Was macht eigentlich... ...Heide Simonis?


Die SPD-Politikerin zog sich 2005 nach der verlorenen Wahl zur Ministerpräsidentin aus der Politik zurück. Für Schlagzeilen sorgte sie danach mit Auftritten in einer Fernseh-Tanzshow

Frau Simonis, wie steht’s um Ihr seelisches Gleichgewicht?

Bestens, danke. Warum die Sorge?

Sie haben mal bekannt, depressiv zu werden, sobald Sie auf fünf Schritte kein Mensch erkennt. Und nun sind Sie doch schon einige Zeit aus den Medien verschwunden ...

Also bislang hatte ich keinen Grund zur Depression. Erstaunlich viele Leute wissen noch, wer ich bin, und freuen sich, mich zu sehen. Witzigerweise übrigens auch sehr viele Kinder. Ich glaube, das hängt mit dem schönen Projekt "Let’s dance" zusammen.

Sehr freundlich, dass Sie das Thema freiwillig ansprechen. Stichwort "Hoppel-Heide"...

Wer öffentlich kegelt, der muss damit rechnen, dass öffentlich mitgezählt wird. Allerdings ist mir immer noch nicht klar, was unanständig daran gewesen sein soll, in einer Familiensendung im hochgeschlossenen Kleid mit Glitzersteinen schlecht zu tanzen. Da fehlt mir die schmutzige Fantasie. Außerdem habe ich mit der Sendung Geld für Unicef ertanzt.

Ist es nicht toll, dass es solche Organisationen gibt, die ehemaligen Politikern eine Beschäftigung bieten?

Das hieße Unicef unrecht tun! Sagen wir es so: Das ist eine äußerst sinnvolle Kooperation. Mit mir als Vorsitzender des deutschen Komitees profitiert Unicef von den Netzwerken einer ehemaligen Ministerpräsidentin - und ich habe was Vernünftiges zu tun.

Zum Beispiel?

Ich mache auf die Probleme von Kindern in Deutschland und weltweit aufmerksam, sammele Spenden, besuche Ehrenamtliche, Initiativen und Einrichtungen, beteilige mich an Podiumsdiskussionen oder halte Vorträge. Außerdem bin ich immer noch Schirmherrin der Schleswig-Holsteinischen Tafeln, der Hospizbewegung, kümmere mich um traumatisierte Frauen und Flüchtlinge. Ich setze mich möglichst immer da ein, wo Menschen in Bereichen arbeiten, die viel Überwindung bedeuten. Das hat was mit meinem ausgeprägten Helfersyndrom zu tun. Ich war schon als Ministerpräsidentin immer die Florence Nightingale von der Staatskanzlei.

Ach, die Staatskanzlei! Sehnsucht nach der guten alte Zeit?

Nein. Früher oder später muss man loslassen, irgendwann muss es auch mal gut sein. Meine Zeit als aktive Politikerin ist vorbei. Und offen gestanden reizt mich die Vorstellung, als ehemalige Ministerpräsidentin heute stumm auf irgendeiner Hinterbank zu sitzen oder vielleicht mal zehn Minuten über Minderheitenpolitik zu reden, auch nicht so sehr. Minderheitenpolitik ist zu wichtig, als dass sie von einer möglicherweise frustrierten abgewählten Ministerpräsidentin abgehandelt werden sollte.

Frust ist ein gutes Stichwort. Am 17. März 2005 erlebten Sie Ihr "Waterloo an der Waterkant" - in vier demütigenden Wahlgängen zur Ministerpräsidentin wurden Sie eiskalt abserviert ...

Von einem Mitglied meiner eigenen Fraktion! Von jemandem, der wie alle anderen aus der Wahlkabine rausgekommen ist und mir mit betroffener Miene Mut zugesprochen hat. Von einem, der bei der Probeabstimmung vor dem vierten Wahlgang noch für mich gestimmt hat. Ich gehe bis heute nicht in die Fraktion. Da ist er ja noch dabei.

Sie wissen also, wer der "Heide-Mörder" ist?

Ja. Ich kann es nur nicht beweisen. Und es änderte ja auch an den Tatsachen nichts mehr. Aber wenn wir uns irgendwann mal am Scheideweg treffen - ich in den Himmel und er in die Hölle -, dann werde ich ihm verraten, warum er zum Teufel fährt.

Interview: Christoph Wirtz print

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