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"Mut- und planlos": Heide Simonis attackiert SPD-Chef Sigmar Gabriel

In einem Interview mit der "Zeit" wirft Heide Simonis SPD-Vorsitzendem Sigmar Gabriel Mutlosigkeit vor. Zudem könnte die Wahl des Linken Bodo Ramelow zur Zerreißprobe für die Sozialdemokraten werden.

In einem Interview mit der Wochenzeitung Wochenzeitung "Die Zeit" wirft die ehemalige SPD-Ministerpräsidentin von Schleswig Holstein, Heide Simonis, dem SPD-Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel einen mut- und planlosen Kurs vor. "Er kommt mir vor wie jemand, der im Schwimmbad auf den Zehnmeterturm geklettert ist und nun von unten bestaunt wird. Doch dabei blickt er selbst ganz ängstlich von oben runter" wird Simonis in der "Zeit" zitiert. "Man spürt richtig, dass ihm manchmal der Anspruch und der Mut fehlen, es allen zu zeigen und zu springen."

Die SPD sei gut beraten, ihr linkes Profil zu schärfen, sagte Simonis. "Wir haben eigentlich ein großes Wählerpotenzial, das eine eher linke SPD-Politik unterstützen würde - aber diesen Leuten bieten wir zu wenig." Gabriel hingegen wolle die SPD in die Mitte rücken, um aus dem "25-Prozent-Turm" im Bund auf Dauer herauszukommen. Simonis meinte mit Blick auf die nächste Bundestagswahl 2017: "Die SPD sollte sich die rot-rot-grüne Option in jedem Fall offenhalten." Vor einem Jahr hatte die SPD beschlossen, die Option künftig nicht mehr auszuschließen.

Deftige Kritik an Gabriel

Ein Scheitern des Linken-Politikers Bodo Ramelow bei der Wahl zum thüringischen Ministerpräsidenten hätte nach Ansicht der 71-Jährigen fatale Folgen für die SPD. Falls die Wahl am Freitag schiefgehen würde, "wäre das Malheur noch schlimmer als damals bei mir". "Eine Niederlage würde die SPD in Thüringen derart durcheinanderrappeln - man hätte größte Mühe, zu verhindern, dass es sie zerreißen würde - nicht nur weil es um ein neues Koalitionsmodell geht", sagte Simonis. Diesmal seien alle gewarnt und wüssten um die Konsequenzen.

Am Freitag will sich Ramelow zum Regierungschef in Thüringen wählen lassen. Das rot-rot-grüne Bündnis hat nur eine Stimme Mehrheit. Die Wiederwahl von Simonis als Ministerpräsidentin war 2005 im Kieler Landtag gescheitert, weil ihr eine Stimme aus dem Lager von SPD, Grünen und der dänischen Minderheitenpartei SSW versagt wurde. Sie sei seitdem nie mehr in die Fraktion gegangen. "Dort sitzt immer noch der eine Irre, der mich so brutal hereingelegt hat", sagte Simonis, die glaubt, den Abweichler zu kennen. Bis heute ist dessen Name nicht bekannt.

ono/DPA / DPA