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Nicolas Cage: Schlossherr ohne Schickimicki

Das Filmemachen liegt ihm im Blut. Nicolas Cage, Neffe des US-Regisseurs Francis Ford Coppola, plaudert im Interview mit stern.de über seinen neuen Film "Das Vermächtnis des geheimen Buches", sein Schloss in Deutschland und verrät, wie er Johnny Depp zu seiner ersten Filmrolle verhalf.

In "Das Vermächtnis des geheimen Buches" spielen Sie einen Charakter der Abenteuer liebt. Was bedeuten Ihnen privat Abenteuer?

Ich liebe Abenteuer und interessiere mich für Geschichte und alte Kulturen. Sobald ich ein bisschen Zeit habe, plane ich zu den Osterinseln zu reisen. Auch die Pyramiden in Ägypten, die Ruinenstadt Macchu Picchu und die Tempelanlage Angkor Wat reizen mich. Ich finde es spannend, mir vorzustellen, wie sich diese Kultstätten entwickelt haben.

Sie scheinen sich auf der ganzen Welt zuhause zu fühlen. Welche Sehenswürdigkeiten empfehlen Sie in Amerika?

Ich fühle mich zu Orten hingezogen, wo die Natur eine große Rolle spielt. Ich würde den Grand Canyon empfehlen und Sedona, im Norden Arizonas. Unbedingt auch die "Black Hills" in South Dakota, wo Teile meines neuen Films gedreht wurden. Zudem alle wichtigen Stätten der Indianer, weil man dort die Geschichte einfach spürt. Man hat das Gefühl, dass die Natur dort noch völlig unberührt ist. Es ist wie im Märchen.

Natur scheint Ihnen sehr wichtig zu sein.

Natur hilft mir sehr, mich zu entspannen. Einfach dem Wind zu lauschen, das Wasser plätschern zu hören. Das beruhigt mich. Aus diesem Grund habe ich mir auch Schloss Neidstein in der Oberpfalz gekauft. Um in der Natur zu sein, Märchen zu lesen und über die Vergangenheit nachzudenken.

Wie kam es dazu, dass Sie sich in Deutschland ein Schloss gekauft haben?

An meinem Geburtstag, dem 7. Januar, wollte ich mit meiner Frau nach Deutschland reisen, weil mich der Philosoph Jakob Böhme fasziniert. Also besuchten wir seine Heimatstadt Görlitz und reisten danach weiter durch Deutschland. Wir feierten meinen Geburtstag, fuhren durch den verschneiten Wald, hörten Musik von Bach und plötzlich sah ich ein kleines Schloss auf einem Hügel. Ich erkundigte mich, und es war tatsächlich zum Verkauf ausgeschrieben. Es war nicht sehr teuer. Wer will schon ein verfallenes, altes Schloss kaufen, mitten im Wald, weit weg von allem?

Was haben Sie mit dem Schloss vor?

Ich werde es renovieren - das könnte allerdings ein paar Jahre dauern. Aber ich finde es gut, wenn man versucht, alte Gebäude zu erhalten anstatt sie abzureißen. Das Schloss wurde um 800 gebaut, später zerstört und um 1300 wieder aufgebaut. Es erinnert mich an die Märchen der Gebrüder Grimm.

Wie ist Ihre Einstellung zum Thema Umweltschutz?

Ich möchte nicht dem Moralapostel spielen, aber ich finde Umweltschutz enorm wichtig. Wir müssen uns um unsere Erde kümmern, damit auch die nächsten Generationen noch etwas von ihr haben. Engagement für den Umweltschutz ist eine ausgezeichnete Möglichkeit wohltätig zu sein, ohne dabei gleich politisch zu werden.

In Ihrem neuen Film geht es um eine Schatzsuche. Haben Sie sich als kleiner Junge dafür interessiert?

Oh ja, ich habe in unserem Garten immer alles mögliche vergraben, irgendwann wieder ausgegraben und so getan als ob ich einen Schatz gefunden habe. Manchmal waren es nur ein paar Pennies.

Sie machen einen ausgeglichenen, glücklichen Eindruck. In welcher Phase Ihres Leben befinden Sie sich gerade?

Ich bin zufrieden und glücklich. Mehr möchte ich dazu nicht sagen, damit dieses Gefühl nicht verloren geht.

Sie sind zum dritten Mal verheiratet und Vater eines zweijährigen Sohnes. Was ist dieses Mal anders?

Das interessante ist, dass mein ältester Sohn gerade 17 wurde und sich zu einem Mann entwickelt. Und mein zweijähriger beginnt die Welt zu entdecken. Somit erlebe ich gleichzeitig zwei wichtige Momente im Leben meiner Kinder. Ich bemühe mich sehr um ein harmonisches Familienleben und bis jetzt klappt das ganz gut. Meine allergrößte Freude ist, wenn ich die beiden zusammen erlebe, zum Beispiel wenn Weston den kleinen Kal-El auf dem Arm hält. Was meine Ehe betrifft, so sind wir beide geduldig und ehrlich miteinander und nehmen Rücksicht auf die Pläne und Wünsche des anderen.

Teenager kennen meist keine Grenzen, sie wollen sich austoben. Sie selbst haben mit Drogen experimentiert, fuhren wild mit dem Auto oder dem Motorrad durch die Gegend. Wie unterstützen Sie Ihren Sohn in dieser Phase?

Ich habe mit der Schauspieleri angefangen, als ich 16 Jahre alt war. Seitdem hab ich viel erlebt. Jetzt bin ich älter und ein Vorbild für meine Jungs. Die wilden Zeiten sind vorbei. Weston ist anders als ich es in jungen Jahren war. Ihm liegt nichts an materiellen Dingen. Er interessiert sich für Musik und Schreiben. Wir haben gerade zusammen ein Comic-Buch erstellt.

Sie sind mit einer Koreanerin verheiratet. Was haben Sie von dieser Kultur gelernt?

Meine Frau stammt aus Seoul, sie ist keine amerikanische Koreanerin. Ich habe von ihr gelernt, wie wichtig das Familienleben in Korea ist. Es ist schön für mich zu beobachten, wie die Menschen einander helfen und unterstützen. Außerdem mag ich die koreanische Küche, besonders das BBQ.

Es heißt, dass Johnny Depp durch Sie zur Schauspielerei gekommen ist. Was ist da dran?

Wir haben uns durch einen gemeinsamen Freund, einen Musiker kennengelernt, der nach Los Angeles kam. An einem Nachmittag spielten ich mit Johnny Monopoly und sagte zu ihm: 'Du solltest die Schauspielerei versuchen.' Er wollte sich lieber auf die Musik konzentrieren. Ich ließ nicht locker und überredete ihn, meinen Agenten zu treffen. Am nächsten Tag ging er zu seinem ersten Vorstellungsgespräch für eine Rolle und wurde für "Nightmare - Mörderische Träume" unter Vertrag genommen. Das war fantasisch. Johnny hatte riesiges Glück. Ich finde, das hatte nichts mit mir zu tun. Wir haben uns einfach zur richtigen Zeit getroffen.

Womit hat Johnny Depp Sie überzeugt, dass Sie ihn zu Ihrem Agenten schickten?

Er war einfach sehr freundlich. Und ich mochte seinen Humor. Johnny ist wahnsinnig witzig.

Diane Kruger ist zum zweiten Mal Ihre Filmpartnerin. Was mögen Sie an Ihr?

Sie nimmt ihre Arbeit ernst und hat unheimlich viel Energie. Ich fühle mich wohl mit ihr, denn sie besitzt einen tollen Humor. Sie scheint nicht einer dieser Filmstars zu sein, die ständing das Blitzlichtgewitter um sich brauchen. Ich hoffe, dass wir noch viele Filme miteinander drehen.

Interview: Frances Schönberger