Was macht eigentlich ... ... Sharon Cohen?


Unter dem Namen "Dana International" gewann die transsexuelle Israelin vor genau zehn Jahren mit "Diva" den Schlager-Grand-Prix in Birmingham.

Als Grand-Prix-Diva haben Sie über 24 Nationen triumphiert. Wie war das?

Dieses unglaubliche Glücksgefühl! Das habe ich nie zuvor so intensiv erlebt - und seitdem auch nicht wieder. Ich war jung, ich war naiv und dachte, Ruhm sei alles für mich. Ist es aber nicht. Sängerin sein ist ein toller Job, nicht mehr. Träume und Idealismus halte ich da raus.

Sie sind jetzt wieder beim Grand Prix in Belgrad vertreten: Sie haben den Song für Israels Kandidat Boaz Mauda geschrieben. Macht Sie das nicht stolz?

Doch, klar! Ich wünsche Boaz, dass er siegt. Und ich arbeite gern als Songwriterin. Als ich den Grand Prix gewonnen habe, bekam der Komponist von "Diva" die eigentliche Trophäe. Für mich gab es nur irgend so ein kleines Ding. Dieses Jahr möchte ich den richtigen Pokal!

Nach dem Sieg hat vor allem Ihre Transsexualität Furore gemacht. Orthodoxe beschimpften Sie als "Satan".

Das war nie so schlimm wie in den Medien dargestellt. In meiner Heimatstadt Tel Aviv gibt es kaum Orthodoxe. Und mir brachte der "Skandal" Publicity.

Als kapriziöse Diva gelten Sie heute noch.

Trete ich als "Dana International" auf, verändere ich mich unbewusst. Das ist wie ein Schutzmechanismus gegen das Showbiz. Privat bin ich viel netter und höflicher. Stehe zum Beispiel brav in der Schlange, wie es ja auch in Deutschland üblich ist.

Sie waren früher oft in Hamburg.

Das war 1990. Ich war 21 Jahre alt, habe in schäbigen Hotels an der Reeperbahn gewohnt und mich auf die Operation zur Frau vorbereitet - mit Hormonen.

Warum in Deutschland?

Alle Transsexuellen fuhren nach Hamburg und kauften Hunderterpackungen Hormonspritzen ein. Die waren dort leicht zu kriegen. Ich fand alles wunderbar: die Reeperbahn, das Travestie-Theater "Pulverfass", die toleranten deutschen Jungs.

Wie tolerant sind Sie selbst?

Eigentlich sehr, aber ... Neulich habe ich einen Film gesehen über zwei Frauen, die Männer werden. Das hat mich abgestoßen! Ich schäme mich dafür, aber so war es. Ich verstehe Frauen nicht, die freiwillig Männer sein wollen. Seither frage ich mich: Ist es vielleicht genau dieser Ekel, den manche Menschen mir gegenüber empfinden?

Es ist sicher nicht leicht, im "falschen" Körper geboren worden zu sein.

Das ist kein falscher Körper! Für mich gehören Menschen wie ich zu einem neuen Geschlecht. Ich bezeichne mich nicht unbedingt als Frau. Meinetwegen kann man mich eine Katze nennen oder in sonst eine Kategorie pressen - ich bin, was ich bin, und ich bin glücklich damit. Wenn ich angegriffen werde, kann ich mich sehr gut verteidigen! Dann kommt meine männliche Seite hervor.

1998 hätten Sie ein Spice Girl werden können. Haben Sie Ihre Absage je bereut?

Auch so ein Sturm im Wasserglas. Ein Journalist stellte mir eine Suggestivfrage, ich antwortete, daraus wurde die Schlagzeile: "Dana will kein Spice Girl sein!" Mit ein wenig Nachdenken hätte jeder erkennen können, was für ein Quatsch das war. Würden die mir so etwas anbieten?

Sie wurden also nie gefragt?!

Natürlich nicht! Niemand braucht ein sechstes Spice Girl. Ich denke sogar: Niemand braucht die Spice Girls. Ich möchte meine Karriere eigenhändig kontrollieren.

Selbst wenn Sie weniger erfolgreich sind?

Auch dann. Ich mache weiter, was ich will. Früher wollte ich wie Madonna werden, aber das ist vorbei. Hut ab vor ihr: Sie arbeitet nur, hat kaum Privatsphäre. Das ist kein Leben für mich.

Interview: Sarah Schelp print

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker