HOME

VICTORIA BECKHAM: »Klatsch? Da lachen wir uns kaputt!«

Noch ein Spice Girl auf Solopfaden: Victoria Beckham über Ehemann David und ihr Verhältnis zur englischen Presse, über Magersucht, Stilettos und ihr eigenes Album.

Frau Beckham, Ihr Handy piept.

Oh, das ist sicher eine SMS von David. Ich finde diese Textnachrichten großartig. Ich tippe leider sehr langsam - meine Fingernägel sind einfach zu lang.

Wie oft telefonieren Sie denn so mit Ihrem Mann?

Wenn wir nicht zusammen sind, mindestens zehnmal am Tag. Ich habe eine furchtbar hohe Telefonrechnung. Bei jedem Scheiß denke ich, oh, das muss ich David erzählen.

Auch das, was über Sie in der englischen Revolverpresse steht? Die Geschichten über Ihre Shoppingexzesse und die über Davids Vorliebe für Damenwäsche?

Klar. Ich lese jede Zeile über uns. Ich weiß, das sollte ich nicht tun, aber ich will wissen, wie mich die Leute sehen. Natürlich - manchmal schlage ich die Zeitung auf und denke: O Gott, was schreiben die wieder für einen Unsinn. Doch dann blättere ich weiter und denke: Cool, wer schläft denn da mit wem? Wissen Sie, ich liebe Klatsch.

Im Vereinten Königreich vergleicht man die Familie Beckham mit den Royals.

Ich finde das sehr amüsant.

Vielleicht verstehen Sie die Ironie nicht.

Wir sind Briten, okay? Sie nennen unser Haus »Beckingham Palace«, und David und ich lachen uns kaputt darüber. Als wir geheiratet haben, saßen wir auf einem Thron, weil wir das lustig fanden. Die Leute sagten: Was glauben die, wer sie sind? Aber ich lebe wie in einem Märchen, ich bin das glücklichste Mädchen auf der Welt - und wenn ich auf einem Thron sitzen will, dann setze ich mich eben auf einen verdammten Thron.

Sie haben Lady Di verehrt.

Sie war eine sehr schöne Frau, sie hatte Klasse und brachte Glamour in die Königliche Familie. Und sie hat zwei fabelhafte Söhne. Wir waren mal bei William und Henry auf Highgrove zum Tee. Ich weiß, es klingt jetzt albern, weil sie ja Prinzen sind, aber das sind ganz normale, nette Jungs. Und ich finde es bewundernswert, wie sie mit dem umgehen, was passiert ist.

Ende Juli zogen Sie in Ihr Anwesen in Hertfordshire, das Sie vor zwei Jahren für 7,8 Millionen Mark gekauft und seitdem renoviert hatten. Sind Sie sicher, dass Ihnen das im nächsten Jahr nicht zu klein ist?

Ach, es musste so viel daran gemacht werden, mir ist immer wieder was Neues eingefallen. Aber jetzt bin ich zufrieden. Zum ersten Mal habe ich ein richtiges Zuhause, wo meine Kleider sind und mein Make-up. Ich habe zehn Jahre lang aus dem Koffer gelebt, war mit den Spice Girls auf Tour oder bin zwischen Manchester und London gependelt. So schön London auch ist: Man kriegt furchtbar schlechte Haut von dem ganzen Dreck hier.

Können Sie da draußen auf dem Land unbeobachtet im Garten rumliegen?

Garten ja, liegen nein. David und Brooklyn wollen andauernd Fußball spielen. Ich muss immer ins Tor, und die beiden schießen auf mich.

Sie dribbeln nicht mit?

Ich kann keinen Ball schießen, dafür habe ich nicht die richtigen Schuhe. Ich liebe nun mal Stilettos. Ich habe Hunderte - ich sammel Schuhe.

Trösten Sie Ihren Mann, wenn er nach einer Niederlage von Manchester United abends nach Hause kommt?

Solange er mit seiner Leistung zufrieden ist, ist es nicht so schlimm. Wir bestellen was zu essen, gucken ein Video - und wenn er Brooklyn sieht, ist alles vergessen.

Es heißt, Sie hätten von Fußball überhaupt keine Ahnung.

Ich gehe ins Stadion, um David zu unterstützen. Aber was die da genau auf dem Platz machen? Ich weiß, was ein Tor ist. Und darauf kommt es doch an, oder?

Die englischen Fans dichten ziemlich witzige und manchmal auch sehr üble Schmählieder auf Sie und Ihren Sohn.

Seitdem David Kapitän der Nationalmannschaft ist, hat das nachgelassen. Dem Kleinen setzt das allerdings sehr zu. Er ist doch erst zweieinhalb.

Auch Sie sind in Ihrer Kindheit angeblich gehänselt worden.

Gehänselt? Die anderen Kinder haben mich geschubst und vermöbelt.

Könnte es daran gelegen haben, dass Sie schon damals im Rolls-Royce angereist sind, chauffiert von Ihrem Vater?

Ich war ein Außenseiter. Vor einiger Zeit bekam ich einen Brief von einem Mädchen, dem es ähnlich erging, auf derselben Schule. Ich nahm mir einen Nachmittag frei und fuhr einfach hin. Wir zwei setzten uns vor ihre Tür und unterhielten uns darüber. Danach ging?s uns beiden besser.

Waren die Spice Girls also Ihre Rache an der Menschheit?

Sie waren für mich großes Glück. Ich bin ja nicht die beste Sängerin und Tänzerin, und ich weiß das. Ich musste hart für alles arbeiten. Ich sage Ihnen, was die beste Schule für mich war: Ich war in der größten Band der Welt - ich war ein Spice Girl.

Sie waren? Sind Sie keins mehr?

Doch, aber nicht mehr jeden Tag.

Könnte es sein, dass die Spice Girls nur noch zusammen sind, weil es Verträge gibt, die sie dazu verpflichten?

Nein. Wir haben uns arrangiert. Die Band ist uns sehr wichtig, aber jede von uns macht zurzeit ihr eigenes Ding. Und ich bin sehr stolz auf alle.

Sie müssten in Ihrem Leben nie wieder arbeiten. Trotzdem haben Sie gerade ein Soloalbum* aufgenommen. Hatten Sie Angst, als Teeniestar von gestern aus den Klatschspalten zu verschwinden?

(Die Single »Not Such An Innocent Girl« erscheint am 17. September, das Album »Victoria Beckham« am 1. Oktober.)

Ich bin ehrgeizig. Ich will es auch allein schaffen. Als Victoria Beckham Erfolg haben, weniger als »Posh Spice«. Ohne David hätte ich allerdings nie das Selbstvertrauen gehabt, das Soloalbum aufzunehmen.

Wie findet er Ihre Musik?

Er mag sie. Eigentlich steht er ja auf Rap, Tupac Shakur und L. L. Cool J. Meine Platte ist aber ein Mix aus R&B und Pop. Ich liebe Usher und Toni Braxton und den ganzen Kram aus den USA. Die haben das wirklich drauf, den Glamour und den Groove. Die Engländer können das nicht.

Gibt es jemanden, den Sie im Showbiz um Rat fragen?

Die einzigen Celebrities, die wir auch privat treffen, sind Elton John und sein Freund David Furnish. Neulich waren David und ich bei ihnen zum Abendbrot eingeladen. Elton wollte unbedingt mein Album hören. O Gott, ich war so aufgeregt!

Und, hat Sir Elton gelacht?

Er hat es sich ein paarmal angehört, und dann hat er mich in den Arm genommen und gemeint, er sei sehr, sehr stolz auf mich. Wissen Sie, auch wenn er ein Freund ist, er würde mich nicht anlügen. Nicht, wenn's um Musik geht.

Brooklyn ist auch auf Ihrem Album zu hören, besser gesagt: sein Kindergebrabbel.

Ich habe »Every Part Of Me« für ihn geschrieben. Er brabbelt so viel, und ich wollte das unbedingt auf dem Album haben. Er kam mit ins Studio, breitete sein Spielzeug aus, aber als ich ihn vors Mikro setzte, war er total still. Ich musste ihn kitzeln, und deshalb hört man ihn bei dem Song lachen. Wenn er das Lied nun zu Hause hört, sagt er immer: »Brooklyn Song, Brooklyn Song.«

Wie steht?s mit weiterem Nachwuchs?

Unbedingt. Ich bin ein Familienmensch, aber ich möchte jetzt erst mal auf Tour gehen - meine Gebärmutter hat Pause. Brooklyn erziehe ich ja fast schon allein, weil David so viel unterwegs ist.

Sie sind nicht nur Sängerin und Mutter, Sie haben nebenbei noch zwei Firmen: Moody Productions und Yandella. Was bedeuten diese Namen?

Nichts.

Und was machen die Firmen?

Nichts.

Gar nichts?

David und ich rechnen unsere Spesen darüber ab.

Stimmt es, dass David Ihnen Lunchpakete fertig macht, bevor er das Haus verlässt?

Auch Brooklyn bekommt eins. Ich hatte heute Thunfischsalat und Kartoffelchips.

Dann schmeckt es also wieder? In Ihrer in England erschienenen Autobiografie geben Sie zu, magersüchtig gewesen zu sein. Schuld sei Geri Halliwell.

Geri hat mir immer gesagt, im Fernsehen würde man fett aussehen. Sie sagte, nimm Low-Fat-Produkte, iss nicht so viel. Wir waren damals die dicksten Freundinnen.

Würden Sie noch mit ihr essen gehen?

Nein. Es ist zu viel passiert. Sie hat uns total hängen lassen, als sie die Spice Girls verließ. Wir haben auch nicht mehr viel gemeinsam. Ich mache kein Yoga, ich kann nicht mal einen Purzelbaum.

Sind Sie zufrieden mit Ihrer Figur?

Ich habe einen furchtbaren Bauchnabel. Und mein Po ist zu klein. Aber ich kann tun, was ich will - da nehme ich nicht zu.

In Ihrem Buch steht auch, Sie hätten Ihren Mann vor Eifersucht mal blutig geschlagen.

Ich war schwanger, und meine Hormone sind mit mir durchgegangen. Da war gar nichts. Aber es würde mich umbringen, wenn er mich betrügen würde.

Nennen Sie uns fünf Gründe, warum Prinz David Prinzessin Victoria liebt.

Weil ich seine beste Freundin bin. Ich bin treu, ich liebe ihn, ich tue alles für ihn und unseren Sohn. Und ich bin ehrlich.

Interview: Ulrike von Bülow und Arezu Weitholz