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Harvey Weinstein: Sex-Vorwürfe: Der späte Fall des mächtigsten Mannes aus Hollywood

Er ist der einflussreichste Filmproduzent Hollywoods und blickte bisher auf eine glänzende Karriere zurück. Doch jetzt steht Harvey Weinstein im Verdacht, über Jahrzehnte Frauen sexuell belästigt zu haben - auch Schauspielerinnen.

Der Name dürfte nicht jedem geläufig sein, einer seiner Filme garantiert schon. Der 65-jährige Amerikaner gilt als Schwergewicht in Hollywood - und dass nicht aufgrund seiner massigen Statur. Weinstein und sein zwei Jahre jüngerer Bruder Bob gründeten 1979 die Produktionsfirma Miramax, die später an den Disney-Konzern verkauft wurde. 2005 riefen sie schließlich ihre Firma "The Weinstein Company" ins Leben. Unter Weinsteins Führung entstanden Klassiker wie "Pulp Fiction", "Der englische Patient", "Good Will Hunting", "Gangs of New York" oder "Shakespeare in Love". Zuletzt produzierten die Weinsteins die Oscar gekrönten Filme "The King's Speech" und "Silver Linings".

Malia Obama absolvierte ein Praktikum bei Harvey Weinstein

Harvey Weinstein und seine Frau Georgina Chapman

Harvey Weinstein und seine Frau Georgina Chapman bei der Oscar-Verleihung 2017

Mehr als 300 Oscar-Nominierungen strichen von Weinstein produzierte Werke bereits ein, rund 75 Oscar-Statuen konnten die Filme dann tatsächlich gewinnen. Weinsteins Partys am Rande der Academy Awards und der Golden Globes zählen Jahr für Jahr zu den begehrtesten Veranstaltungen. Dort geben sich Stars wie Heidi Klum, Nicole Kidman oder Julia Roberts die Klinke in die Hand. Weinstein selbst posiert gern mit seiner zweiten Frau, der 24 Jahre jüngeren Designerin Georgina Chapman. Nicht selten tragen die prominenten Gäste elegante Kleider ihres Labels Marchesa. 

Für oder mit Harvey Weinstein zu arbeiten galt bisher als besondere Ehre. Selbst Präsidententochter Malia Obama absolvierte im Februar diesen Jahres ein Praktikum bei dem Filmmogul, der in der Branche für sein besonderes Gespür für Erfolgsfilme bekannt ist, aber auch für seine Wutausbrüche und zum Teil harsche Reaktionen. Weinstein trägt nicht umsonst den Spitznamen "The Punisher" (Der Bestrafer). Der mächtige Filmproduzent ist es seit Jahrzehnten gewohnt, dass seine Vorstellungen befolgt und umgesetzt werden. Seit dem Erscheinen eines Beitrags in der "New York Times", stellt sich jedoch die Frage: Zu welchem Preis?

In dem Artikel kommen mehrere Frauen zu Wort, die Harvey Weinstein sexuelle Belästigung vorwerfen. Darunter ehemalige Mitarbeiterinnen des , aber auch namhafte Schauspielerinnen wie Ashley Judd und Rose McGowan. Letzterer soll Weinstein im Jahr 1997 ein Schweigegeld in Höhe von 100.000 Dollar gezahlt habe, nachdem er die damals 23-jährige Schauspielerin während des Sundance Filmfestivals in einem Hotelzimmer belästigt haben soll.

Ashley Judd sollte Harvey Weinstein angeblich beim Duschen zusehen

20 Jahre zurück liegen auch die Erfahrungen, die Ashley Judd mit Harvey Weinstein machte. Die Schauspielerin schilderte der "" eine Begegnung, die eigentlich als Arbeitsfrühstück gedacht war. Demnach bat Weinstein die damals 29-Jährige in sein Hotelzimmer, wo er sie im Bademantel empfing. Dann habe der Produzent sie gefragt, ob sie ihm eine Massage geben oder ihm beim Duschen zusehen könnte. Sie sei panisch geworden und habe sich gefangen gefühlt, sagte Judd. Ihr einziger Gedanke sei nur gewesen: Wie komme ich schnellstmöglich aus diesem Raum.

McGowan und Judd, das muss man auch sagen, haben nie die ganze große Hollywood-Karriere gemacht. Obwohl sie durchaus in Kassenschlagern wie "Scream" oder "Die Jury" zu sehen waren. Aber der Einfluss Harvey Weinsteins auf die Filmbranche der USA ist gewaltig.

Ashley Judd und Rose McGowan

Die Schauspielerinnen Ashley Judd (l.) und Rose McGowan gehören zu den Frauen, die Filmproduzent Harvey Weinstein sexuelle Belästigung vorwerfen.

Die Sprecherin Weinsteins spielte die Vorwürfe der Frauen mit lächerlichen Aussagen herunter. Harvey Weinstein sei "ein alter Dinosaurier, der neue Wege lernt". Er habe Fehler zugegeben und sei bereit diese zu reflektieren, er begebe sich in Therapie, um seine "Dämonen" zu bekämpfen. "Ich komme aus den 60ern und 70ern, als die Regeln über Benehmen am Arbeitsplatz andere waren. So war die Kultur damals", schrieb Weinstein in einem Statement an die "New York Times".

Über die konkreten Vorwürfe der einzelnen Frauen verlor er kein Wort. Stattdessen engagierte er den Anwalt Charles J. Harder, der ihm helfen soll, die "New York Times" wegen angeblich falscher und verleumderischer Angaben zu verklagen. Demnach fordert Weinstein von dem Blatt 50 Millionen Dollar. Eine Sprecherin der "New York Times" teilte hingegen mit, die Zeitung stehe zu ihrer Berichterstattung.

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