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César-Filmpreis: Proteste zwingen Polanski zum Rücktritt

Die Veranstalter des französischen César-Filmpreises wollten Roman Polanski als Gastgeber für die Vergabe-Zeremonie. Der Regisseur verzichtet - nach Protesten von Frauenrechtlern.

1980 und 2014 wurde Roman Polanski in der Kategorie Beste Regie mit dem César-Filmpreis ausgezeichnet

1980 und 2014 wurde Roman Polanski in der Kategorie Beste Regie mit dem César-Filmpreis ausgezeichnet

Er sollte die Vergabe der französischen César-Filmpreise leiten: Roman Polanski erhielt den sogenannten "französischen Oscar" selbst schon zwei Mal, seine Nominierung als Gastgeber der Zeremonie hat aber zu Protesten geführt. Der 83-jährige Starregisseur verzichtet daher auf diese Aufgabe. 

Die Kritik an seiner Wahl habe Polanski tief betrübt und seine Familie getroffen, teilte der Anwalt des Oscar-Preisträgers, Hervé Temine, am Dienstag in Paris mit. Wer nun die Feier leiten wird, blieb zunächst offen.

Ermittlungen gegen Roman Polanski

Die Ankündigung der César-Veranstalter, dass der 83-Jährige der Preisvergabe am 24. Februar vorstehen soll, hatte französische Frauenrechtler empört. Die US-Justiz sucht Polanski seit Jahrzehnten wegen Sex mit einer 13-Jährigen. Der Regisseur war damals aus dem Land geflohen und lebt seitdem in Europa.

Die schweizerische und die polnische Justiz hätten Auslieferungsbegehren der USA abgelehnt, berichtete der Anwalt. Er nannte den Streit um die Polanski-Wahl in Paris unbegründet. Der Regisseur habe 1991 die Jury des Filmfestivals in Cannes und andere Kino-Veranstaltungen geleitet, ohne dass es zu Protesten gekommen sei. Der Holocaust-Überlebende Polanski besitzt nach früheren Angaben die polnische und die französische Staatsbürgerschaft.

Frauenrechtler protestieren

Die Sprecherin der Organisation "Osez le féminisme", Claire Serre-Combeporte, hatte am vergangenen Wochenende in der Zeitung "Le Parisien" die Wahl als eine Brüskierung für Opfer von Vergewaltigung und sexueller Nötigung bezeichnet. Frauenrechtsministerin Laurence Rossignol bezeichnete die Entscheidung in einem Radiointerview als schockierend.

Im Jahr 1977 soll Polanski ein 13 Jahre altes Mädchen in Los Angeles sexuell missbraucht haben. Er wies den Vorwurf einer Vergewaltigung zurück, räumte jedoch in einer Einigung mit der Staatsanwaltschaft Sex mit einer Minderjährigen ein. Kurz vor der Urteilsverkündung setzte er sich nach Paris ab. In der Schweiz wurde er vor einigen Jahren verhaftet und stand acht Monate unter Hausarrest, bis das Land 2010 das Auslieferungsgesuch der USA ablehnte. Die Betroffene hatte 2013 gesagt, dass sie Polanski verziehen habe. Sie setzte sich auch mehrfach für eine Einstellung des Verfahrens ein.

fri / DPA