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Interview

Ex-Radio- und TV-Talker: Was macht eigentlich ... Jürgen Domian?

Von 1995 bis 2016 moderierte Jürgen Domian den nächtlichen Radio- und TV-Talk "Domian". Und jetzt?

Jürgen Domian: Was macht der ehemalige Talkmaster eigentlich heute?

Jürgen Domian, 60, im Café eines Kölner Museums. Er pendelt zwischen Köln und Berlin

Nach so vielen Jahren der Nachtarbeit: Wie geht es Ihrem Vitamin-D-Spiegel?

Alles wieder gut! Aber klar, als ich die Sendung noch hatte, habe ich ja kaum Licht abbekommen. Als Ausgleich habe ich meistens vor einer Tageslichtlampe gefrühstückt.

Sie haben im Dezember 2016 aufgehört, weil Ihr Körper nicht mehr mitmachte. Waren Sie ausgebrannt?

Permanente Nachtarbeit geht auf den Organismus. Dreimal habe ich mit Hörsturz moderiert. Meine Ärzte haben gesagt: Du musst jetzt die Reißleine ziehen! Ohne die gesundheitlichen Probleme hätte ich die Sendung noch viel länger gemacht. Ich vermisse die Gespräche sehr!

Dabei müssen die auch belastend gewesen sein. Sie wurden Nacht für Nacht mit Krankheiten, Schicksalsschlägen und skurrilen Sexvorlieben konfrontiert.

Am stärksten sind mir Gespräche mit Sterbenden und Trauernden in Erinnerung geblieben. Einmal rief mich eine Frau an, deren Kind entführt, sexuell missbraucht und ermordet worden war. Sie hatte niemanden zum Reden. In diesem Moment gibt es keinen Rat. Keinen Trost. Aber durch Zuhören habe ich versucht, ein wenig Trauer und Verzweiflung abzufangen.

Hat all das Leid bei Ihnen Spuren hinterlassen?

Ja, aber nicht so, wie man vielleicht denkt. Man verfinstert ja nicht zwangsläufig durch schwere Themen. Im Gegenteil: Ich habe gelernt, mein Leben noch mehr wertzuschätzen und nichts für selbstverständlich zu nehmen. Man wird demütig.

Wem haben Sie in dieser Zeit von Ihren Problemen erzählt?

Guten Freunden.

Nach dem Aus der Sendung haben Sie einen Roman geschrieben, "Dämonen": Ihr Protagonist hat das Leben satt und will sich umbringen. Schwere Kost.

Ja, er will sich in Lappland nackt in den Schnee legen und sterben. Er fragt sich: Muss man leben, nur weil man lebt? Der Suizid ist ein großes Tabuthema. Der Grund: 2000 Jahre Stigmatisierung durch das Christentum. Wir haben zu respektieren, dass es Menschen gibt, die einfach nicht mehr leben wollen.

War Suizid für Sie schon mal ein Thema?

Nein. Aber es könnte eins werden. Ich bin Befürworter der aktiven Sterbehilfe. Wenn das Leid zu groß ist, möchte ich sagen: Erlöst mich, schenkt mir den Tod!

Die Auseinandersetzung mit dem Tod scheint in Ihrem Leben eine große Rolle zu spielen.

Der Tod ist das größte Mysterium unserer Existenz. In unserer narzisstischen Glitzerwelt aber wird er weitgehend verdrängt. Ich glaube, nur wer im Bewusstsein des Todes lebt, kann das Leben wirklich ehren und lieben.

Wo tanken Sie auf?

Ich fahre jedes Jahr mehrere Wochen nach Lappland in eine Blockhütte im Wald. Kein Handyempfang. Kein Mensch weit und breit. Die ersten Tage in der Stille und der Einsamkeit sind immer schwierig. Aber irgendwann merke ich auf meinen Wanderungen, dass ich gar nichts mehr denke. Das ist mehr als Glück!

Was machen Sie in zehn Jahren?

Das interessiert mich nicht. Vielleicht bin ich tot.

Sie machen uns Angst.

Durch den Zen-Buddhismus, dem ich sehr nahestehe, habe ich gelernt, dass nur die Gegenwart zählt. Die Vergangenheit ist bereits im Besitz des Todes und die Zukunft nichts weiter als eine Illusion.

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