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#allesdichtmachen Geht's noch?

#Allesdichtmachen-Aktion von 50 Schauspielern löst Diskussionen aus
Sehen Sie im Video: #Allesdichtmachen – Geteilte Reaktionen auf die Aktion von Jan Josef Liefers & Co. Videoquelle: RTL.de
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Prominente Schauspielerinnen und Schauspieler verhöhnen die staatlichen Corona-Maßnahmen auf sarkastische Weise – und verbeugen sich so vor Querdenkern und Verschwörungstheoretikern. Es macht fassungslos.

Sie scheinen von allen guten Geistern verlassen zu sein. Da sitzt etwa Jan Josef Liefers in einem Video und betreibt auf triefend sarkastisch Weise Medienschelte. "Allen Medien unseres Landes" dankt, er, dass sie dafür sorgen, "dass kein unnötiger, kritischer Disput uns ablenken kann von der Zustimmung zu den sinnvollen und immer angemessenen Maßnahmen unserer Regierung." Ein Wunder, dass er nicht noch "Lügenpresse“ zischt.  Das ist die vergiftete Sprache von Verschwörungstheoretikern, die von Gleichschaltung schwafeln, wenn ihnen die Argumente ausgehen.

Liest der Mann keine Zeitschriften? Sieht der Mann kein fern oder schaut mal online in "alle Medien unseres Landes", die seit Monaten kritisch über die Pandemie-Bekämpfung und Fehler der Politik berichten, aber gleichzeitig medizinische Tatsachen nicht ignorieren? In jeder Tagesschau hören wir doch kritische Stimmen der Opposition im Bundestag. Auch in Talkshows wird gestritten. Es gibt die kritischen Diskurse. Wer das Gegenteil behauptet, lügt.

Was ist nur in all diese Künstler gefahren?

Was ist los mit diesem beliebten Schauspieler? Was ist los mit Wotan Wilke Möhring, Volker Bruch, Inka Friedrich, Nicolas Ofczarek, Ulrike Folkerts, Felix Klare, Meret Becker, Trystan Pütter, Kostja Ullmann, Heike Makatsch, Hanns Zischler, Nadja Uhl oder Martin Brambach, die allesamt "kritische" oder "sarkastische" Videos unter dem Hashtag "Allesdichtmachen" gepostet haben?

Wissen sie nicht, was sie da anrichten? Dass sie hier nicht argumentationsstark kritisieren, sondern lediglich auf üble Weise Stimmung machen und Verschwörungstheorien in die Mitte der Gesellschaft zerren? Was denkt sich Richy Müller, wenn er verharmlosend in zwei Plastiktüten atmet, während Menschen auf Intensivstation beatmet werden und um ihr Leben kämpfen?

Und dann der große Ulrich Tukur: Er beginnt mit schönen Rilke-Zitaten über den Tod und schlägt dann vor, alles dicht zu machen bis, wir alle tot sind. Was soll das, Herr Tukur? Wem nützt das? Wer soll daraus etwas was lernen? Und was fordern Sie?

Schon gibt es Beifall von der AfD

Der Tenor der Videos: Uns wird Angst gemacht. Die Meinungsfreiheit wird unterdrückt. Wir leben in einem Obrigkeitsstaat. Hysterie wird verbreitet. Wir testen zu viel. Man sperrt uns ein. Wir sind unmündig.

Und schon brandet er auf: der Beifall von der falschen Seite. Wenn es denn überhaupt noch die falsche ist. Die AfD applaudiert. Die, die auf den Querdenker-Demos mitlaufen und gern keine Masken tragen.

Niemand bestreitet: die Politik hat große Fehler gemacht. Die Maßnahmen schmerzen. Die Impfungen kommen zu spät. Die Kultur leidet und wird oft vergessen. Familien sind am Limit. Es drohen Pleiten.

#allesdichtmachen: Geht's noch?

Aber was ist die Alternative? Alles aufmachen? Die Leute sterben lassen? Triage in den Krankenhäusern? Theaterpremieren, aber volle Intensivstationen? Ein Blick nach Brasilien oder Indien reicht, um zu sehen, was geschieht, wenn wir nichts oder zu wenig tun.

Ich bin zutiefst enttäuscht von den Menschen, die hier mitgemacht haben. Künstler, deren Werk ich bewundere. Die ich zum Teil persönlich getroffen und mit denen ich angeregte Gespräche führte.

Lieber Wotan, wir kennen uns. Ich habe immer geschätzt, dass Du Dein Herz auf der Zunge trägst. Kritik muss sein. Aber was ist in Dich gefahren, bei dieser wirklich fiesen Aktion mitzumachen?  Ich verstehe es einfach nicht.


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