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Hochzeit von Kate und William Die unverschämten Middletons

Auf der Insel wird gern über Kate Middletons Familie geätzt. Vor allem deshalb, weil eine angebliche Mittelklasse-Familie die gesamte Oberschicht an der Nase herumführt.
Von Cornelia Fuchs, London

Sie sind eingezogen. Familie Middleton bewohnt jetzt exakt 71 Zimmer im ;Londoner Luxus-Hotel "The Goring". 1800 Blumensträuße wurden angeliefert, mit Hilfe von Polizeihunden für unbedenklich erklärt und in die Suiten verteilt, die vom Hotel für mehrere zehntausend Pfund frisch renoviert wurden. Auch ein großer Kleider-Sack wurde gesichtet. Aufgrund seiner Dimensionen steckt in ihm möglicherweise das Kleid, auf dessen Anblick alle warten.

Und während sich die Middletons mit Hilfe von Friseuren, Selbstbräunern und Maniküren auf den großen Tag vorbereiten, ätzen britische Zeitungen weiter über die Familie, die das große royale Los gezogen hat. Donnerstag war Kates Schwester Pippa an der Reihe. "So sehr liebt sie das Rampenlicht, dass Middleton-Schwester Philippa Selbstzweifel nicht einmal buchstabieren kann", posaunte Schreiberin Catherine Ostler in der "Daily Mail" heraus. Ihr Beweis: eine freundlich lächelnde Pippa auf dem Rücksitz einer Limousine auf dem Weg von einer High-Society-Party nach Hause.

In königliche Kreise vorgearbeitet

Fair war die Berichterstattung über die Middletons bisher selten. Besonders heftig war die Kritik, wenn findige Journalisten auf der Webseite der Familienfirma Party Pieces Zubehör unter den Stichworten "Princess" oder "Street Party" fanden. Doch der middletonsche Versandhandel verdient nun einmal Geld mit der Ausstattung von Kinderpartys - und wie soll ein Sortiment in diesem Segment ohne pink-farbene Mädchen-Monstrositäten in guter Disney-Prinzessinnen-Tradition auskommen? Und Union-Jack-Plastikteller werden schließlich nicht nur an diesem Freitag in ganz England auf Klapptische geräumt, sondern auch bei jedem Schul-Cricket-Turnier, bei Ruder-Meisterschaften oder der Last Night der Proms.

Wofür die Middletons also kritisiert werden, ist nicht Opportunismus - natürlich verdient ein Party-Versandhandel an Prinzessinnen-Outfits. Sondern es ist ihre Unverschämtheit, sich tatsächlich in königliche Kreise vorgearbeitet zu haben. Trotz aller Beteuerungen des Gegenteils: Es ist eben doch in England immer noch eine ungeheuerliche Sache, dass eine angebliche Mittelklasse-Familie nun die gesamte Oberschicht an der Nase herumführt.

Geschäftstüchtigkeit zeichnet die Middletons aus

Warum die Middletons überhaupt noch zur Mittelklasse gezählt werden, ist allerdings Außenstehenden nur schwer zu erklären: Ihre Kinder besuchten Schulen, die fast ausschließlich von Millionären oder Genies mit Stipendien bezahlt werden könnten. Sie studierten an Universitäten in Schottland, die neben ihrer Jahrhunderte alten Geschichte vor allem für den guten Heiratsmarkt bekannt sind. In St. Andrews, dem Geburtsort des Golf-Sports, bleiben von Geld und Herkunft Ausgewählte unter sich.

Das einzige Mittelklassische der Middletons ist ihre Geschäftstüchtigkeit. Ohne große Werbung und schon weit vor jeglicher Verbindung mit dem Königshaus haben sie sich eine goldene Zukunft für ihre Kinder, ein Haus im Wert von gut einer Million Pfund in einem der schönsten Landstriche Englands und regelmäßige Luxusurlaube in der Karibik erarbeitet.

Williams Onkel schießt den Vogel ab

Es scheint fast, als wollte das Königshaus in diesem Feld nicht zurückstecken. Denn wer tatsächlich fleißig an dieser Hochzeit und der Liebe ihres Sprösslings verdient, sind Prinz Charles und seine Mutter. Erster bietet hässliche Kissen und ein ökologisches Holzpuzzle mit dem Konterfei der Verlobten in seinen königlichen Souvenir-Shops an, alles für den guten Zweck, versteht sich. Und letztere hat sämtliche Regale des offiziellen Buckingham-Palast-Ladens vollstopfen lassen mit edlen Tassen mit 30-Karat-Gold-Beschriftung, Pillendöschen, Tellern und sonstigen Dingen, die kein Mensch braucht und trotzdem alle haben wollen. Der Verdienst hier wird in die Renovierung der königlichen Behausungen gesteckt.

Den Vogel der Selbstvermarktung schießt allerdings Williams Onkel ab, der 1997 beim Gedenkgottesdienst für Diana der Welt in salbungsvollen Worten versprach, er wolle sich um das Wohlergehen seiner Neffen kümmern. Earl Spencer wird amerikanischen Touristen beim Lunch Interna aus der Familiengeschichte erzählen, bevor diese sein Familienanwesen besuchen und von ausgezeichneten Plätzen die Prozession in die Westminster Abbey bestaunen dürfen. Kostenpunkt: an die 20.000 Euro. Bei einer solchen Familie muss sich William um die Integrität seiner baldigen Schwiegereltern wohl kaum sorgen.


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