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Paris Jeffrey Epsteins Vertrauter in Gewahrsam: Was Jean-Luc Brunel vorgeworfen wird

Jeffrey Epstein
Jeffrey Epstein verstarb am 10. August in einem New Yorker Gefängnis
© Uma Sanghvi / Picture Alliance
Die Schilderungen lesen sich wie eine Horror-Story: Nicht nur Ghislaine Maxwell, sondern auch Modelagent Jean-Luc Brunel soll Milliardär Jeffrey Epstein junge Mädchen zugeliefert haben. Er war lange untergetaucht, wurde jetzt aber festgenommen.

Er hatte durch seinen Beruf täglich Zugang zu schönen und vor allem jungen Mädchen - und er hat seine Macht, so scheint es, systematisch ausgenutzt. Jean-Luc Brunel steht genau wie Ghislaine Maxwell im Fokus der Ermittlungen um den mittlerweile verstorbenen Milliardär und Unternehmer Jeffrey Epstein. Nun ermittelt die Pariser Staatsanwaltschaft wegen Vergewaltigung gegen den Franzosen. Am vergangenen Mittwoch wurde er von der Polizei festgenommen. 

Jeffrey Epsteins Vertrauter Jean-Luc Brunel festgenommen

Bereits in den 80er Jahren wurde dem französischen Modelagenten sexueller Missbrauch vorgeworfen. In einer Ausgabe des Nachrichtenmagazins "60 Minutes" erzählten junge Models Moderatorin Diane Sawyer von der kriminellen Kultur, die in einigen Agenturen in Europa herrschte. "Es ist ein Fleischmarkt, du bist nur dafür da, dass einer dich mit nach Hause nehmen und ins Bett kriegen kann", erinnerte sich Courtney Soerensen, ein junges US-amerikanisches Model, in der Sendung an die Treffen mit Brunel und seinen Freunden.

Und die Frau schilderte, wie das System Brunel anscheinend ablief (ca. ab Minute 8:30): "Er hat die Agentur, er hat die Mädchen. Seine Freunde sagen: 'Jean-Luc, ich würde gerne ein Mädchen treffen' oder 'Wir schmeißen heute Abend eine Party, bring ein paar Mädchen.'" Sawyer hakte damals nach. Was denn passieren würde, wenn man als Model dazu nein sagt. "Dann arbeitest du nicht", so die Antwort. 

Verbindung zu Epstein

Das explosive Interview hatte damals keine Konsequenzen für Brunel. Spätestens seit dem Tod von Jeffrey Epstein steht Brunel allerdings erneut im Fokus. Denn der Franzose gilt - genau wie die Epstein-Vertraute Ghislaine Maxwell - als Schlüsselfigur in dem Fall. Er soll seine Macht in der Modeindustrie ausgenutzt haben, um seinen guten Kumpel Epstein mit Mädchen zu versorgen - so der Vorwurf. Die Ermittlungsrichter sehen allerdings nicht genügend Beweise, dass er mit Menschenhandel im Epstein-Fall zu tun hatte. Sie stufen ihn stattdessen als "Zeugen mit Rechtsbeistand" zum Tatbestand des "schweren Menschenhandels" ein. 

Wie das Magazin "The Daily Beast" im vergangenen Jahr berichtete, sollen sich Epstein und Brunel im Jahr 2005 erstmals getroffen haben. Epstein finanzierte demnach den Launch von Brunels Agentur "MC2".

Virginia Roberts, eines von Epsteins mutmaßlichen Opfern, gab 2015 in einer eidesstattlichen Erklärung an, sie selbst sei von Brunel zum Sex gezwungen worden. Außerdem erzählte sie, Epstein habe damit angegeben, dass er mit über 1000 von Brunels Mädchen geschlafen habe. In einer Antwort darauf erklärte Brunel selbst: "Ich leugne entschieden, dass ich im Rahmen meiner Arbeit eine unerlaubte Handlung oder ein Fehlverhalten begangen habe."

Er war untergetaucht

Nachdem sich Epstein Mitte August 2019 das Leben nahm, war Brunel untergetaucht. Fast zeitgleich beschuldigten ihn zwei Models der sexuellen Belästigung, weshalb französische Behörden Ermittlungen aufnahmen.

Im September vergangenen Jahres berichtete "Le Parisien", der 74-jährige Agent sei in Südamerika gefunden worden. "Polizeibeamte der Zentralstelle zur Bekämpfung von Gewalt gegen Menschen (OCRVP) hatten bereits zu Beginn der französischen Untersuchung am 23. August [2019] umfangreiche Ermittlungen eingeleitet: Anfragen von Fluggesellschaften und Passagierregistern (PNR), Bank- und Sozialnetzkontrollen, Erkenntnisse der Grenzpolizei (PAF) und Einwanderungsbehörden im Ausland", heißt es dort. Im September 2019 fanden außerdem Razzien in seiner Modelagentur "Karin Models" in Paris statt sowie in Jeffrey Epsteins Pariser Wohnung im 16. Arrondissement. 

Nun sitzt Brunel in Untersuchungshaft, nachdem er am Flughafen Charles de Gaulle festgenommen worden war.  

Quellen: "60 Minutes" / "The Daily Beast" / "Le Parisien" / "Guardian"

ls

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