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Prominente Vegetarier: Bekenntnisse zu Bohnensalat und Blumenkohl

Was gehört zu einem wahren Hollywood-Star? Villa, Limo, Schoßhündchen? Falsch. Der wahre Luxus sind exotische Früchte, Pilze und Nüsse und der Verzicht auf schnödes Fleisch. Vegetarianismus als trendiges Lebenskonzept.

Von Bettina Greve

Hot Dogs, Hamburger und halbe Hähnchen waren gestern. Heute scheint man in Hollywood eher Heißhunger auf Salat und Sojabratlinge zu haben. Immer mehr Prominente wollen uns glauben machen, dass Tofu-Taler ebenso lecker schmecken können wie T-Bone-Steaks. Dustin Hoffman, Gwyneth Paltrow, Keanu Reeves und Daryl Hannah wenigstens sollen jedes Schnitzel – außer wenn es aus Sellerie ist – verächtlich beiseite schieben und sich stattdessen lieber auf Rohkostplatten stürzen. Auch Drew Barrymore und Jude Law waren einst Mitglieder der stetig wachsenden Vegetarier-Gemeinde. Irgendwann wurden sie allerdings wieder "rückfällig".

In Zeiten von Veggie-Restaurants (300 soll es allein in Kalifornien geben) und Tiefkühlkost ohne Fleisch fällt es den meisten gar nicht mehr so schwer, sich in Verzicht zu üben. Obst, Gemüse, Pilze und Nüsse sind der neue Luxus. Fleischlose Ernährung ist längst mehr als eine Frage des persönlichen Geschmacks.

Auch Bienen nicht den Honig stehlen

Neben gesundheitlichen, religiösen, ökologischen und ökonomischen Gründen sind zumeist ethische Erwägungen ausschlaggebend, sich der vegetarischen Lebensführung zu verschreiben. Die wiederentdeckte und gerade in Promi-Kreisen gern praktizierte Philosophie ist inzwischen sogar ein Trend. Dabei sind verschiedene Abstufungen möglich. Am einen Ende der Skala breiten sich immer mehr Ovo-Lacto-Vegetarier aus, bei denen Eier und Milchprodukte im Ernährungsplan erlaubt sind. Manche essen darüber hinaus auch in Maßen Fisch. Am anderen Ende stehen die Orthodoxen, ganz strenge Veganer, die das fünfte Gebot ("Du sollst nicht töten!") auch auf Tiere beziehen und ihnen ein Recht auf Unversehrtheit und Freiheit zugestehen. Sie essen nicht nur nichts, was einmal Augen hatte, sondern nehmen auch den Bienen keinen Honig weg, tragen weder Lederhosen noch –schuhe und weigern sich manchmal sogar, auf einem Ledersofa Platz zu nehmen.

Neu ist das alles nicht. Im Gegenteil: Mögen wir von Natur aus ebenso wie Ratten und Schweine zu den "Allesfressern" gehören, gibt es den Vegetarismus dennoch schon seit Menschengedenken. Die Namen des griechischen Mathematikers Pythagoras und des römischen Philosophen Seneca werden ebenso mit dem Bekenntnis zu fleischfreier Ernährung assoziiert wie im 20. Jahrhundert die von Mahatma Gandhi, Albert Schweitzer oder Martin Luther King. Doch während Anhänger einer vegetarischen Lebensweise früher häufig als weltfremde Spinner und Asketen belächelt wurden, stehen VIP-Vegetarier wie Richard Gere, Kim Basinger oder Martina Navratilova für gesellschaftliche Anerkennung, Vitalität und nicht zuletzt für Sexappeal.

Prince als "sexiest vegetarian"

"Alle coolen Musiker sind Veganer", schwärmt die "Clueless"-Actrice Alicia Silverstone sogar, die seit dem Streichen aller tierischen Produkte von ihrem Essensplan nicht mehr krank wird und ihre Allergien losgeworden sein will. Coolness und Sexiness sind zwar kaum objektivierbare Größen, doch ganz falsch dürfte die 29-Jährige nicht liegen. Zumindest sind Morissey und Moby, Avril Lavigne und Annie Lennox, Chris Martin und Paul McCartney unter den 178 Nominierten, die die Tierschutzorganisation PETA (People for the Ethical Treatment of Animals) aufgestellt hatte, um dieses Jahr zum sechsten Mal die "sexiest vegetarians" der Welt ermitteln zu lassen.

Zur Wahl standen Schauspieler, Sportler Musiker und Models, 96 Männer und 82 Frauen. Gegen die "verzweifelte Hausfrau" Nicollette Sheridan, den "Gladiator" Joaquin Phoenix oder den Leichtathleten und Olympia-Sieger Carl Lewis, haben sich in der Online-Umfrage diesmal die "Veronica Mars"-Seriendarstellerin Kristen Bell, 25, und der US-Popstar Prince, 47, durchgesetzt. Zu den Titelgewinnern der Vorjahre zählen im übrigen die Country-Sängerin Shania Twain, die schon seit 1993 weder Fleisch, Fisch noch Eier zu sich genommen haben will und seitdem "mehr Energie" hat, der erfolgreiche "Spider-Man" Tobey Maguire und die "Star Wars"-Queen Natalie Portman.

Besseren Sex als Vegetarier?

Auch Pamela Anderson ist PETA-Kandidatin. Ebenso wie der 50-jährige Musiker Billy Idol, der laut eigenen Angaben seit seinem 18. Lebensjahr Vegetarier ist und sich so fit hält für Bühne und Bett, schwört auch das superblonde California Girl auf die positiven Folgen des Fleischverzichts. Erst jüngst hat die 38-Jährige allen ein erfüllteres Liebesleben in Aussicht gestellt, die der Verführung von Würstchen und Wildpastete widerstehen können: "Für die besten Orgasmen müsst ihr Vegetarier werden!", wird sie von der "Sun" zitiert.

In der Tat gibt es viele gute Gründe, gerade in den USA noch mehr Überzeugungsarbeit zu leisten. Die internationale Liste der PETA-Veggies liest sich zwar beeindruckend, wird jedoch von US-Stars dominiert. In Ermangelung einer offiziellen Statistik schätzt PETA, dass bisher sieben Millionen Amerikaner dem Genuss von tierischem Eiweiß abgeschworen haben. Das hört sich nach viel an, ist es aber nicht. In Deutschland leben nämlich bei weitaus geringerer Bevölkerungszahl in etwa ebenso viele Vegetarier.

Fleischskandale und Vogelgrippe verstärken den Vormarsch der Veggie-Verfechter

Der Vegetarier-Bund mit Sitz in Hannover beruft sich auf die Ergebnisse einer aktuellen Befragung, nach der gegenwärtig 7,6 Prozent aller Deutschen Vegetarier sind, während es laut einer Untersuchung der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) 1983 nur etwa 0,6 Prozent waren. Zu einem ähnlichen Ergebnis war der stern Ende 2000 nach Auftreten des ersten BSE-Falls gekommen. Selbst die CMA, Zentralstelle der deutschen Agrarwirtschaft, hat feststellen müssen, dass der Fleischkonsum in den vergangenen 18 Jahren von durchschnittlich 69,7 Kilogramm pro Kopf und Jahr auf 61,1 Kilogramm (2005) gesunken ist. Fleischskandale und Vogelgrippe verstärken den Vormarsch der Veggie-Verfechter im Land von Currywurst und Karbonaden.

Ist der Mensch kein Beilagenesser?

Das alles kann dem deutschen Topmodel Nadja Auermann, Thomas D. von den Fantastischen Vier, oder dem ehemaligen Tennis-Champion Boris Becker wenig anhaben. Sie gehören zu jenen Zeitgenossen, die achtlos an Braten und Bouletten vorbeigehen. Der TV-Comedian Dirk Bach, seiner Figur nach bestimmt kein Kostverächter, hat sich aufgemacht, fleischlose Alternativen zu bieten. Er veröffentlichte im vergangenen Jahr ein Kochbuch, in dem er beschreibt, wie sich aus Kartoffeln und Kohl schmackhafte Hauptgerichte zaubern lassen. Sein Motto: "Mein Schnitzel hat Schwein gehabt!"

"Fleisch ist mein Gemüse" postulierte hingegen der Hamburger Pop-Literat Heinz Strunk. In seinem Bestseller (2004) behauptet er doch rundweg, dass der Mensch kein Beilagenesser ist. Das mag sein. Das viele Schlachtgut, das der Autor und Musiker verschlang, als er in den 80er Jahren mit seiner Band durch Norddeutschland tingelte, hat ihn vielleicht satt gemacht, wie seine Leser wissen, aber nicht glücklich.

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