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Was macht eigentlich...: Günter Geiermann

In den 70er Jahren grüßte ihn fast jeder auf der Straße: Hallo, Herr Kaiser. Der Schauspieler gab in Anzeigen und Werbespots einen (sympathischen) Versicherungsvertreter

Zur Person:

Günter Geiermann in einem Café unweit seiner Wohnung in München-Schwabing, wo der unverheiratete Schauspieler allein lebt. Geboren wurde der heute 65-Jährige in Trier. Nach dem Schauspielstudium an der Akademie in Saarbrücken spielte Geiermann vorwiegend Theater, war aber auch regelmäßig im Fernsehen zu sehen (u. a. in Serien wie "Derrick" oder "Der Kommissar"). Von 1972 an verkörperte er für die Hamburg-Mannheimer den freundlichen Versicherungsexperten Kaiser. Nach 18 Jahren Dienstzeit als Werbefigur, das ist Rekord, wurde Geiermann 1990 von einem jüngeren Kollegen abgelöst

Das Interview mit Günter Geiermann führte Bernd Teichmann

Hallo, Herr Kaiser! Drehen Sie sich heute noch instinktiv um, wenn Sie jemand so auf der Straße anspricht?

Ach, die Zeiten sind längst vorbei, obwohl ich auch nicht völlig in der Versenkung verschwunden bin. Seit den 90er Jahren bin ich immer mal wieder in Talkshows und Sendungen über Werbung aufgetreten.

Und während Ihrer Kaiser-Zeit?

Das können Sie sich ja vorstellen. In den Siebzigern gab's zwei Fernsehsender, die täglich die Hamburg-Mannheimer-Spots zeigten, oft direkt vor der "Tagesschau". Ich konnte kaum über die Straße gehen, ohne angesprochen zu werden.

Fühlten Sie sich wie ein Star?

Ein bisschen schon. Ich trug stets einen Packen Autogrammkarten bei mir, und die gingen auch schnell weg. Ich hatte sogar einen Fan-Club und bekam auch viele Briefe und Heiratsanträge. Und als ich Theater spielte, kamen einige wirklich nur in die Vorstellung, um mich zu sehen. Das Stück hat die gar nicht interessiert.

Wie sind Sie denn Herr Kaiser geworden?

Die haben damals in München, Berlin und Hamburg ein Casting veranstaltet. Und von den Tausenden von Bewerbern bekam ich dann den Zuschlag - wahrscheinlich,weil ich so jung und dynamisch war ...

War das dann ein Fluch oder ein Segen?

Sagen wir: Schicksal. Ich hab's mir ja so ausgesucht. Ich wäre wohl als Schauspieler heute viel weiter, schließlich hatte ich in den Siebzigern gute Fernsehrollen gehabt. 1973 spielte ich zum Beispiel die Hauptrolle in einem Fernsehfilm. Mit einer der Nebendarstellerinnen arbeitete ich Mitte der Achtziger wieder zusammen. Sie spielte nun die Hauptrolle, ich hatte drei Sätze.

Klingt ein bisschen verbittert...

Nun, es war schon deprimierend, als gelernter Theaterschauspieler keine Rollen mehr zu bekommen. Ich ging 1975 sogar in die Schweiz, weil mein Agent sagte: Wenn die hören, was du machst, nehmen die dich nicht. Als zum Beispiel an einem Münchner Theater ein Kollege einen Unfall hatte und der Regisseur mich als Ersatz vorschlug, streikte der Spielleiter: "Sie machen ja Werbung. Selbst wenn Sie der beste Schauspieler Deutschlands wären, würden Sie bei mir keinen Satz sprechen."

Und nach der Abdankung als Kaiser?

Viel Theater, zahllose Fernsehrollen und ab und zu mal eine kleines Engagement beim Film. Im Februar stehe ich wieder in dem Stück "Geliebter Lügner" auf der Bühne, und Ende September werde ich dann "Der Tod des James Dean" aufführen, ein Stück, das ich nach Alfred Anderschs gleichnamigem Hörspiel adaptiert habe.

Sie schreiben auch?

O ja, ich hatte mal richtige Ambitionen als Autor.

Wieso hatte?

Weil ich, ehrlich gesagt, einfach zu faul war, das bis zur letzten Konsequenz weiter zu verfolgen.

Liegt denn noch was in Ihrer Schublade?

Ich habe vor einigen Jahren ein Theaterstück über Stalingrad verfasst. Das will ich auf jeden Fall noch aufführen. Außerdem ein paar Drehbücher, zwei Satiren und ein Stück mit dem Titel "Das Medium" über zwei verkrachte Schauspieler.

Mit dem Verkauf der Rechte könnten Sie ja Ihre Altersversorgung aufstocken.

Zusätzlich zu der kleinen monatlichen Rente von der Hamburg-Mannheimer. Die erhalte ich nämlich, seit ich im April 65 geworden bin.

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