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Promi-Protest: Hollywood-Stars treten als Kriegsgegner auf

In den USA wird der Protest von Prominenten gegen einen möglichen Irakkrieg immer lauter. Die Art des Protests ist unterschiedlich: Während Schauspieler Sean Penn sich vor Ort im Irak informierte, dreht Madonna ein Anti-Kriegs Video.

In Militärkluft und mit einer Handgranate bewaffnet will Popstar Madonna den Kriegsvorbereitungen der US-Regierung den Kampf ansagen. Das "Material Girl" geht mit seinem Video zu dem neuen Album "American Life" zum Angriff über. Es zeige blutige Kriegsszenen, Models in Camouflage und die Sängerin selbst als Granatenwerferin, berichteten US-Medien. Damit gesellt sich der Superstar zu einer wachsenden Gruppe prominenter Amerikaner, die ihren Präsidenten von einem Angriff auf den Irak abbringen wollen.

Madonnas "Anti-Kriegs-Aussage"

Madonnas Pressesprecherin pries die "Anti-Kriegs-Aussage" des Videos, das im März auf den Markt kommen soll. Doch sie machte auch klar, dass dies nicht als spezielle Kritik an George W. Bush zu verstehen sei. Sie wird ihre Worte vorsichtig gewählt haben. Andere nehmen längst kein Blatt mehr vor den Mund. Bei seinem jüngsten Berlin-Besuch ging Dustin Hoffman scharf ins Gericht mit der Irak- Politik des Präsidenten. George Clooney verglich die Handlungsweise der US-Regierung mit den Mafioso-Methoden der Fernseh-Familie "Die Sopranos" und warnte vor dem Tod vieler unschuldiger Menschen.

Protestgruppe "Not in Our Name"

Schauspielerin Susan Sarandon zählt seit langem zu den Stars, die lautstark gegen die Kriegsvorbereitungen wettern. Sean Penn sorgte weltweit für Schlagzeilen, als er sich im Dezember im Irak informierte. Während sich konservative Kolumnisten in den USA über Penns Reise lustig machten, würdigte die Anti-Kriegsbewegung seinen Mut. "Sean Penn hat seinen Standpunkt vertreten und dafür reichlich Kritik in Kauf genommen, wie damals Jane Fonda auf ihrer Reise durch Vietnam", sagte Burt Knorr, Sprecher der Protestgruppe "Not in Our Name" (Nicht in unserem Namen) der dpa. Wenigstens meldeten sich die Stars schon jetzt - vor Beginn einer möglichen Invasion - zu Wort. Der Widerstand in den USA gegen den Vietnamkrieg war erst nach jahrelangen Kämpfen gewachsen.

Die Bewegung "Not in Our Name" wurde vor einem Jahr ins Leben gerufen. Sie schaltet regelmäßig in wichtigen Zeitungen große Anzeigen mit mehr als 45 000 Unterschriften gegen einen Krieg. Zu den Unterzeichnern gehören Hollywoodgrößen wie Robert Altman, Susan Sarandon, Marisa Tomei und Oliver Stone. Die Stars Matt Damon, Kim Basinger und Helen Hunt sandten einen Brief mit mehr als hundert Unterschriften Prominenter direkt ans Weiße Haus.

T-Shirts und Friedensdemonstrationen

Bei Friedensdemonstrationen marschieren Stars an der Spitze, allen voran Martin Sheen, der in der TV-Serie "West Wing" ausgerechnet einen amerikanischen Präsidenten spielt. Robert Redford nutzte die Eröffnung seines Sundance-Filmfestivals als Forum für Kritik am Kurs Washingtons. "Herr der Ringe"-Star Viggo Mortenson trug zum Interview im US-Fernsehen ein T-Shirt mit der Aufschrift "No More Blood for Oil" (Kein Blut für Öl). Sängerin Sheryl Crow zog bei der Verleihung der American Music Awards im Januar alle Blicke auf ihr T-Shirt mit dem Slogan "War is Not the Answer" (Krieg ist nicht die Antwort).

"Good Morning, Afghanistan"

Konservative Kreise haben die "Hollywood-Liberalen" längst als "Linke" abgestempelt und verweisen gerne auf jene Stars, die bis jetzt noch keine Kritik geäußert haben. Demnach verhält sich Tom Cruise offenbar sehr ruhig. Andere Entertainer legen sich für Washington als Truppenunterhalter ins Zeug. Der eher liberale Schauspieler und Komiker Robin Williams reiste im Oktober nach Afghanistan und feuerte die Soldaten mit dem Spruch "Good Morning, Afghanistan", wie in dem Kriegsfilm "Good Morning Vietnam", an. Country-Star Faith Hill will in der nächsten Woche vor Soldaten auf dem Stützpunkt Fort Bragg in North Carolina auftreten.

Prominente Dichter, die am 12. Februar bei Laura Bush im Weißen Haus zum Literaturtreffen eingeladen waren, haben rechtzeitig eine "Ausladung" erhalten. Die Präsidentengattin hatte Wind davon bekommen, dass die Poeten Anti-Kriegs-Gedichte vortragen wollten. Nun veranstalten sie landesweit ihren eigenen "Gedichttag gegen den Krieg". Norman Mailer hat sich als heftiger Bush-Kritiker hervorgetan. Barbara Kingsolver und Kurt Vonnegut haben Künstler-Petitionen gegen eine Invasion im Irak unterschrieben.

Zahlreiche Stars bei Protestmärschen

Bei den großen Protestmärschen am nächsten Wochenende werden unter Hunderttausenden von Menschen auch wieder zahlreiche Stars erwartet. Rapper und Schauspieler Saul Williams glaubt allerdings, dass zu viele Entertainer immer noch Angst haben, als "radikal" abgestempelt zu werden. Das breite Publikum sei nicht an den politischen Ansichten der Promis interessiert. Die Leute wollten nur unterhalten werden, aber nicht nachdenken, sagte er nach einem Auftritt bei einem ausverkauften Benefizkonzert im kalifornischen Berkeley, der Hochburg von Protestbewegungen. Der linke Kommentator Bill Berkowitz sieht das anders. "Wenn Stars den Mund aufmachen, hört die Öffentlichkeit zu."