Was macht eigentlich... Leonard Nimoy


Er war Mitte der 60er Jahre der ewig muffelige, spitzohrige Commander Spock auf dem Raumschiff Enterprise - eine der erfolgreichsten TV-Serien aller Zeiten

Zur Person:

Leonard Nimoy, 73, in seiner Villa in Bel Air, Kalifornien. Nimoy hat zwei Kinder, ist in zweiter Ehe mit der Schauspielerin Susan Bay verheiratet. Seine Karriere begann er als Achtjähriger mit kleinen Filmrollen in seiner Geburtsstadt Boston. Nach der Schauspielschule zog er mit 18 Jahren nach Kalifornien. In den folgenden Jahren sah man ihn in mehr als 100 TV-Filmen und Bühnenstücken. 1966 begann sein größter Rollen-erfolg: als spitzohriger HalbVulkanier Commander Spock auf dem "Raumschiff Enterprise"

Das Interview mit Leonard Nimoy führte Andreas Renner

Haben Sie schon mal was von (T)Raumschiff Surprise gehört?

Nein, was ist das?

Eine deutsche Filmparodie auf "Raumschiff Enterprise", in der alle Darsteller schwul sind. Auch Spock alias Spuck.

Sie meinen, der Film verarscht unsere TV-Serie? Was ist denn so lustig daran, dass Spock, Kirk und die anderen als schwul dargestellt werden?

Sind Sie beleidigt, wenn am Kultstatus von "Raumschiff Enterprise" gerüttelt wird?

Ach was. Ich bin stolz auf das, was wir mit der Serie erreicht haben, daran kann auch eine Parodie mit einem schwulen Spock nichts ändern. Ich komme im Mai nach Bonn, um an einer Messe rund um das Thema "Raumschiff Enterprise" teilzunehmen. Sagenhaft, dass auch nach mehr als 30 Jahren noch immer so viel Interesse an der Serie besteht.

Ihr Freund und Kollege William Shatner hat sich beschwert, weil er als Schauspieler immer noch hauptsächlich als Captain Kirk wahrgenommen wird. Geht es Ihnen ähnlich?

Nein, das wäre dumm. Spock war doch die Rolle meines Lebens. Wie viele Schauspieler können schon von sich behaupten, dass sie über Jahrzehnte hinweg mit einer bestimmten Rolle identifiziert werden? Das ist eine ganz besondere Ehre, wie ich finde. Zum Glück sind die Witze über meine Ohren weniger geworden. Ansonsten hat mir Spock ein schönes Leben beschert, mich reich und berühmt gemacht. Worüber sollte ich mich beschweren?

Dennoch hat sich Ihre Karriere nach der Serie auf das Fernsehen beschränkt. Hätten Sie gern mehr Filme gedreht?

Es stimmt schon, nach "Enterprise" bekam ich kaum Chancen, auch mal was anderes zu drehen. Dennoch war ich nie richtig arbeitslos, bin eigentlich ganz gut damit gefahren, in der zweiten Reihe zu werkeln. Aus künstlerischer Sicht hatte ich eine erfüllte Karriere, habe erfolgreich als Regisseur, Autor und Produzent gearbeitet. Besser jedenfalls, als ein Leben lang nur Besitzer einer Tierhandlung zu sein, wie zu Beginn meiner Karriere.

Die meisten Ihrer Kollegen können sich auch im Alter ein Leben ohne Arbeit nicht vorstellen. Sie dagegen haben vor zwei Jahren offiziell Ihren Ruhestand verkündet.

Ich bin jetzt 73 Jahre alt und habe einfach keine Lust mehr zu arbeiten. Ich möchte mit meiner Frau Susan das Leben in vollen Zügen genießen, schließlich habe ich mehr als 50 Jahre lang geschuftet, das reicht. Mit acht Jahren habe ich angefangen zu schauspielern, und ab meinem 19. Lebensjahr verdiente ich damit meinen Lebensunterhalt. Nein, ich gehöre nicht zu jenen Menschen, die nicht wissen, was sie mit ihrer Freizeit anfangen sollen.

Was machen Sie denn so den ganzen Tag ?

Ich bin leidenschaftlicher Fotograf und habe mir ein eigenes Studio mit Dunkelkammer eingerichtet. Dort fotografiere ich bevorzugt nackte Frauen in Schwarz-weiß; das ist spannender, als selbst vor der Kamera zu stehen, glauben Sie mir. Einige meiner Arbeiten verkaufe ich auch über die Website www.leonardnimoyphotography.com. Außerdem habe ich einen Bildband mit meinen Aufnahmen veröffentlicht, er heißt "Shekhina". Derzeit arbeite ich bereits an einem weiteren.

Schreiben Sie nicht auch Gedichte?

Stimmt. Dann reise ich viel und lebe in den Tag hinein. Nur gelegentlich lasse ich mich noch überreden, mal einen Werbespot zu drehen oder einer animierten Filmfigur meine Stimme zu leihen. Allerdings nur, wenn ich nicht mehr als einen Tag damit beschäftigt bin. Mit dem Honorar leisten sich meine Frau und ich dann einen zusätzlichen schönen Urlaub.

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