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Serien-Aus für "Two And A Half Men": Charlie Sheen droht abzusaufen

Nicht seine Sex- und Drogeneskapaden, sondern sein loses Mundwerk sind schuld: Die US-Serie "Two And A Half Men" wird vorerst abgesetzt, weil Charlie Sheen die Produzenten beleidigt hat. Droht ihm jetzt der Karriereknick?

Von Jens Maier

Gott möchte, dass wir weitermachen", sagte Produzent Chuck Lorre Anfang Februar erleichtert. Gerade hatte der Produzent der US-Serie "Two And A Half Men" erfahren, dass Charlie Sheen eine Entziehungskur macht. Jahrelang hatte Lorre sich aufgrund der Drogen- und Alkoholeskapaden seines Hauptdarstellers Sorgen um die erfolgreichste Sitcom im amerikanischen Fernsehen machen müssen. Jetzt, so glaubte er, würde alles besser werden. Doch nicht einmal vier Wochen später steht der Erfolgsproduzent vor den Trümmern seines Lebenswerks.

Am Donnerstag teilten die Macher der Show gemeinsam mit der Produktionsfirma Warner Brothers und dem Sender CBS mit, dass die Dreharbeiten zur aktuellen Staffel von "Two And A Half Men" abgebrochen werden. Diese waren bereits vorläufig eingestellt worden, als Sheen seine Entziehungskur angekündigt hatte. Jetzt kam das endgültige Aus. Viele halten es für ziemlich wahrscheinlich, dass die seit acht Jahren laufende Serie sogar ganz eingestellt wird.

Die Zuschauer schalten trotz Sheens Eskapaden ein

Ein ziemlich überraschendes Ende für die erfolgreichste Show im US-Fernsehen. Selbst Wiederholungen der Serie erzielen höhere Einschaltquoten als vergleichbare Fernsehformate. "Two And A Half Men" ist eine der wichtigsten Einnahmequellen des Senders CBS. Die Werbeblöcke sind fast so heiß umkämpft wie die bei der Übertragung des "Super Bowl" und auch die ständigen Eskapaden Sheens konnten den hervorragenden Ratings bei Werbefachleuten und der Zustimmung der sonst eher prüden und konservativen US-Zuschauer nichts anhaben - im Gegenteil.

Trotz der Meldungen über Partys mit Pornostars blieb die Quote konstant: 15 Millionen amerikanische Zuschauer schalteten jede Woche ein. Einer Umfrage des "Hollywood Reporter" zufolge haben 26 Prozent sogar eine höhere Meinung von Sheen als zuvor. Und auch Werbefachleute, sonst um das Image ihrer Kunden besorgt, waren eher belustigt als besorgt: "Wir haben immer Witze darüber gemacht, dass Sheen sich ja in der Show einfach nur selbst spielen muss", sagte Gary Carr, Vizepräsident einer Medienagentur der "New York Times".

Sheens Karriere ist in Gefahr

Zuschauer weiterhin da, Werbeblöcke auch - warum also das plötzliche Aus? Die Entscheidung sei auf Grundlage der "Gesamtheit von Charlie Sheens Erklärungen, seines Verhaltens und Zustands" gefällt worden, heißt es verklausuliert in einer Erklärung der Produktionsfirma. Vorausgegangen war eine persönliche Fehde zwischen Chuck Lorre und Charlie Sheen. Sheen hatte Lorre in einer seiner vielen Interviews, die von der geistigen Umnachtung des Schauspielers zeugen, aufs Übelste beschimpft. Selbst am Donnerstag legte er noch mal nach: Lorre sei eine "verseuchte kleine Made" und er wünsche ihm "nichts als Schmerz", sagte er der Promi-Klatschseite "TMZ".

"Ich habe diesen Wurm ganz eindeutig mit meinen Worten besiegt", jubelte Sheen - fast so als wäre das vorläufige Ende der Serie ein persönlicher Triumph für ihn. Dass auch seine Karriere in Gefahr sein könnte, scheint der Schauspieler komplett zu ignorieren. Obwohl er stets behauptet, noch nie betrunken am Set erschienen zu sein, ist er doch immerhin verantwortlich für den Ausfall von mehreren Drehtagen bei "Two And A Half Men". Allein in der zurückliegenden Staffel konnte Warner Brothers von 24 eingekauften Episoden nur 22 abliefern. Sheen gilt unter Produzenten und Regisseuren als unkalkulierbarer und kostspieliger Risikofaktor.

Mahnende Beispiele gibt es genügend. Mel Gibson gilt in Hollywood aufgrund seiner Eskapaden ebenso als Persona non grata wie Winona Ryder. Eine Betteltour durch sämtliche Castingbüros musste auch Robert Downey jr. zurücklegen, um nach seinen Alkoholexzessen an Engagements zu kommen und im Reigen der Hollywoodstars wieder mitspielen zu dürfen. "Ich habe fast alle Fehler in meinem Leben gemacht, die man machen kann. Ich glaube, es sind keine mehr da", sagte Downey demütig in einem Interview.

Amerikaner lieben Comebacks

Bei Sheen geht die Party hingegen munter weiter. "Vor langer Zeit war ich mal fünf Jahre lang nüchtern, und es war verdammt langweilig. Das ist nicht authentisch, das bin nicht ich", sagte er erst vor kurzem in einem Interview und kündigte damit an, seinen exzessiven Lebensstil nicht ändern zu wollen. Droht ihm jetzt der Karriereknick? "Nein", glaubt "Gala"-Redakteur und US-Promi-Experte Alexander Nebe. "Die Amerikaner lieben Comebacks gefallener Stars. Er braucht nur für ein halbes Jahr in die Rehab gehen, sich danach zerknirscht und geläutert geben, dann wird's schon wieder."

Finanziell braucht sich Sheen zumindest vorerst keine Sorgen zu machen. 1,4 Millionen Euro Gage pro Folge hat er für "Two And A Half Men" bekommen. Da er laut "Los Angeles Times" bis 2012 einen gültigen Vertrag hat, wird er dieses stolze Sümmchen - im Gegensatz zu den über 200 Mitarbeitern, die von heute auf morgen arbeitslose geworden sind - auch weiterhin bekommen. Selbst wenn die Show ganz eingestellt wird, muss Warner Brothers zahlen. Nicht zuletzt deshalb werden die Studiobosse in Burbank wahrscheinlich noch manches Stoßgebet gen Himmel senden: "Gott möchte, dass wir weitermachen."