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Was macht eigentlich...: Peter Fonda

Weltruhm erreichte der Spross einer Schauspielerdynastie 1969 als Motorradfreak "Captain America" in dem von ihm selbst produzierten Roadmovie Easy Rider

Zur Person:

Peter Fonda mit seiner gelben BMW aus dem Jahr 1978, die er in einem Hotel in L. A. untergestellt hat. Der 65-Jährige lebt mit seiner zweiten Frau auf einer Ranch in Montana; er hat drei Kinder. Nach einem Studium versuchte Peter Fonda zunächst am Broadway, in die Fußstapfen seines Vaters Henry zu treten, bevor er in den frühen Sechzigern erste Filmrollen bekam. Insgesamt spielte Peter Fonda in mehr als 70 Filmen, reüssierte später auch als Regisseur und Drehbuchautor. Sein bekanntestes Werk: "Easy Rider", eine Motorradfahrt mit Dennis Hopper durch die Landschaft und Psyche der USA

Das Interview mit Peter Fonda führte Andreas Renner

Herr Fonda, in den USA gehen Hunderttausende gegen den Präsidenten auf die Straße. Sind Sie noch als Aktivist dabei - wie in den 60er und 70er Jahren?

Das Land befindet sich in einem politischen Desaster, die Menschen haben viel zu lange hingenommen, was im Weißen Haus verzapft worden ist. Doch offenbar erkennen jetzt immer mehr, dass wir uns einen so katastrophalen Präsidenten wie George W. Bush nicht länger leisten können. Ich selbst gehe nicht mehr auf die Straße. Aber ich wünschte mir, Prominente würden stärker ihren Einfluss nutzen, um die Machenschaften mancher Volksvertreter anzuprangern.

Sind die Schauspieler von heute zu brav?

Die meisten haben zu viel Angst um die Karriere. Sean Penn, Nicolas Cage oder Johnny Depp erinnern mich hingegen an meine jungen Jahre. Die scheren sich wenig darum, was andere denken, die reden, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Und sie sind tolle Schauspieler zudem.

Mit Filmen wie "Easy Rider" trafen Sie Ende der 60er Jahre den Nerv einer ganzen Generation. Haben Sie gerne den Rebellen gegeben?

Ich habe mein Image als Bad Boy über Jahre hinweg ja regelrecht kultiviert. Marihuana rauchen, wilde Partys feiern und Motorrad fahren waren meine Hauptlebensinhalte. Der Zeitpunkt von "Easy Rider" war geradezu ideal. Studenten protestierten überall auf der Welt gegen das Spießertum, die Flower-Power-Bewegung war auf dem Höhepunkt. Die Hippies schufen einen individuellen Modestil, hatte ihre eigene Musik und mit "Easy Rider" auch einen Film, der ihre Sprache traf.

Sind Sie noch immer so ein fanatischer Motorradliebhaber?

Ja klar! Ich besitze vier Motorräder: eine Ducati, eine Harley-Davidson und zwei alte BMWs. Eine davon habe ich in L. A. in einem Hotel untergestellt, damit ich mobil bin, wenn ich mal in der Stadt bin. Mit den anderen kurve ich durch meine Wahlheimat Montana, allerdings nicht mehr ganz so rasant wie früher, seit ich mir bei zwei Unfällen allerhand gebrochen habe.

Sie drehen auch weiterhin Filme?

Nur als Hobby-Cowboy auf meiner Ranch zu werkeln ist einfach zu langweilig. In Salma Hayeks Regiedebüt "Maldonado Miracle" habe ich mitgespielt, ebenso in "Ocean's Twelve" mit Brad Pitt. Ich möchte künftig auch weiter als Regisseur arbeiten. Derzeit sitze ich zum Beispiel an einem Drehbuch für ein Mörderdrama, das in Montana spielt. Kevin Costner soll die Hauptrolle spielen. Sie sehen, ich bin fauler geworden - bevorzuge Projekte, zu deren Dreharbeiten ich von meiner Ranch aus mit dem Motorrad fahren kann.

War es eigentlich Fluch oder Segen, Henry Fonda als Vater zu haben?

Es war nicht leicht, sein Sohn zu sein. Wir hatten ein eher unterkühltes Verhältnis, er konnte Gefühle nur schwer zum Ausdruck bringen. Als ich zum Beispiel mit ihm 1979 "Wanda Nevada" drehte, bei dem ich auch Regie führte, hat er mir nur geschrieben, dass er stolz auf mich sei. So war er. Ich versuche, meinen drei Kindern ein offenerer Vater zu sein.

Zwei davon sind Ihnen ins Showbusiness gefolgt. Sind Sie glücklich, dass die Fonda-Dynastie fortbesteht?

Justin ist Kameramann, Bridget Schauspielerin. Der Jüngste, aus meiner zweiten Ehe, ist Handwerker. Alle drei sind in ihrem Metier erfolgreich. Wenn es möglich gewesen wäre, hätte ich allerdings mein Erbgut so beeinflusst, dass keiner je im Showbusiness landet. Aber es ist gut, wie es ist.

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