Langjähriger Springer-Journalist Ernst Cramer im Alter von 96 Jahren gestorben


Der Vorsitzende der Axel-Springer-Stiftung, Ernst Cramer, ist am Dienstag im Alter von 96 Jahren gestorben. Der Journalist wirkte jahrzehntelang für den Axel-Springer-Verlag, unter anderem als Chefredakteur, Aufsichtsrat und bis zuletzt als Kolumnist.

Der Vorsitzende der Axel-Springer-Stiftung, Ernst Cramer, ist am Dienstag im Alter von 96 Jahren gestorben. Der Journalist wirkte jahrzehntelang für den Axel-Springer-Verlag, unter anderem als Chefredakteur, Aufsichtsrat und bis zuletzt als Kolumnist.

Cramer starb am frühen Morgen an den Folgen eines Herzinfarkts, wie das Unternehmen in Berlin mitteilte. Cramer sei "nach Axel Springer die prägendste Figur des Verlags gewesen", erklärte der Vorstandsvorsitzende Mathias Döpfner.

Cramer wurde am 28. Januar 1913 in Augsburg geboren. Er stammte aus einer jüdischen Kaufmannsfamilie und war gelernter Kaufmann. 1938 wurde er verhaftet, durfte aber nach sechs Wochen im Konzentrationslager Buchenwald als einer der letzten deutschen Juden auswandern, wie die "Bild"-Zeitung schrieb.

Nach dem Krieg kehrte er mit den Alliierten zurück und begann 1948 in der von der US-Besatzungsmacht gegründeten "Neuen Zeitung" als stellvertretender Chefredakteur. Das Blatt war stilbildend für die heutigen deutschen Qualitätszeitungen.

Nach einigen Jahren bei der Nachrichtenagentur United Press wurde er 1958 von Axel Springer zur "Welt" geholt. Seine Karriere in dessen Verlag führte ihn bis zum Aufsichtsratsmitglied. Zum Schluss verstand er sich in seiner Eigenschaft als Vorstandsvorsitzender der Axel-Springer-Stiftung als Verteidiger der Werte, für die der 1985 gestorbene Springer stand: "die Liebe und Solidarität für Amerika und Israel, der Kampf gegen jede Form von Totalitarismus von links wie von rechts und das Einstehen für Meinungsfreiheit und Menschenrechte", wie "Bild" schrieb.

Der Zentralrat der Juden erklärte, mit Cramer verliere die jüdische Gemeinschaft in Deutschland und darüber hinaus "eine herausragende Persönlichkeit, einen großen Visionär und außergewöhnlichen Menschen". Cramer habe sich sein Leben lang für eine Gesellschaft engagiert, die sich ihrer Verantwortung für die Vergangenheit stelle sowie Demokratie, Menschenwürde und Freiheit achte und verteidige.

Bundespräsident Horst Köhler erklärte, mit Cramer verliere Deutschland einen Menschen, der die öffentliche Debatte auf besondere Weise bereichert und geprägt habe. "Sein Leben und sein von tiefer Menschlichkeit geprägtes Wirken legen Zeugnis ab von den unvergleichlichen Schrecken des vergangenen Jahrhunderts und von der Kraft zur Versöhnung und zum Guten."

APN APN

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