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Veronica Ferres: Liebesgrüße aus Südafrika

"Ich mache Sie berühmter als Sharon Stone", hatte ihr Manager 2004 versprochen. Aus den Hollywood-Plänen der Veronica Ferres wurde nichts. Stattdessen dreht sie einen Fernsehfilm nach dem anderen und macht mit ihrem Privatleben Schlagzeilen. Für alle Beteiligten offenbar eine willkommene PR.

Von Jens Maier und Julia Mäurer

Die Berliner Fashion Week zu Ende, die Gala zur Preisverleihung der Goldenen Kamera ausgefallen, kein neuer Tratsch über Boris Becker und Lilly Kerssenberg in Sicht und die Berlinale erst am Donnerstag gestartet: Es herrscht derzeit Flaute in den deutschen Klatschspalten. Da kommt der "Bild"-Zeitung zwischen der Gesundheitsbeichte von Ottfried Fischer ("Mein Leben mit Schüttellähmung") und dem Skandälchen um die Klage von Heidi Klum gegen einen Hartz-IV-Empfänger ("Jenny Elvers rettet Hartz-IV-Empfänger") eine Story um Schauspielerin Veronica Ferres gerade recht. Auch die "Bunte" stürzt sich diese Woche mit der Frage "Frisch Verliebt?" auf die angebliche neue Affäre der Schauspielerin.

Mit den Worten "zarte Frühlingsgefühle mitten im Winter" beginnt die Titelstory in der "Bunten". Und weiter heißt es: "Eine der berühmtesten und beliebtesten Schauspielerinnen Deutschlands ist auf dem Weg zurück ins Glück." Nur einen Tag zuvor, am Mittwoch, hatte die "Bild" getitelt: "Neue Liebe? Er schenkt ihr das Lachen zurück." Die Rede ist von Veronica Ferres und dem Multimillionär und AWD-Gründer Carsten Maschmeyer. Er sei nach Südafrika geflogen, um Ferres bei Dreharbeiten zu besuchen, dabei bahne sich offenbar eine Liebesaffäre an, berichten beide Blätter übereinstimmend. Was auf den ersten Blick aussieht wie eine Enthüllungsstory über ein neues Liebespaar, könnte auch eine PR-Nummer von "Bild", "Bunte" und Ferres sein.

Die These vom neuen Liebespaar wird in beiden Berichten von einem nicht namentlich genannten "Vertrauten" gestützt, der in beiden Blättern so zitiert wird: "Carsten Maschmeyer ist fasziniert von Veronica. Die beiden verstehen sich sehr gut, passen toll zusammen." Sowohl "Bild" als auch "Bunte" bestehen allerdings darauf, dass das Zitat ihnen gegenüber gemacht wurde: "Ein Vertrauter berichtet 'Bild'" und "ein Vertrauter zu Bunte", beginnt der Wortlaut. Doch damit nicht genug der Gemeinsamkeiten: "Veronica wünscht sich, dass sich etwas Neues in ihrem Leben entwickelt", wird ein weiterer Vertrauter in "Bild" zitiert, zu "Bunte" sagt "eine Freundin": "Veronica wünscht sich sehr, dass sich etwas Neues in ihrem Leben entwickelt."

Beweisfotos zeigen Ferres und Maschmeyer beim Spaziergang

"Bild" und "Bunte" haben neuerdings aber nicht nur die gleichen Informanten, sondern auch denselben Fotografen. Der Leser bekommt in beiden Publikationen identische Fotos präsentiert - in "Bild" zwei mehr als in "Bunte". Sie werden als weiterer Beweis dafür geliefert, dass sich zwischen Ferres und Maschmeyer etwas anbahne. Zu sehen sind allerdings keine Küsse oder gar Liebesakte, sondern vollkommen unverfängliche Szenen aus Südafrika: ein Spaziergang, der Besuch einer Gartenparty und ein gemeinsamer Drink. Das angebliche Paar berührt sich auf den Fotos kaum. Gespickt werden diese dafür mit Bildunterschriften wie "in Kapstadt sah man beide viel lachen" ("Bunte") oder "Abendsonne, Meerblick. Er in Poloshirt und Bermudashorts, sie im violetten Seidenjersey" ("Bild").

In beiden Publikationen wirken die Fotos, als seien sie heimlich geschossene Papparazzo-Aufnahmen. In "Bunte" sind sie größtenteils verschwommen, bei "Bild" ist mal ein Strauch dazwischen, mal ist eines unscharf. Von wem diese Fotos stammen, wollten weder "Bunte" noch "Bild" auf Anfrage von stern.de beantworten. "Darüber geben wir keine Auskunft", hieß es unisono. Dass die Fotos weder der Zeitschrift "Gala" noch der Foto-Agentur "Bullspress" zum Kauf angeboten wurden, spricht allerdings dagegen, dass es sich um Papparazzo-Aufnahmen handelt. Die werden nämlich normalerweise höchstbietend verkauft. Sind die Bilder also gar nicht heimlich gemacht worden?

Der Informationsgehalt beider Geschichten ist ähnlich nichtssagend wie die Fotos. Der Leser erfährt in blumigen Worten, dass Sommer in Südafrika ist ("Bunte": "Dort ist das Land nicht unter Eiseskälte erstarrt wie zurzeit bei uns, sondern die Menschen erfreuen sich eines unbeschwerten Sommers", "Bild": "Die Sonne scheint sanft, die Luft schmeckt frisch salzig.") und dass Ferres und Maschmeyer sich bereits 2007 auf der Berlinale kennengelernt hätten. Die Betroffenen selbst kommen nicht zu Wort, die These vom Liebespaar bleibt allein gestützt auf die Aussagen der sogenannten Vertrauten.

"Kein Kommentar" von Ferres' Management

Ein AWD-Sprecher bestätigte auf Anfrage von stern.de, dass sich Maschmeyer und Ferres kennen würden und dass sich beide bei verschiedenen AWD-Veranstaltungen begegnet seien. Über die angebliche Affäre wollte er sich nicht äußern. Auch bei Ferres' Management hieß es "kein Kommentar". Dass die Berichte in "Bild" und "Bunte" ohne das Einverständnis von Ferres abgedruckt wurden, ist trotzdem eher unwahrscheinlich. "Bunte" wollte sich auf Nachfrage von stern.de nicht zu einer möglichen Zusammenarbeit zwischen ihnen, "Bild" und Ferres äußern. "Zur Entstehung unserer Geschichten äußern wir uns grundsätzlich nicht", hieß es beim Burda-Verlag, in dem die "Bunte" erscheint. "Bild" hat auf eine entsprechende Anfrage überhaupt nicht reagiert und auch das Ferres-Management wollte sich über eine eventuelle Kooperation bei der Berichterstattung nicht äußern.

Arbeiten "Bild", "Bunte" und Ferres zusammen? Die Masche der Berichterstattung weist jedenfalls frappierende Ähnlichkeiten zu einer Story im vergangenen November auf. Als Ferres 2008 ihre Trennung von Ehemann Martin Krug bekannt gab, war dies exklusiv zuerst in "Bild" und dann in "Bunte zu lesen. Auch damals in "Bild" an einem Mittwoch, einen Tag später in der neuen "Bunten". Den Artikel in "Bunte" schrieb damals die gleiche Autorin wie heute und wie es der Zufall so will, hatte Ferres damals gerade einen Film zu promoten. Der RTL-Dreiteiler "Die Patin" lief im Dezember im Fernsehen, der Hinweis bei "Bunte" lautete: "Starke Frau im RTL-Dreiteiler." Zurzeit hat Ferres gleich drei Filme im Angebot. Und natürlich fehlt auch dieses Mal der Hinweis bei "Bunte" nicht.

Nach Angaben von "Bunte" war Veronica Ferres übrigens 2008 mit 60 Nennungen - nach Angela Merkel mit 116 - die in der Zeitschrift meistgenannte in Deutschland lebende Frau. Und sowohl das People-Magazin als auch Ferres scheinen kräftig daran zu arbeiten, dass das auch so bleibt.