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Juan Carlos von Spanien Frauen, Jetset, krumme Geschäfte - das menschliche Versagen von Juan Carlos

Sehen Sie im Video: Spaniens Ex-König Juan Carlos will das Land verlassen //


Neuigkeiten aus dem Spanischen Königshaus: Der Ex-König Juan Carlos, hier Archivbilder, hat erklärt, er wolle Spanien verlassen. Die Staatsanwalt ermittelt seit geraumer Zeit gegen ihn: Es geht darum, ob der Ex-König Juan Carlos Schmiergelder in Millionenhöhe angenommen hat und inwiefern er in Finanzskandale verwickelt ist. Darüber wird in Spanien seit Jahren debattiert - nun hat der 82-Jährige offenbar das Land verlassen, mit unbekanntem Ziel. Das besagt ein Brief des Ex-Monarchen an seinen Sohn König Felipe VI., den die Familie auf der Website des Königshauses veröffentlichte. Passanten in Madrid zeigten sich tendenziell nicht angetan von dieser Entwicklung: O-Ton: "Ich war vollkommen überrascht. Ich habe das keinesfalls erwartet. Und ehrlich gesagt, halte ich das ein wenig für eine übereilte Entscheidung. Denn ich denke, er sollte wie jeder andere Bürger beurteilt werden. O-Ton: "Das ist wirklich schlecht. Er sollte Spanien erst dann verlassen, wenn er alles zurückgegeben hat, was er gestohlen hatte. Wenn er sein ganzes Geld hierließe, dann könnte er abziehen." O-Ton: "Wenn er Schlechtes getanhat, dann sollte er dafür bezahlen und bleiben. Er dürfte nicht weggehen, wenn wir vor der Verfassung alle gleich sind. Weshalb sollte er gehen dürfen? " In dem Schreiben teilte Juan Carlos mit, Hintergrund seiner Entscheidung seien der "öffentliche Widerhall auf gewisse Episoden meines früheren Privatlebens". Er wolle erreichen, dass er seinem Sohn - hier Archivbilder - dessen Rolle nicht erschwere. Unklar bleibt, wo sich der frühere König aktuell aufhält.
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100 Millionen Euro ließ er sich von Scheichs auf ein Konto in Panama überweisen: Spaniens ehemaliger König Juan Carlos entzieht sich einem Prozess wegen Geldwäsche durch einen Gang ins Exil. Es ist das unwürdige Ende eines einst stolzen Helden.

23-F nennen die Spanier das denkwürdige Datum schlicht. Es könnte ebenso gut Tag der Rettung der Demokratie heißen. Oder Juan-Carlos-Tag. Denn der damalige spanische König machte sich am 23. Februar 1981 wie kein Zweiter um sein Land verdient. Juan Carlos I. beendete damals mit einer denkwürdigen Fernsehansprache den Putschversuch von Militärs. "Als ihr oberster Befehlshaber" forderte er Soldaten und Offiziere auf, in die Kasernen zurückzukehren. Die gehorchten. Wenige Jahre nach dem Ende der Franco-Diktatur bewahrte der junge König sein Land vor einem neuen Despoten. Seitdem wird Juan Carlos als Held verehrt. Oder vielmehr wurde. Denn 3-A, wie der 3. August 2020 genannt werden könnte, wird zum neuen einschneidenden Datum für den ehemaligen König.

Sechs Jahre nach seiner Abdankung 2014 verkündete Juan Carlos am Montag in einem Brief, dass er ins Exil gehen werde. Der 82-jährige Bourbone will damit einer Anklage wegen Korruption zuvorkommen und Schaden für die Krone abwenden. Spanische Medien berichten, dass er am Wochenende bereits ausgereist sei. Wohin, darüber schweigt das Königshaus. Angeblich soll seine Reiseroute ihn über Portugal in die Dominikanische Republik geführt haben. Vom königlichen Zarzuela-Palast nordwestlich von Madrid, wo er 58 Jahre residierte, ab auf die kleine Karibikinsel. Das kommt einer Verbannung gleich – einer selbst gewählten.

Juan Carlos Abgang ist unwürdig. Für einen einst stolzen spanischen König - und noch viel mehr für einen Retter der Demokratie. Doch er wird – anders als Eduard VII. von England, der eine verheiratete Amerikanerin heiraten wollte – nicht räudig vom Hof gejagt. Er flüchtet, um sich einer Strafverfolgung zu entziehen. Es ist ein weiterer Höhepunkt in einer Reihe vieler Skandale und wirft die Frage auf: Was ist schief gelaufen im Leben des Rey Don Juan Carlos?

Menschlich hat Juan Carlos I. versagt

Seine Lebensleistung ist die Rettung der spanischen Demokratie. Doch menschlich, so muss man konstatieren, hat der ehemalige König versagt. Darauf deuten nicht nur seine vielen Affären hin, die er im Laufe der Jahre hatte, die Königin Sofia eisern ertrug und die er zumindest vor der Öffentlichkeit geheim halten konnte. Auch die Fotos einer Elefantenjagd, auf die er sich 2012 begab, machen klar, dass der moralische Kompass Juan Carlos' längst versagt hatte. Er lebte das Leben eines Multimillionärs: Frauen, Segeln, Jetset.

Das allein würde seine Verdienste aber noch nicht infrage stellen. Dass er scheinbar glaubte, über dem Gesetz zu stehen, schon. Wie ein Sonnenkönig ließ er sich von arabischen Scheichs Millionenbeträge auf das Konto seiner Stiftung in Panama überweisen. Einziger Begünstigter: er selbst. Das erinnert an das Vorgehen raffgieriger despotischer Herrscher. Die 194.000 Euro, die Juan Carlos bis 2019 jährlich als Apanage bezog, dürften in seinen Augen wie Majestätsbeleidigung gewirkt haben.

Der Schaden an der Monarchie ist nicht reparabel

Mit seinem Gang ins Exil will der gefallene Held Schaden von der Monarchie abwenden. Doch dafür ist es längst zu spät. "Eine Monarchie schlägt nicht über Nacht Wurzeln im Herz eines Landes", sagte Juan Carlos einmal. Das gilt auch umgekehrt. Der Liebesentzug der Spanier für ihre Krone ist ein seit Jahren andauernder Prozess, den auch Nachfolger König Felipe nicht aufhalten konnte. Vielleicht wird ein neues einschneidendes Datum kommen, an dem Spanien seine Monarchie ganz abschafft.


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