Vielleicht ist er gar nicht Manuel Neuer - aber einer der besten Torhüter aller Zeiten ist er allemal. Als einziger europäischer Torwart hat er zweimal das Triple gewonnen, öfter als jeder andere Keeper im Tor der Nationalmannschaft gestanden und die meisten Bundesligaspiele gewonnen. Die Liste der Erfolge des Ausnahme-Torwarts könnte man ewig weiterführen. Und auch an seinem 40. Geburtstag am 27. März hat er noch immer Lust auf mehr Titel.
Bereits mit zwei Jahren bekam der Gelsenkirchner Manuel Neuer von seinen Eltern seinen ersten Fußball geschenkt. Mit fünf stand er dann erstmals zwischen den Pfosten - natürlich für den FC Schalke 04. Er durchlief sämtliche Jugendmannschaften, bis er zur Saison 2005/06 seinen ersten Profivertrag mit den Blau-Weißen abschloss. Nur ein Jahr später wurde er mit gerade einmal 20 Jahren zum jüngsten Stammtorwart der Bundesligageschichte ernannt - sein erster Rekord.
Von Schalke zum FC Bayern
Dass seine Leistungen früher oder später Topklubs auf den Plan rufen würden, war klar. Zur Saison 2011 wechselte Manuel Neuer zum Rekordmeister FC Bayern München - und blieb ihm bis heute treu. Dabei war der Transfer in Teilen des Vereinsumfelds umstritten, auch von der Ultraszene seines alten Vereins musste er Anfeindungen einstecken. Neuer ließ sich nicht beirren: Ein Jahr nach seinem Wechsel stand er als Vertretungskapitän auf dem Platz und holte seine erste Meisterschaft. Unzählige weitere Titel folgten bis heute, darunter zwei Champions-League-Siege, 12-mal die Deutsche Meisterschaft sowie fünf Pokalsiege. 2017 übernahm er auch offiziell die Kapitänsbinde.
Und dann ist da ja auch noch die Nationalmannschaft. Dass er dort überhaupt Stammtorwart wurde, verdankte der mehrmalige Welttorhüter anfangs auch dem Verletzungspech von René Adler. Den Rest erledigte er selbst und krönte sich 2014 zum Weltmeister in Brasilien. 2022 trat Neuer aus der Nationalmannschaft zurück - und hat ein Comeback trotz mehrerer Gerüchte auch fest ausgeschlossen. So ganz verabschieden kann sich Deutschland von seiner Nummer eins aber einfach noch nicht.
Vielleicht ist er gar nicht Manuel Neuer
Aber vielleicht ist er ja gar nicht Manuel Neuer? Nach einer Werbung für Coca-Cola Zero 2014 mit dem Satz "Vielleicht bin ich gar nicht deine Freundin, sondern Manuel Neuer" wurde die Formulierung zum geflügelten Spruch, der sich bis heute hält. Neuer selbst nimmt es mit Humor. "Mir macht es Spaß, über den Fußball-Tellerrand hinaus zu schauen", erklärte er der "Welt" zu seinem Kultspruch. Deswegen dreht er eben auch gerne mal eine Werbung oder betätigt sich als Synchronsprecher.
Oder schaut sich bei anderen Sportarten um. "Radfahren, Tennis, ich bin jemand, der rausgeht, die Natur braucht. Ich habe gemerkt: Das ist meine Therapie", erzählte er der "Süddeutschen Zeitung" 2023. An seinem Wohnort am Tegernsee hat er dazu alle Möglichkeiten.
Und auch auf dem Platz ist er eben nicht "nur" der Torwart. Er hat die Rolle neu definiert: Als Torwart-Libero, der aktiv ins Spiel eingreift, gelegentlich weit vor dem eigenen Strafraum agiert und den Spielaufbau mitgestaltet, polarisiert er bis heute. Er selbst winkt bei allzu großer Aufregung über seine Ausflüge gerne ab: Er habe das eben schon immer so gemacht.
Und ewig plagt das Verletzungspech
So beeindruckend die Liste seiner Erfolge ist, so lang ist auch die Liste seiner Verletzungen. Drei Mittelfußbrüche, eine Knie-OP, ein gebrochener Unterschenkel nach einem Skiunfall 2022 - Neuer hat sich stets zurückgekämpft. Aktuell fehlt er den Bayern in einer wichtigen Phase wegen eines erneuten Muskelfaserrisses.
Auch wegen der steigenden Verletzungsanfälligkeit steht Manuel Neuers Zukunft beim FC Bayern noch auf der Kippe. Im Interview mit Sky erklärte Sportdirektor Max Eberl, man werde Anfang April darüber entscheiden: "Manu soll erst mal 40 werden, gut rüberrutschen - und dann schauen wir, was passiert."
Was auch immer dabei herauskommt - langweilig wird es Neuer nicht werden. Das hat er selbst schon klar gemacht: "Ich weiß, dass nach meiner Karriere das richtige Leben erst anfängt und dass ich eine Aufgabe brauchen werde, die mich ausfüllt. Auf die faule Haut möchte ich mich nicht legen", erklärte er der "Welt" schon 2015.
Familienglück
Und wer weiß, vielleicht hat Manuel Neuer ja schon die nächste Nummer eins im Tor hervorgebracht? Nach seiner Scheidung von Nina Neuer heiratete er 2023 die Handballerin Annika Bissel. 2024 kam ihr erster gemeinsamer Sohn zur Welt. Neuer, der sich mit privaten Einblicken grundsätzlich zurückhält, teilt seitdem hin und wieder sein Vaterglück auf Instagram. Ein Foto zeigt ihn im November beispielsweise mit seinem Sohn auf dem Spielplatz. Mit der Geburt haben sich seine Rolle zu Hause und seine Prioritäten noch einmal verschoben. Generell gibt es für ihn aber schon lange "Wichtigeres als den Fußball", wie er 2017 gegenüber der "Bild"-Zeitung betonte.