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Michael Jacksons Testament Die späte Rache am Vater


Der Streit ums Erbe des verstorbenen Popstars bringt neue Einblicke in ein kompliziertes Finanzkonglomerat. Es sieht so aus, als würde Vater Joe leer ausgehen. Doch der will das Feld nicht kampflos räumen.
Von Frank Siering, Los Angeles

Der ehemalige Kranfahrer Joe Jackson schlug Sohn Michael mit dem Gürtel. Oftmals so häufig, dass Michael sich nichts sehnlicher als den Tod des Vaters wünschte. Die späte Rache am Vater folgte jetzt mit dem Auftauchen des Testaments von Michael Jackson. Demnach soll Mutter Katherine die Hauptnutznießerin des Jackson-Nachlasses sein. Ein Richter übertrug der 79-Jährigen gestern bereits die vorläufige Verwaltung der Besitztümer sowie das vorläufige Sorgerecht der drei Kinder.

Vorläufig. Das Testament, das Jacksons ehemaliger Anwalt aus dem Hut gezaubert haben will, sorgt für reichlich Verwirrung in Los Angeles. Während die Vorbereitungen für das anstehende "Public Viewing" vom balsamierten Jackson-Körper auf der Neverland-Ranch nordöstlich von Santa Barbara auf Hochtouren laufen, tauchen gleich reihenweise juristische Fragen auf.

Was kann vererbt werden?

Wenn Jackos Besitz tatsächlich an die Mutter, seine Kinder Prince Michael I., 12, Paris, 11, und Prince Michael II., 7, sowie eine oder mehrere Hilfsorganisation übergehen soll, dann bleibt die Frage, wie und vor allem was für Besitztümer eigentlich vererbt werden können? In den USA ist es üblich, schon zu Lebzeiten einen sogenannten "Living Trust" anzulegen. "Darin wird die dezidierte Erbfolge festgelegt", sagt Neal Suarez, Erbschaftsexperte der Kanzlei Weinstock, Reissman in Los Angeles. Anders als in Deutschland gibt es keinen Pflichtteil, falls es im "Trust" (ein oftmals mehrere hundert Seiten starkes Schriftstück, das bis zu 25.000 Dollar in der Anlage kosten kann) so gewünscht wird. Es kann also durchaus stimmen, dass Jackos acht Geschwister wie auch sein Vater Joe, völlig leer ausgehen.

Das Wall Street Journal berichtet, dass eine genaue Schätzung des Jackson-Vermögens im Moment "schier unmöglich" sei. Wohl auch, weil sich der Status derzeit fast stündlich ändert. War Jackson noch am Tage vor seinem Tode nach Schätzungen der LA Times mit rund 400 Millionen Dollar verschuldet, so schossen die CD-Verkäufe und das Merchandising praktisch über Nacht in astronomische Höhen.

Unübersichtliches Geflecht von Schulden und Besitztümern

Zu unübersichtlich sind derzeit auch noch die Besitzverhältnisse, zu durcheinander das Geflecht von Schulden und Besitztümern. Jackson gehörten bekanntlich 50 Prozent der Firma "Sony / ATV Music Publishing". Sie hält die Rechte an 750.000 Songs, darunter Hits der Beatles, von Bob Dylan und Neil Diamond. Laut "Wall Street Journal" setzte Jacko seinen Anteil als Bürgschaft für ein 300-Millionen-Dollar-Darlehen ein. Sollten die Banken ihr Geld nun zurückfordern, könnte es sein, dass die Anteile unter Wert verkauft werden müssen.

Jackson besaß auch die Rechte an seinen eigenen Songs. Angeblich habe er mehr als 100 unveröffentlichte Lieder in seinem Safe gelagert. Ein kostbarer Schatz! Sein eigener Songkatalog soll rund 150 Millionen Dollar wert sein. Aber auch dieser Katalog ging wohl als Sicherheit an eine Investment-Firma, die im Gegenzug für die Jackson-Gesamtschuld bürgte. Dieses komplizierte Gesamtgerüst wird sehr bald, so schätzen Erbschaftsexperten in Los Angeles, noch dadurch belastet, dass Joe Jackson sicherlich zu einem späteren Zeitpunkt Geld aus der Erbmasse seines Sohnes einfordern wird. Der knallharte Patriarch, der seit einigen Jahren seinen primären Wohnsitz nach Las Vegas verlegt hat - er lebt schon seit vielen Jahren getrennt von Ehefrau Katherine - hat schon angedeutet, dass er nicht still und leise von dannen ziehen wird. "Katherine und ich sind die einzigen, die sich um Michaels Kinder und seine Besitztümer kümmern werden", so Jackson bei den BET-Awards. Derweil werden in Los Angeles und in Santa Barbara letzte Ehrungen für Michael Jackson vorbereitet. Laut CNN soll Jacko in einem Autokorso von Beverly Hills zur Neverland-Ranch gebracht werden. Dort soll sein Körper für die Fans ein letztes Mal - für eine öffentliche Besichtigung – aufgebahrt werden. Derzeit prüft die Familie wohl auch, ob Jackson unter seinem Lieblingsbaum auf der Neverland-Ranch beerdigt werden darf. Diese Vermutung geht einher mit dem Gerücht, dass das einstige Zuhause des Megastars in eine Art Pilgerstätte umgewandelt werden soll. Elvis hat Graceland, MJ bleibt sein geliebtes Neverland.


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