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Promi-Scheidungen: Ehe-Roulette in Hollywood

Erst die Märchenhochzeit, dann das Scheidungsdrama: Auch den Stars und Sternchen geht es da oft nicht anders als Lieschen Müller. Doch in Hollywood gehört mittlerweile mindestens ein Ehe-Aus schon zum guten Ton.

Von Bettina Greve

"So schnell und so sauber wie möglich" sollte die Trennung vonstatten gehen, schmutzige Wäsche im Keller trocknen, Geld und Tochter christlich geteilt werden. Stattdessen stecken Paul MCartney, 64, und Heather Mills, 38, nun im schmutzigsten Scheidungskrieg, an dem die Öffentlichkeit seit langem teilhaben durfte. Als Nacktfotos von Mills wurden durch die Presse gereicht wurden und man ihr eine Vergangenheit als Call-Girl unterstellte, stellt sich McCartney noch schützend vor seine Frau. Doch damit ist nun Schluss. Mills soll vor den gemeinsamen Angestellten über ihren "Rentner-Ehemann" hergezogen haben. McCartney ließ das Schloss des gemeinsamen Hauses auswechseln und die Bankkonten einfrieren. Es läuft auf das übliche Streitthema hinaus: Wer kriegt wie viel Geld? Immerhin soll sich McCartneys Vermögen auf 1,1 Milliarden Euro summieren, einen Ehevertrag hat der Ex-Beatle vor seiner Hochzeit nicht abgeschlossen.

Doch der öffentliche Rosenkrieg von McCartney/Mills scheint kein abschreckendes Beispiel zu sein: Action-Held Tom Cruise hat seine junge Leinwandkollegin Katie Holmes, 27, dieses Jahr zur Mutter gemacht und ihr bereits im vergangenen Jahr das Eheversprechen gegeben. Eingelöst hat er es noch nicht; der Grund dafür sollen langwierige Verhandlungen mit dem Brautvater zum Thema Ehevertrag sein. Da der 43-jährige Hollywoodstar so lange gewartet hat, wird er sich allerdings besonders ins Zeug legen müssen, wenn er die Bilderbuch-Hochzeit von Ex-Gattin Nicole Kidman, 39, toppen will. Die handelte nach dem Motto "Kleine Kirche, großer Auftritt": Ganz in Weiß, umgeben von Kerzen und Blumen, gab Kidman dem Country-Musiker Keith Urban am 25. Juni in Australien das Jawort. Der Himmel über Sydney soll voller Geigen gehangen haben.

Serielle Monogamie statt lebenslange Bindung

"Die zweite Ehe ist der Triumph der Hoffnung über die Erfahrung," hat schon der englische Autor Samuel Johnson (1709 - 1784) festgestellt. Dennoch darf Kidman durchaus zuversichtlich sein, dass der neue Lebensbund tatsächlich hält. Statistisch betrachtet gehen in den USA und Europa zwar immer noch ein Drittel bis fast die Hälfte aller Ehen in die Brüche, doch die Schauspielerin dreht ja schon die zweite Runde. Weniger gut fällt die Prognose für die Jungvermählten Kidman-Urban jedoch aus, wenn man bedenkt, dass es für den 38-jährigen Bräutigam eine Premiere am Traualtar war. Auch die Prominenz der beiden kommt erschwerend hinzu, sie scheint für jede Beziehung pures Gift zu sein.

Bruce Willis und Demi Moore, Eros Ramazotti und Michelle Hunziker, Meg Ryan und Dennis Quaid, Jennifer Aniston und Brad Pitt, Til und Dana Schweiger, Paul McCartney und Heather Mills: Irgendwann kracht es offenbar immer, und die vermeintlichen Traumpartner enden als geschiedene Leute. Das tut weh - besonders wenn auch der Ehe Kinder hervorgegangen sind und sich die Eltern ihretwegen streiten. Scheidungskinder wie Angelina Jolie oder Pink können ein Liedchen davon singen.

Das 'verflixte' fünfte Jahr

Laut Statistischem Bundesamt (2005) gehen die meisten Ehen in Deutschland im fünften Jahr - nicht erst im "verflixten" siebten - auseinander. Scheidungsanwälte haben demnach einen krisensicheren Job. Hochzeitstorten-Bäcker allerdings auch: Knapp 396.000 Eheschließungen hierzulande standen 2004 fast 214.000 "amtlichen" Trennungen gegenüber.

Während Hochzeitsfeste - siehe Nicole Kidman - ins Geld gehen können, tun es Scheidungen immer, auch wenn - wie bei Barbara und Boris Becker - ein Ehevertrag abgeschlossen wurde. Doch wer vom "Gatten-Rückgaberecht" aus welchen Gründen auch immer Gebrauch macht, muss deshalb noch lange nicht mit großen beruflichen Nachteilen oder einem Imageverlust rechnen. Im Gegenteil. Selbst konservativen Politikern wird eine private Neuorientierung keineswegs negativ angekreidet, wie eine stern-Umfrage zum Ehe-Ende des niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff jüngst belegt hat. Und in der internationalen Promi-Gemeinde scheint mindestens ein Ehe-Aus inzwischen sogar zum guten Ton zu gehören.

Auf der Jagd nach dem großen Glück

Berühmt, reich und sexy, aber dann doch allein? Robbie Williams und George Clooney hätten zwar sicher gute Chancen auf dem Partnermarkt, wollen aber beim Roulette-Spiel der Promi-Prinzen und -Prinzessinnen nicht mitsetzen. Die weitaus meisten VIP-Singles streben dagegen nach Zweisamkeit, therapieren sich nach der privaten Pleite notfalls selbst und fordern fröhlich: "Der/die Nächste bitte!"

Die Ehe ist ein "viel zu interessantes Experiment, um es nur einmal zu versuchen", war auch Hollywoods "Liebesgöttin" Rita Hayworth (1918 - 1987) überzeugt. Sie heiratete gleich vier Mal. Aber das ist im Showbusiness noch gar nichts. Die ungarische Film-Diva Zsa Zsa Gabor, 89, hat es bis heute auf neun Hochzeiten gebracht, Elisabeth Taylor, 74, auf acht, der 70-jährige Jerry Lee Lewis auf sechs und Billy Bob Thornton mit seinen 50 Jahren immerhin schon auf fünf.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Es ist keine Neuigkeit, dass gerade Stars auf ihrer Suche nach einem erfüllten Beziehungsleben häufig Wiederholungstäter in Sachen Ehe werden. Doch während Bob Hope bis zu seinem Tod 2003 über 69 Jahre mit ein und derselben Frau verheiratet war und Paul Newman mit seiner zweiten Gattin, Joanne Woodward, mittlerweile 48 Ehejahre auf dem Buckel hat, muss in diesen Zeiten auch mit ganz späten Trennungen gerechnet werden. So hatte die ehemalige "Dallas"-Darstellerin der Pamela Ewing, Victoria Principal, nach 21 Jahren genug von ihrem Mann. Auch unser TV-"Schätzchen" Uschi Glas sorgte für Schlagzeilen, als sie nach über zwei Jahrzehnten Bernd Tewaag den Laufpass gab. Für Iris Berben und ihren Lebensgefährten Gabriel Lewy kam das Aus nach 32 Jahren "wilder Ehe".

Wie es scheint, werden die Jüngeren so lange Strecken kaum durchhalten. "In Hollywood entstehen Filme, deren Dreharbeiten länger dauern als manche Schauspielerehe", bestätigt Barbra Streisand. Die 64-Jährige (eine Scheidung) hat recht. So versuchte es Jennifer Lopez, seit 2004 mit dem Latino-Sänger Marc Anthony verheiratet, zunächst mit einem Kellner, dann mit einem Choreografen. Beide Fälle landeten schon nach etwa einem Jahr beim Scheidungsrichter.

Die Jungen nehmen die Ehe sportlich

Zu den absoluten Rekordhaltern in der Disziplin Kurzehe gehören aber noch vor Verona Feldbusch und Dieter Bohlen (30 Tage) Britney Spears und ihr Jugendfreund Jason Allen Alexander. Ihre Ehe hielt nur übers Wochenende. Am ersten Samstag im Januar 2004 in Las Vegas geschlossen, wurde der Schnellschuss-Bund schon am Montagmorgen annulliert.

Im September 2004 ehelichte das US-Girlie Spears dann den Tänzer Kevin Federline. Eigenem Bekunden zufolge ist die 24-jährige "Baby One More Time"-Sängerin derzeit zum zweiten Mal von ihrem Angetrauten schwanger. Dennoch halten sich hartnäckig Gerüchte, das Paar stecke in einer Krise und habe wohl keine lange gemeinsame Zukunft vor sich.

Derweil darf die garantierte Trennung von McCartney/Mills weiter mit Spannung verfolgt werden: Ein Angebot von 45 Millionen Euro soll die Dame bereits abgelehnt haben - und stattdessen 300 Millionen fordern. Neben Zahlen wird die gespannte Öffentlichkeit sicher noch mit anderen Details aus dieser Ehe unterhalten werden.