Was macht eigentlich... ...Daniel Goeudevert?


Der in Frankreich geborene Manager galt lange als "Querdenker" der Automobilindustrie, redete von Umweltschutz und Tempolimit, als davon noch niemand etwas hören wollte

Wo erwischen wir Sie gerade?

Ich bin mit meiner Frau in Zermatt, wir machen Urlaub im Schnee. Sie fährt Ski, ich gehe spazieren und arbeite auch an meinem neuen Buch.

Welches Thema hat es?

Es ist ein Spaziergang der Gedanken durch die Ereignisse der heutigen Welt. Es geht um Kultur, Wirtschaft und auch Politik. Ich reagiere einfach mit meiner Erfahrung als ehemaliger Automanager auf die Ereignisse. Im Herbst kommt es raus.

Wie viele Bücher haben Sie geschrieben?

Das wäre das siebte. Davon leben kann ich nicht. Hätten alle meine Bücher den Erfolg meiner Biografie "Wie ein Vogel im Aquarium" gehabt, könnte ich davon leben.

Und wenn Sie keine Bücher schreiben?

Vor sechs Wochen bin ich 65 Jahre alt geworden und damit offiziell im Ruhestand. Ich habe mich weitgehend ins Privatleben zurückgezogen, was meine Frau und ich sehr pflegen. Sie werden es vielleicht nicht glauben, aber so ein bunter Vogel wie ich, der zu seiner aktiven Zeit ständig in den Medien war, hat nur einen echten Freund. Der wohnt in Bern. Diese Freundschaft ist mir viel wert, deshalb pflege ich auch sie. Ehrenamtlich bin ich noch für eine Stiftung tätig, die sich um wirtschaftliche Verbindungen innerhalb Europas kümmert.

Wird Ihr Rat noch gesucht?

Berater war ich nie. Was mich wundert, ist, dass ich oft eingeladen werde, Reden zu halten. Besonders, wenn das Thema Umweltschutz oder Klimawandel für Schlagzeilen sorgt.

Juckt es Sie nicht, wieder für die Autoindustrie tätig zu sein?

Der Ausdruck trifft es genau. Schließlich habe ich mein Berufsleben in dieser Branche verbracht. Vieles macht mich traurig, manches wütend.

Was denn?

Als ich Anfang der 90er Jahre darauf hingewiesen habe, dass wir kleinere, technisch bessere, umweltfreundlichere, preiswertere Autos brauchen, bekam ich von meinen Kollegen zu hören: "Die Leute wollen große Autos." Michail Gorbatschow hat mal gesagt: "Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben." Ich war offenbar zu früh mit diesen Gedanken, mich hat das Leben auch bestraft.

Haben Sie ein Beispiel aus jüngerer Zeit?

Als sich abzeichnete, dass Toyota ein Hybridauto anbieten wird, habe ich einen Verantwortlichen in der Industrie angerufen und gesagt, passt auf, dass die euch nicht abhängen. Genau das ist passiert. Als Renault plante, mit dem Dacia Logan ein simples, qualitativ gutes und preisgünstiges Auto anzubieten, habe ich wieder angerufen. Meine Worte verhallten. Ich erinnere mich noch genau, als ich als Chef von Ford Deutschland das 10000-Mark-Auto propagierte. Ich wurde ausgelacht.

Vielen Managern gehen heute Aktienkurs und Profit über alles. Wie finden Sie das?

Grauenvoll. Profit ist wichtig und für das Weiterbestehen einer Firma notwendig. Wer jedoch die Qualität eines Produkts ausschließlich über Kosten definiert, um damit den Profit zu maximieren, hat den Job nicht verstanden. Nehmen wir die amerikanischen Autohersteller. Wenn eine Industrie alles falsch gemacht hat, dann ist es diese - ohne Rücksicht auf soziale Orientierung, ohne Rücksicht auf die Umweltverträglichkeit und ohne Rücksicht auf gesellschaftliche Ordnung.

Haben Sie noch Kontakte in die Autoszene?

Nein, kaum noch. Das Traurige an dem Managementsystem ist nicht, dass Sie nach vielen Jahren im Vorstand eines Unternehmens plötzlich abserviert werden. Das ist mir bei VW passiert. Traurig ist, dass man hinterher so tut, als hätte es Sie nie gegeben. Ich habe mal einen schönen Satz dazu gelesen, den ich sehr treffend finde: Menschen, die kommen, sehen immer größer aus als die, die gehen.

Interview: Harald Kaiser print

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