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Trotz Vergewaltigungs-Skandal: Roman Polanski plant Rückkehr in die USA

Vor 40 Jahren floh Regisseur Roman Polanski wegen Vergewaltigungsvorwürfen aus den USA. Seitdem ist er nicht mehr in das Land eingereist. Nun will der 83-Jährige in Los Angels das Grab seiner 1969 ermordeten Ehefrau Sharon Tate besuchen.

Roman Polanski

Regisseur Roman Polanski soll 1977 in Los Angeles eine Minderjährige vergewaltigt haben

Der polnisch-französische Regisseur möchte nach Angaben seines Anwalts in die USA zurückkehren und einen jahrzehntelangen Justizstreit wegen Vergewaltigungsvorwürfen zu den Akten legen. Um die Rückkehr zu ermöglichen, soll auf eine alte Abmachung Polanskis mit der US-Justiz zurückgegriffen werden, wie sein Anwalt Harland Braun der Nachrichtenagentur AFP sagte. So soll ihm eine weitere Gefängnisstrafe erspart bleiben.

Braun schrieb an den Richter Scott Gordon in Los Angeles, um die Herausgabe einer von den USA unter Verschluss gehaltenen Zeugenaussage des damaligen Staatsanwalts Roger Gunson aus dem Jahr 2010 zu erreichen. Davon erhofft er sich den Beweis dafür, dass Polanski gemäß einer Vereinbarung, nur 48 Tage in Haft zu müssen, diese Strafe bereits abgesessen hat.

Polanski hatte 1977 im Alter von 43 Jahren Sex mit einer 13-Jährigen. Er war zunächst wegen und weiterer Straftaten angeklagt, später lautete der Vorwurf auf unerlaubten Sex mit einer Minderjährigen. Polanski bekannte sich als Teil einer Vereinbarung mit der Staatsanwaltschaft schuldig und saß zunächst 42 Tage in der Gefängnispsychiatrie. Von dort wurde er vereinbarungsgemäß entlassen - mit dem Rat an das Gericht, keine weitere Haftstrafe zu verhängen.

Richter forderte 50 Jahre Haft für Roman Polanski

Doch dann ließ der zuständige Richter den Deal platzen und forderte eine 50-jährige Haftstrafe für den Regisseur. Polanski floh daraufhin vor der Urteilsverkündung nach Europa und kehrte seitdem nicht mehr in die USA zurück. Im Jahr 2009 wurde er in der Schweiz festgenommen, die USA forderten seine Überstellung. Er verbrachte zwei Monate in Auslieferungshaft und acht Monate unter Hausarrest, dann wies die Schweiz das Ersuchen der USA zurück.

Im Januar 2015 dann forderten die von Polen die Auslieferung des Regisseurs. Der Oberste Gerichtshof des Landes lehnte das im Dezember vergangenen Jahres aber endgültig ab. Der Richter wies unter anderem darauf hin, dass Polanski in den USA und der Schweiz bereits 353 Tage in Gewahrsam gewesen sei und damit seine ursprünglich in Aussicht gestellte Haftstrafe von 90 Tagen mehr als verbüßt habe. Polanski selbst hatte sich nach der Entscheidung der polnischen Justiz "glücklich" gezeigt, dass diese Angelegenheit nun geklärt sei. Endlich könne er sich in seinem eigenen Land wieder sicher fühlen. Der 83-Jährige lebte zuletzt in Frankreich und vermied es lange Zeit, wegen des Justizstreits nach Polen zu reisen.

Anwalt Braun sagte nun, er werde die US-Justiz dazu drängen, "die Entscheidung Polens anzuerkennen". Sollte das der Fall sein, könne Polanski "nach Los Angeles und vor Gericht kommen, ohne Angst vor seiner Inhaftierung". Für kommende Woche ist eine Anhörung zu dem Fall angesetzt worden. Nach Angaben seiner Anwälte würde der Filmemacher gerne in Los Angeles das Grab seiner zweiten Frau Sharon Tate besuchen. Die hochschwangere Schauspielerin war 1969 von Anhängern des Sektenführers Charles Manson ermordet worden.

jum/AFP