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Prozess gegen Prinz Ernst August: Eine Frage der Ehre

Er kämpft darum, sein Image als Schläger loszuwerden: Prinz Ernst August von Hannover will vor Gericht beweisen, dass er einen Hotelier in Kenia nicht krankenhausreif geschlagen hat. Immer mehr Indizien sprechen für den Welfen.

Von Jens Maier

Er ist ein leibhaftiger Prinz von Hannover und Herzog zu Braunschweig und Lüneburg. Er heißt vollständig Ernst August Albert Paul Otto Rupprecht Oskar Berthold Friedrich-Ferdinand Christian-Ludwig, doch sein langer Name ist besudelt: 2004 war der Prinz vom Landgericht Hannover wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 445.000 Euro verurteilt worden, seitdem ist er vorbestraft. Am kommenden Montag will der 55-jährige Welfe seinen Namen wieder rein waschen. Dann wird der Prozess vor dem Landgericht Hildesheim neu aufgerollt.

Es geht dabei um Vorkommnisse, die mittlerweile neun Jahre zurück liegen. Am 17. Januar 2000 soll der Prinz den deutschen Hotelier Josef Brunlehner im Urlaub in Kenia krankenhausreif geschlagen haben. Nach der damaligen Aussage Brunlehners habe Ernst August einen Schlagring benutzt und ihm damit brutale Schläge ins Gesicht verpasst. Kenianische Ärzte bestätigtem dem Opfer schwerste Verletzungen, sogar ins künstliche Koma habe er versetzt werden müssen, dazu einen Herzinfarkt nach der Attacke erlitten. Das Landgericht Hannover glaubte dem ausgewanderten Deutschen damals - nicht zuletzt wegen zahlreicher Fotobeweise. Genau diese und die Aussage von Prinzessin Caroline bringen den Fall jetzt aber wieder ins Rollen.

Ein Koma-Patient mit angewinkeltem Bein

Auf einem der Fotos, die damals von Brunlehner im Krankenhaus in Mombassa gemacht wurden, ist er auf einem Bett liegend zu sehen - mit angewinkeltem Bein. Eigentlich nichts Ungewöhnliches. Doch nach Aussagen des Patienten und der Ärzte lag er zu dieser Zeit im künstlichen Koma und hätte sein Bein gar nicht anwinkeln können. Ein Umstand, den das Landgericht Hannover seinerzeit offenbar übersehen hat, sich bei seinem Urteil stattdessen auf Fotos verlassen hat, auf denen ein an Oberkörper und Gesicht verletzter Brunlehner zu sehen war. Sogar ein Gutachten hatte das Gericht anfertigen lassen. Die Verletzungen stammten demnach von einem halbscharfen Gegenstand. Ein Widerspruch zu der Version des Prinzen, der sein Opfer lediglich zwei Mal mit der flachen Hand geschlagen haben will.

Das Gericht sah es damals als erwiesen an, dass Ernst August wegen fahrlässiger Körperverletzung schuldig ist. Das passte auch ins Bild, das die Öffentlichkeit von ihm hatte. Der Prinz war schon vorher auffällig geworden. Als Wildpinkler am türkischen Pavillon bei der Expo in Hannover oder als Gutsherr, der mit einem Regenschirm auf Kameraleute einprügelt. Für die feine englische Art, die sonst in adligen Kreisen gepflegt wird, war er jedenfalls nicht bekannt. Doch wie sich jetzt herausstellen könnte, war vielleicht Brunlehner der größere Hallodri von beiden.

Brunlehner soll die damaligen schweren Verletzungen simuliert haben, behauptet der Anwalt des Prinzen. Nach Aussagen von Hans Wolfgang Euler seien im Verlauf des Wiederaufnahmeverfahrens Zeugenaussagen bekanntgeworden, die belegten, dass Brunlehner in Bezug auf seine Verletzungen "medienwirksam ein Schauspiel" abgeliefert habe. "Offenbar hat man sich noch nicht einmal gescheut, dem Gericht gefälschte Dokumente vorzulegen", sagt Euler. Den entscheidenden Grund für die Wiederaufnahme lieferte allerdings Ernst Augusts Ehefrau, Prinzessin Caroline von Hannover.

Prinzessin Carolines Aussage gibt den Ausschlag

Sie wurde vom Landgericht Hildesheim, das über das Wiederaufnahmeverfahren zu entscheiden hatte, im vergangenen August über den Tatverlauf befragt. Die monegassische Prinzessin, die seit 1999 mit dem Welfenprinzen verheiratet ist, war seinerzeit im Urlaub in Kenia dabei und sie stützte die Aussage ihres Mannes: Kein Schlagring, lediglich zwei Ohrfeigen, soll es gegeben haben. An ihrer grundsätzlichen Glaubhaftigkeit bestehe "keine begründbaren Zweifel", meinte das Gericht im vergangenen Jahr. Zudem stimme ihre Aussage mit denen von fünf weiteren, bereits vernommenen, Zeugen überein. Das vom Landgericht Hannover festgestellte Tatgeschehen erscheine "hinreichend erschüttert".

Erst am 25.11.2008 war Ernst August dann am Ziel: Das Gericht stimmte einem Wiederaufnahmeverfahren zu. Vier Jahre lang hatte er dafür gekämpft, war mit einem Wiederaufnahmeantrag bereits gescheitert und hatte mehrere Niederlagen in erster und zweiter Instanz erlitten. Doch das Wiederaufnahmeverfahren war nur das Etappenziel, das nichts wert wäre, wenn der Prinz am Ende nicht erreicht, worum es eigentlich geht: Seinen Namen wieder rein zu waschen. Dafür erscheint er am Montag persönlich vor Gericht.