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Was macht eigentlich ...: ... Dietlinde Turban?

Die Schauspielerin lernte mit 25 Jahren auf einer Preisverleihung den Mann ihres Lebens kennen - den Dirigenten Lorin Maazel. Und beendete ihre vielversprechende Karriere.

Wir erreichen Sie auf Ihrer Farm in Virginia, die "New York Times" hat sie als Mischung aus Old MacDonald und Neverland beschrieben. Stimmt das?

Ganz falsch ist es nicht. Das Haus ist ein richtig altes Südstaatenhaus. Ich finde, es sieht aus wie aus "Vom Winde verweht". Ein Paradies.

Aus einem Hühnerstall auf "Tara" haben Sie ein Theater gemacht ...

Mein Mann hatte die Idee, eigentlich sollte es nur eine kleine Bühne für die Kinder werden. Dann wurde es immer professioneller, und jetzt ist es wie eine Miniaturausgabe des Globe Theatre in London.

Und was wird im Hühnerstall gespielt?

Alles. Wir veranstalten Konzerte, Theaterabende, Ballettaufführungen, Lesungen. Es hat sich herumgesprochen, dass es in unserem kleinen Dorf tatsächlich Aufregendes von Weltniveau gibt. Einmal im Jahr organisieren wir einen Workshop mit 50 jungen Stipendiaten, alle zwischen 15 und 25, die fünf Wochen auf unserer Farm wohnen und arbeiten. Das Resultat ist eine Kammeroper, die mein Mann dirigiert.

Sie haben Ihre Karriere beendet, bevor sie richtig angefangen hat, da waren Sie gerade 27. Hatte Ihr Mann Sie darum gebeten?

Im Gegenteil. Lorin hat mich immer ermutigt, weiter zu arbeiten, aber ich wollte Familie. Ich hatte in sieben Jahren 33 Filme gedreht und zwischendurch viel Theater gespielt. Da fiel es mir nicht schwer, erst mal eine lange Pause einzulegen.

Sie galten als eine der ganz großen Begabungen, wurden mit Romy Schneider verglichen. Gab es Versuche, Sie zurückzuholen?

Keine ernst zu nehmenden.

Wie war das, so jung mit einem berühmten Mann zusammen zu sein?

Wunderbar und aufregend! Manchmal gewöhnungsbedürftig, äußerlich, keiner drehte sich mehr nach mir um. Irgendwann war es angenehm, ich war völlig frei. Trotzdem, es ist nicht, als wäre man mit Robert Redford unterwegs. In der Musikwelt ist das Gott sei Dank anders als beim Film.

Welche Bedeutung hatte der Name Maazel damals für Sie?

Er war für mich einer der allergrößten Dirigenten, ich habe ihn bewundert, aber nie live gesehen. Bis ich dann neben ihm stand. 1983, beide mit dem Bambi in der Hand. Wir kamen gleich ins Gespräch, und dieses Gespräch hat nicht mehr aufgehört.

Welche Rolle spielte der Altersunterschied?

Keine. Ich habe nie darüber nachgedacht.

Ihr Schwiegervater ist 104 und sehr fit.

Genau. Ein gutes Vorbild. Lorin scherzt manchmal und sagt, vielleicht gehe ich mit 90 in Frühpension.

Wie sah Ihr Leben aus in den vergangenen Jahren?

Wir sind durch die ganze Welt gereist, das machen wir heute noch. Auch als die Kinder klein waren, waren wir immer alle zusammen - wie ein kleiner Wanderzirkus. Die Buben Orson und Leslie, unsere Tochter Tara, ein Ehepaar als Privatlehrer, 18 Koffer, mein Mann und ich. Wir waren Monate unterwegs, sind von Japan nach Pittsburgh geflogen, dann wieder nach München. Wir lebten da, wo mein Mann gerade dirigiert hat. Ausgeruht haben wir uns dann auf der Farm.

Sie sind jetzt 50. Besondere Pläne?

Ich möchte alles lernen, wozu ich nie gekommen bin. Ich habe angefangen, Tennis zu spielen, will den Führerschein machen, dann Theater spielen, schreiben. Mein Bruder, der Geiger Ingolf Turban, hat in München ein Kammerorchester gegründet, damit wollen wir nächstes Jahr auf Tournee gehen.

Wie groß ist Ihre Sehnsucht nach Europa, nach Deutschland?

Wenn es ein spannendes Angebot gäbe, würde ich es annehmen.

Interview: Carla Woter

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