort habe sie "im Laufe von drei Jahren alles gelernt, was zu einer Büroausbildung gehört". Schon damals war sie Mitglied der SPD-Jugendorganisation "Die Falken".

1955 trifft sie den ehrgeizigen Jungpolitiker Schmidt, leitete dessen Wahlkreisbüro, war seine Sekretärin während der Sturmflut, wurde "Weggefährtin", die Schmidt in seinem Buch "Weggefährten" (1998) dankend erwähnt . Sie habe zur Familie gehört, lassen sich andere Weggefährten zitieren. Das Ehepaar Schmidt und das Ehepaar Loah hätten viel zusammen unternommen. Nach der gemeinsamen Arbeit bei der "Zeit" hat Loah den Schmidts auch in deren Privatarchiv geholfen. Ein eng mit ihm befreundeter Politiker sagte zu stern.de, dass Schmidt nach Lokis Tod "sehr unter Einsamkeit gelitten" hat.

"Vitale, lebensfrohe Dame mit der Kurzhaarfrisur"

Loah lebt wie der Deutschen größtes Vorbild in Hamburg. Sie habe eine eigene Wohnung in der Nordstadt, halte sich jedoch zumeist in Schmidts Doppelhaus in Langenhorn auf, will das "Hamburger Abendblatt" wissen. Sie sei nach wie vor "Organisationsfee" und kümmere sich zusammen mit Schmidts Haushälterin "rührend um den rüstigen Senior". Die "vitale, lebensfrohe Dame mit der Kurzhaarfrisur" serviere Tee mit viel Zucker, Butterkekse und "habe ein Auge darauf, dass ausreichend Mentholzigaretten der Marke 'Reyno White' in Silberdöschen bereitliegen". Neben all dem schätze Schmidt vor allem auch ihre "bedingungslose Verschwiegenheit".

"Will ich das überhaupt wissen?", kommentiert altefrau99 das Ruth-Loah-Porträt auf "Spiegel Online". Freitagmittag nennt Google für den Namen Ruth Loah 72.000 Treffer.