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Oprah Winfrey bei der Houston-Familie: Bobbi Kristina und die Stimme aus dem Jenseits

Sie hört die Stimme ihrer verstorbenen Mutter: Whitney Houstons Tochter Bobbi Kristina hat in einem Interview mit US-Talkerin Oprah Winfrey über den Tod der Soul-Diva gesprochen - mit gespenstischen Erkenntnissen.

Von Frank Siering, Los Angeles

Am 11. Februar 2012 verlor Bobbi Kristina Houston den Menschen, den sie über alles geliebt hat. An jenem Nachmittag starb ihre Mutter Whitney Houston in einer Badewanne im Beverly Hilton Hotel. Bislang hatte sich die 19-jährige Tochter zum Tod der Mutter nicht geäußert. Am gestrigen Sonntagabend nun öffnete sie Oprah Winfrey, einstige Talkqueen und enge Freundin der Familie, die Tür zu ihrem Zuhause in Atlanta/Georgia. Zusammen mit Whitney Houstons Schwägerin Patricia und Houstons Bruder Gary gab sie ein 90-minütiges TV-Interview.

Als Bobbi Kristina vor die Kameras tritt, wirkt sie schüchtern, benommen. Es gehe ihr "den Umständen entsprechend gut", sagt sie. Und weiter: "Gott, meine Familie und die Lieder meiner Mutter helfen mir im Moment durch den Tag." Noch immer höre sie Whitney Houstons Stimme, gibt sie zu. Und die Stimme der Mutter sage ihr, sie solle "weitergehen, immer weitergehen. Ich bin bei dir, Baby". - Leise fügt Bobbi Kristina hinzu: "Sie ist immer bei mir." Die 19-Jährige stand ihrer Mutter sehr nah, daran besteht kein Zweifel.

"Es ist so unwirklich ..."

Nach einer ersten Werbeunterbrechung kehren Oprah und die Whitney-Tochter auf den Bildschirm zurück. Diesmal am weißen Klavier. "Wart ihr Freunde?", will Oprah wissen. "Wir hatten unsere Meinungsverschiedenheiten, aber am Ende des Tages war sie immer meine Mutter, meine Vertraute, mein Ein und Alles." Sie wolle die Legende der Mutter weitertragen, verrät sie. Sie möchte, genau wie ihre Mutter auch, singen. "Der Druck ist da, das weiß ich, aber meine Mom hat mich gut darauf vorbereitet", so Bobbi.

Ob es überhaupt schon durchgesickert sei, dass die berühmte Mutter nicht mehr da sei, will Oprah wissen. "Es ist so unwirklich, ich gehe immer noch durchs Haus und rufe 'Mom?' Aber ich lerne es zu akzeptieren." Bobbi erinnert sich an den letzten Tag mit der Mutter. "Ich wollte sie abholen. Sie sagte, komm, leg dich neben mich. Sie blieb bei mir, die ganze Zeit. Ich habe in ihren Armen geschlafen, den ganzen Tag, die ganze Nacht."

Houstons Schwägerin war "wie betäubt"

Und was will sie der Welt jetzt sagen, da nach dem Tod so viel über ihre Mutter geschrieben wurde, fragt Oprah? "Sie ist jetzt ein Engel. Ich habe gesehen, wie verletzt sie war, ich habe sie weinen gesehen." All die negativen Geschichten, "all der Müll", wie sie sagt, der jetzt verbreitet wird. "Das war nicht meine Mutter. Ich weiß, wer sie wirklich war. Ihre Familie weiß es." Hier verteidigt eine liebende Tochter das Denkmal eines gefallenen Superstars, auch das wird schnell deutlich.

Im nächsten Teil des Interviews sitzt Patricia Houston, Whitneys Schwägerin im Zimmer. Sie erzählt von dem Tag, an dem Whitney Houston starb. Die Schwägerin war auf dem Weg zu Whitneys Hotelzimmer. "Plötzlich habe ich Schreie gehört", fährt sie fort. "Ich wusste, da stimmt was nicht. Ich war wie gelähmt und bin trotzdem weitergegangen." In diesem Moment treten Tränen in die Augen Pat Houstons und Oprah Winfreys. Im Zimmer bietet sich Pat ein chaotisches Bild. Ein Sicherheitsbeamter macht Wiederbelebungsversuche. Dann sieht sie Whitney. "Sie sah so friedlich aus", so Houston. "Ich wusste, es war zu Ende. Ich konnte es nicht glauben", erzählt sie weiter. Dann folgte die wohl schwerste Aufgabe der Tante: "Ich musste ruhig bleiben, Bobbi Kristina war auf demselben Flur. Es war so schwierig." Die Schwägerin gibt zu, wie später auch der Bruder von Whitney Houston, dass die Sängerin "Probleme hatte", ohne konkret auf die Drogenexzesse von Houston einzugehen. Aber noch kurz zuvor, so Pat im Gespräch mit Oprah, "hatte Whitney gesagt, dass sie ihre Stimme wieder in Form bringen wollte", dass sie ein Comeback plane und die Welt noch einmal überraschen wolle.

Whitney Houstons Bruder Gary kommt im letzten Teil des Interviews zu Wort. Er korrigiert Berichte, dass der Ex-Mann von Houston, Bobby Brown, bei der Beerdigung unerwünscht gewesen sei. "Nein", so Whitneys Bruder, "er sollte da sein". Er habe sogar kurz nach der Beerdigung angerufen, er wollte sichergehen, "dass Bobbi Kristina okay ist". Auf die Frage, was der Bruder am meisten an seiner Schwester vermisse, sagt er: "Das gemeinsame Singen." Er fängt an, den Whitney-Houston-Song "I look to you" zu singen. Doch die Stimme versagt, Gary weint. Noch einmal darf Whitney Houston, jene Frau, die von Oprah nur "The Voice" genannt wurde, den Moment retten. Ein Clip wird eingespielt. Whitney auf der Bühne. Ihre grandiose Stimme in hellem Klang: "I look to you. I look to you and when melodies are gone. In you I hear a song, I look to you."