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Londoner Fashion Week: Schweigeminute für McQueen

Der plötzliche Tod des englischen Modemachers Alexander McQueen überschattet die Londoner Fashion Week. Die Schauen wurden mit einer Schweigeminute an den rebellischen Designer eröffnet, der sich am 11. Februar das Leben genommen hatte.

"Wir werden dieses talentierte Genie nie vergessen", sagte der Vorsitzende der Britischen Modekammer, Harold Tillman. "McQueen hat dafür gesorgt, dass Londons Fashion Week eine feste Größe im internationalen Modekalender ist." Er wurde viermal als Designer des Jahres ausgezeichnet, so häufig wie keiner zuvor. Der irische Designer Paul Costelloe eröffnete die Schauen für den kommenden Herbst und Winter. "Es wird eine dunkle Wolke über dieser Saison der London Fashion Week hängen", sagte der Modeschöpfer, der gewöhnlich den Trend für die weiteren Laufsteg-Shows vorgibt. "Wie viele Designer zeigen werden, fühle ich tiefe Trauer über diesen Verlust. Alexander McQueen hinterlässt eine große Lücke." An einer Kondolenz-Gedenktafel hinterließen Besucher ihre Trauerbekundungen.

Bei Costelloe wird noch mehr Schwarz getragen als sonst. Er habe sich von der Ermordung von US-Bandit Jesse James inspirieren lassen und zeigte schimmernde Blusen mit altgoldenen Rosen-Ornamenten, Leder-"Zigarettenhosen", Rokoko-Kleider und Karo-Korsetts. Männer tragen lange Haare und lange Mäntel oder Ponchos.

Nicht alle Modemacher haben ihre Kollektionen kurzfristig dem Tod ihres Visionärs angepasst. Bei Caroline Charles funkelt "Frau" im nasskalten Herbst und Winter mit Pailletten, Glitzersteinchen und Kleidern aus schimmerndem Altgold. Wer auf Country-Look steht, darf überlange Bundfaltenröcke, Leopardenmuster oder Pelz tragen.

Die Londoner Fashion Week endet am 24. Februar mit der Männermode. Höhepunkte sind die Schauen von Vivienne Westwood, Burberry, John Rocha, Jaeger und Julien Macdonald. Nachwuchsdesigner wie Marios Schwab, Christopher Kane und Ashish suchen hier - wie einst McQueen - ihren Weg in die Branche. Insgesamt werden 120 Designer ihre Entwürfe vorstellen. Supermodel Naomi Campbell hatte am Donnerstagabend zur Benefiz-Modenschau für Überlebende des Erdbebens von Haiti geladen.

Londons Modewoche hat sich seit den 80er Jahren neben den Messen und Schauen von Paris, New York und Mailand etabliert und gilt als besonders frech, kreativ, aber auch bodenständig. Solides Handwerk und Innovationen zählen in der britischen Metropole genauso wie selbstkritische Initiativen, etwa die Kampagne gegen Magermodels.

DPA / DPA