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Dresden: Keine will ihn moderieren: Deswegen ist der Semperopernball so umstritten

Nun hat auch Mareile Höppner abgesagt: Wenige Tage vor Beginn steht der Semperopernball noch immer ohne Moderatorin da. Darum ist die Veranstaltung in diesem Jahr so umstritten.

 Hans-Joachim Frey, künstlerischer Leiter des Semperopernballes, und der ägyptische Präsident Abdel Fattah Al-Sisi

Hans-Joachim Frey (l.), der künstlerische Leiter des Semperopernballes, überreicht dem ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah Al-Sisi in Kairo den St.-Georgs-Orden.

DPA

Es ist die glamouröseste Veranstaltung der sächsischen Metropole: Seit 2006 findet in Dresden zu Beginn eines jeden Jahres der Semperopernball statt. "Die wichtigste Kulturgala der neuen Bundesländer", wie Hans-Joachim Frey sagt. Und er muss es wissen: Der 54-Jährige ist der künstlerische Leiter des Semperopernballs. Für dieses Jahr hat er sich ein Motto ausgedacht, das die Freude der Stadt auf das Ereignis zum Ausdruck bringen soll: "Dresden jubiliert“.

Doch es gibt da ein kleines Problem: So richtig mag keine Jubelstimmung aufkommen. Im Gegenteil: Gerade hat mit Mareile Höppner bereits die zweite Moderatorin für die Veranstaltung am kommenden Freitag abgesagt.

Ursprünglich sollte Judith Rakers die Gala zusammen mit Roland Kaiser moderieren. Doch die "Tagesschau"-Sprecherin gab am vergangenen Mittwoch via Twitter ihren Rückzug von der Aufgabe bekannt.

Auch Mareile Höppner sagt ab

Mit Mareile Höppner wurde zwar schnell ein Ersatz gefunden, doch schon nach wenigen Tagen hatte die auch keine Lust mehr: Am Samstag warf die 42-Jährige ebenfalls das Handtuch. Auf ihrem Instagram-Kanal begründete sie ihre Absage mit Hass und Anfeindungen, denen sie ausgesetzt gewesen sei und die selbst vor ihrem Kind nicht halt gemacht hätten.

Wer die Ursache für den ganzen Schlamassel sucht, findet sie am 26. Januar. Da überreichte eine Delegation des Dresdner Semperopernballes um Leiter Hans-Joachim Frey in Kairo dem ägyptischen Staatspräsident General Abdel Fattah Al-Sisi den St.-Georgs-Orden.

Ehrung für Al-Sisi: Das ist der Grund

Die Medaille wird an Persönlichkeiten verliehen, die sich um Deutschland, die neuen Bundesländer und um Sachsen verdient gemacht haben. Worin die Leistung Al-Sisis genau liegt, wird nicht klar. In der Pressemitteilung heißt es nebulös, der Semperopernball verstehe sich als Brückenbauer zwischen Kulturen, Ländern und Sichtweisen. Traditionell bemühe man sich Menschen aus aller Welt zusammenzubringen - "im Sinne der Völkerverständigung, des Austauschs und des Friedens." Zu dem Geehrten gibt es nur einen einzigen Satz: "Abdel Fatah El-Sisi teilt und lebt diese Anliegen."

Mit der anschließenden Entrüstung über die Ehrung eines Machthabers, dem die Organisation Human Rights Watch Menschenrechtsverletzungen vorwirft und dessen Land im Ranking der Pressefreiheit von Reportern ohne Grenzen auf Rang 163 von 180 Nationen steht. 

Frey versuchte die Aufregung zunächst herunterzuspielen, nannte Al-Sisi einen "kontroversen Politiker" und floskelte, "Entscheidungen können auch mal wehtun, das ist wie beim Fußball."

Der Leiter des Semperopernballs rudert zurück

Einen Tag später schwenkte der Leiter des Semperopernballs um und veröffentlichte eine Presseerklärung. Darin hieß es nun: "Wir möchten uns für diese Preisverleihung entschuldigen und davon distanzieren. Die Verleihung war ein Fehler." Doch da war es bereits zu spät, um die Debatte einzufangen - das zeigen die beiden Absagen von Rakers und Höppner.

Sylvie Meis

Und mittlerweile gibt es auch Ärger über einen weiteren Preisträger. Neben Al-Sisi soll auch der Unternehmer Hans-Jürgen Naumann geehrt werden. Doch dann wurden einige umstrittene Äußerungen aus einem Interview bekannt, das Naumann 2017 mit der "Freien Presse" geführt hat. Darin sagte der Deutsch-Amerikaner, Präsident Donald Trump habe erkannt, dass "die weiße Bevölkerung zusammenstehen muss". Des Weiteren beklagte er die Disziplinlosigkeit junger Afroamerikaner. Eine Besserung werde nur erreicht, wenn man sie zum Militär einziehe, "ihnen dort Disziplin beibringt und einen berufliche Ausbildung ermöglicht."

Angesichts der Preisträger ist es nicht ganz überraschend, dass der Semperopernball wenige Tage vor dem Termin ohne weibliche Moderatoren dasteht. Roland Kaiser hat hingegen trotz Bedenken sein Kommen zugesagt. Wenn er das mal nicht bereut: Sein letzter Hit von 2014 trägt den Titel: "Warum hast du nicht nein gesagt".