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Neue TV-Doku: Karl Lagerfeld, der einsame König

Weißer Zopf, Sonnenbrille und gestärkter Kragen – das sind die Markenzeichen von Karl Lagerfeld. In einer neuen TV-Doku gewährt der deutsche Modeschöpfer intime Einblicke in sein Privatleben, spricht über seine Kindheit, die Beziehung zu seinen Eltern und seinen beeindruckenden Werdegang.

Karl Lagerfeld - neue TV-Doku auf RTL living

Karl Lagerfeld und seine Sonnenbrille: "Ohne sie würde ich zu freundlich erscheinen"

Sein Haar habe keine schöne Farbe. "Es sieht aus, wie eine dreckige Kuh", erklärt Karl Lagerfeld. Ein Grund, warum er es seit vielen Jahren mit weißem Puder bestäube. Der weiße Zopf ist genau wie die dunkle Sonnenbrille und der gestärkte Kragen zu seinen bekannten Markenzeichen geworden. In einer neuen Doku, die am 3. Mai, 20:15 Uhr auf "RTL livinig" Deutschlandpremiere feiert, erklärt der Modezear, was es damit auf sich hat, warum seine Mutter perfekt war, obwohl sie ihm den Tod seines Vaters verschwiegen hat und über was er heute immer noch nicht sprechen kann.

Karl Lagerfeld wurde am 10. September geboren. "Irgendwann zwischen 1933 und 1938", doch so genau wüsste das niemand – nicht einmal er selbst, sagt er. Seine Kindheit empfand er als langweilig. Geboren in Hamburg, hatte er schon früh nur einen einzigen Gedanken: "Wie komme ich am schnellsten hier raus?". Schon als Kind wusste er, das eines Tages sein Name in aller Welt bekannt sein würde. "Ich hielt mich für den Mittelpunkt der Welt." Es ging ihm jedoch nicht darum, anders zu sein. Denn: "Ich wusste, dass ich anders war."

Karl Lagerfeld über seine Mutter: "Sie war perfekt für mich"

Das Interview führt Karl Lagerfeld auf französisch. Die Untertitel sind englisch – und nichts für Langsame. Denn der Modezar redet bekanntermaßen ohne Punkt und Komma. Das hat er seiner Mutter zu verdanken, die dem stets plappernden kleinen Karl schon damals lehrte: Denk dran, du bist sechs Jahre alt, ich aber nicht. Also versuche mit mir zu reden, oder sei still." Sie war der Meinung, sein Gequassel brauche nicht viel Zeit und er solle daher schneller reden. Seine Mutter war es auch, die ihm erklärte, Homosexualität sei wie eine Haarfarbe, eben keine große Sache "Und sie hatte Recht", sagt er. Seinen Vater, den Kondensmilch-Fabrikanten Otto Lagerfeld, hat er aufgrund dessen Arbeit kaum zu Gesicht bekommen. Trotzdem hatte er ein gutes Verhältnis zu ihm. Seine Mutter Elisabeth jedoch war die lustigere von beiden, wie er erklärt: "Sie war perfekt für mich. Ohne sie wäre ich heute nicht der, der ich bin."

Obwohl er gerne Klavier gespielt hätte, zog sie es vor, dass er weiter zeichnete, weil das "weniger Lärm macht". 1949 nahm sie ihn mit in ein Hamburger Hotel zu einer Modenschau von Christian Dior. Kurz danach zog es den jungen Karl selbst nach Paris, wo er bald neben Yves Saint Laurent auf der Bühne stand und erste Preise für seine Modeentwürfe einheimste. Dort lernte der wissbegierige Lagerfeld bei den besten Schneidern und Modehäusern alles über Stoffe, Materialien und handwerkliche Techniken.


Wild züngelnd in Warhols "L'amour"

Ab 1963 arbeitet er für das Modehaus "Chloé", 1984 verhilft er als künstlerischer Direktor dem traditionsreichen, aber angestaubten Modehaus "Chanel" wieder zu neuem Glanz und entdeckt 1993 unter anderem das Topmodel Claudia Schiffer als seine Muse. In dem kommenden Jahrzehnten arbeitet er nicht nur an klassischer Mode, sondern auch an Parfüms, als Kostümbildner und als Fotograf.

Seltenes Archivmaterial zeigt den eindrucksvollen Künstler bei der Arbeit, im Blitzlichtgewitter, auf Partys oder wild züngelnd mit einer Frau in einer Filmszene von Andy Warhols "L’amour". Trotzdem er Warhol zu seinen engsten Freunden zählte und er durch ihn auch immer eine illustre Gesellschaft um sich herum scharrte – Drogen oder Alkohol waren seine Sache nicht. "Aber ich bewundere diejenigen, die sich besaufen und sich selbst zerstören", sagt er. Denn dies erfordere auf eine gewisse Weise mehr Mut, als den Egoismus, den er an den Tag lege.

"Traurige Momente, über die nicht spreche"

Zwei Jahre nach Andy Warhol starb auch Lagerfelds Lover Jacques de Bascher im Jahr 1989. Er litt an Aids. Lagerfeld legte deutlich an Gewicht zu und hielt die Menschen mit einem Fächer auf Abstand. Darauf angesprochen erklärt er: "Ich will nicht über Dinge weinen, die ich zu vergessen versuche. Aids tötete eine gewisse Generation, eine gewisse Welt, eine gewisse sorgenfreie Lebenshaltung, eine gewisse Fröhlichkeit", sagt er. "Ich interessierte mich nicht mehr für mich selbst, nahm zu bis ich eines Tages aufwachte und dachte 'Aber das bin nicht ich. Das geht so nicht. Bist du verrückt?'" Dann habe er bei null angefangen - und: "Voilá!"

"Es gab in meinem Privatleben ein paar traurige Momente über die ich es vorziehe, nicht zu sprechen. Aber die waren der Grund, warum mir alles weniger Spaß machte. Aber das kann jedem passieren." Er sei ohnehin kein Mann des Selbstmitleides. Stattdessen gibt er sich in dem Porträt gewohnt unterhaltsam und unsentimental. Auch beim Thema Tod.

Menschen nach dem Tod vergraben? Unheimlich

Lagerfeld war weder auf der Beerdigung seines Vaters (1967) noch auf der seiner Mutter (1978). Vom Tod des Vaters erfuhr er erst drei Wochen später. Seine Mutter sagte ihm am Telefon: "Naja, du magst ohnehin keine Beerdigungen und du magst nicht den Tod. Also hab ich es dich nicht wissen lassen". Seine Mutter sei gestorben,weil sie nicht das tat, was der Arzt ihr riet. Als sie eine Grippe bekam rief sie zunächst ihren Friseur an, dann erst den Doktor. Laut Testament sollte sie niemand tot sehen oder sie beerdigen. "Ihre Asche wurde verstreut und dann war es vorbei", sagt er. Zudem findet er es extrem unheimlich, Menschen nach ihrem Tod zu vergraben.

Zum Ende der Doku verrät der Meister noch, warum er Zopf, Handschuhe und stets das gleiche Outfit trägt. Was seine schwarzen Krokodil-Lederschuhe mit Rückenschmerzen zu tun haben und warum er sich nur ungern ohne Sonnenbrille zeigt. "Wenn ich sie abnehme, könnte mich das zu freundlich wirken lassen. Ich will nett und freundlich sein", erklärt er, "aber ich zeige es besser nicht“.


Lagerfeld, der einsame König, läuft an diesem Mittwoch, 3. Mai, um 20:15 und 23:55 Uhr auf dem PayTV-Sender "RTL living". Informationen über Empfangsmöglichkeiten finden Sie hier.