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Redtube popkulturelles Highlight: Samuel L. Jackson bringt Porno-Industrie gegen sich auf

Er hätte es besser nicht gesagt. "Redtube", antwortete Samuel L. Jackson auf die Frage nach der größten popkulturellen Errungenschaft der letzten 50 Jahre. Seine Kollegen aus dem Porno-Fach schäumen.

Von Frank Siering, Los Angeles

Eigentlich sollte es nur ein weiterer lockerer PR-Termin für seinen neuen Film "Captain America: The Return of the First Avenger" werden. Doch als Samuel L. Jackson – er spielt den einäugigen Nick Fury – von einem Reporter gefragt wird, was er für die größte popkulturelle Errungenschaft der letzten 50 Jahre halte, hatte der renommierte Schauspieler ("Django Unchained") offensichtlich keine Lust auf nichtssagende Floskeln.

"Redtube" antwortete Jackson kurz und knackig. Sicher, lustig sollte das sein. Hollywood-Stars wollen immer auch ein bisschen lustig sein. Nun handelt es sich bei Redtube allerdings um eine kostenlose Porno-Website. Hierzulande drehte sich um die Site ein Abmahnskandal, in den USA ist sie für Akteure und Produzenten, die mit Sex ihr Geld verdienen, ein Dorn im Auge.

Doppelmoral Hollywoods

Kaum hatte Jackson seinen erhofften Lacher eingesammelt, setzte aus Richtung des "Porno-Valley" von Los Angeles auch schon ein wahrer Sturm der Entrüstung ein. Innerhalb weniger Minuten nach der lapidaren Antwort forderten diverse Pornostars zum Boykott aller Jackson-Filme auf.

Pornostar Catalina Cruz, 34, kristallisierte sich schnell als Sprecherin der potentiellen Boykotteure heraus. Sie bemängelte, dass Hollywood zwar ständig über die Piraterie seiner Filme und die damit verlorenen Umsätze für die Schauspieler und Produzenten klagten, aber ein Star wie Jackson es "ganz offensichtlich für völlig in Ordnung hält, wenn arbeitende Sex-Darsteller um ihren Lohn betrogen werden".

Cruz steht nicht alleine da. Jessica Drake arbeitet als Pornodarstellerin und als Regisseurin für Wicked Pictures, ein Porno-Filmstudio in Los Angeles. Sie sagte, dass "die Adult-Industrie genau so ein Recht auf Schutz vor Online-Piraten hat wie die etablierte Filmindustrie". Und Nate Glass, der Gründer von Takedown Piracy, einer Anti-Piraterie-Firma, die sich gegen die Ausbeutung der Studios durch kostenloses Herunterladen von Clips und Sexfilmen wehrt, meinte: "Hollywoods Doppelmoral ist eindeutig. Kostenloser Sex, ja bitte. Kostenlose Hollywood-Filme, nein danke."

Superhelden klauen keine Pornofilme

Viele Darsteller in der Pornoindustrie haben Jackson jetzt aufgefordert, sich förmlich und in aller Öffentlichkeit zu entschuldigen. Die Klatschseite tmz.com zitiert einen Sprecher der Sexindustrie, der sagt, dass Redtube nichts weiter als eine "illegale Download-Seite für Sex-Clips" sei.

XXX-Schauspielerin Tanya Tate meint, dass sie die Piraterie von Porno-Clips direkt tangiert. "Ich produziere meinen eigenen Inhalt fürs Netz. Ich schicke Mr. Jackson gerne meinen Katalog von Sexfilmen, sollte er seine Behauptung sofort zurücknehmen." Doch bislang schweigt Samuel L. Jackson noch. Vielleicht, weil er womöglich einmal den größten popkulturellen Verdienst der letzten 50 Jahre in Amerika genießen will...?